(7) Röm 5,12-21: Adam und Christus
1. Teil: Röm 5,12-14: Die Sündenverfallenheit des gesamten Kosmos

Der erste Gedanke (Röm 5,12.14ab) formuliert die Übertretung des Gebots (Gen 2,17), nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen. Mit der Übertretung jenes ersten Gebots Gottes tritt die angekündigte Strafe ein: Der Verweis aus dem Paradies und damit die Verhängung der Sterblichkeit über Adam und alle seine Nachkommen (322).

In der tödlichen Konsequenz unterscheiden sich die eine Tat Adams und die vielen Taten seiner Nachkommen (die Übertretungen des von Gott gegebenen Gebots, der Tora vom Sinai) keineswegs, sondern lediglich in der einmaligen Prämisse des Geschehens Adams, der im Status des posse non peccare den tödlichen Ausgang hätte vermeiden können. Alle Adam Nachfolgenden befinden sich im Gegensatz zu Adam ausschließlich im Zustand des non posse non peccare. Ist so die eine Verfehlung Adams Grund und Voraussetzung des Todesgeschicks aller ihm Nachfolgenden, so gilt gleichwohl die Unentschuldbarkeit auch aller folgenden Sündentaten. Alle Menschen stehen unentrinnbar unter der Macht der Sünde, weil ihnen seit Adam das posse non peccare nicht mehr offen steht (323f).

In Röm 5,13 spricht Paulus die Zeitspanne zwischen der Gabe des ersten Gebots gegenüber Adam und der Gabe des zweiten Gebots (der Tora vom Sinai) an. Die Sünde wird in der Zeit zwischen Adam und Mose nicht auf die Rechnung gesetzt. Vor der Gesetzgebung war die Sünde wohl präsent und wirkmächtig, danach aber war sie als Sünde erkennbar, weil sie nun dem erklärten Willen Gottes widersprach. Erst seit der Tora vom Sinai wird dem Menschen gesagt, wie es vor dem heiligen und gerechten Gott um ihn bestellt ist (3,19). Trotzdem ist das schuldhafte Verhalten der Menschen auch vor Mose offensichtlich. Wenn schon die Menschen vor der genauen Kenntnis um ihre sündhafte Verstrickung mit dem Tod zu Recht des göttlichen Urteils teilhaftig wurden, um wie viel mehr gilt dies, da sie nun (mit der Gabe der Tora) die Kenntnis darum besitzen und ihnen die Sünde namentlich in Rechnung gestellt werden kann (325f).

Röm 5,14c: Eine Entsprechung besteht zwischen Adam und Christus, insofern mit beiden eine schicksalhafte und die gesamte Menschheit qualifizierende Wirkung verknüpft wird. Unvergleichbar ist hingegen die quantitative wie qualitative Dimension ihrer Wirkung. Die Gnadengabe Christi überbietet bei weitem das 'Vergehen' Adams. Paulus vermag mit dem Typos-Begriff, Entsprechung wie Unterscheidung des damit Bezeichneten anzudeuten (327f).

2. Teil: Röm 5,15-17: Die adamitische Sündenverfallenheit und das Heilswerk Jesu Christi

a) Adam und Christus: Hinsichtlich der Vergleichbarkeit von Adam und Christus formuliert Röm 5,15-17 einen einzigen Vergleichspunkt, der in der Universalität des Geschicks liegt, die jeweils mit Person und Werk Adams sowie Jesu Christi einhergeht. Nach Paulus liegt im Geschick Adams das Geschick aller Menschen begründet. Der Gnadenerweis Gottes in Person und Werk Jesu Christi gilt in gleichem Maße wie das adamitische Geschick für alle Menschen. (A 68: Andernfalls wäre der Heilstod Jesu Christi nicht als ein Sühneakt der inkludierenden Stellvertretung verstanden). Die Vergleichbarkeit des Unvergleichlichen liegt nach der Überzeugung des Apostels in der schicksalhaften Bedeutung beider (Einzel-) Personen für die gesamte Menschheit (328f).

Das richterliche Urteil führt aufgrund der Übertretung Adams in die Verdammung aller, die Gnadengabe Gottes in Jesus Christus bewirkt angesichts der Übertretung aller, dass aus der Verurteilung eine Gerechtsprechung wird. Das Heilshandeln Gottes am hoffnungslos verlorenen Menschen geschieht nicht nur geschenkweise und 'allein aus Gnaden', sondern es hat umfassend universale Ausmaße. Dem universalen Todesverhängnis aller Menschen setzt Gott selbst sein universales Heilsgeschehen entgegen. Die Rechtfertigung des Sünders und dadurch heilvolles eschatologisches Leben ist ausschließlich als Gabe Gottes zu verstehen, die nur empfangen nie verdient werden kann. Zugleich weist Röm 5,17 darauf hin, dass es sich bei der Rechtfertigung des Sünders nicht um einen göttlichen Automatismus handelt, sondern dass das universale Heilshandeln Gottes mit der göttlichen Souveränität einhergeht, die je und je individuelles Leben aus dem Tod schafft und die Gnadengabe verleiht – wo und wann Gott will. Vergleichbar ist, dass von beiden Personen eine Herrschaftsfunktion ausgesagt werden kann; der Mensch in der Nachfolge Adams steht im Machtbereich des Todes („der Tod ist zur Herrschaft gelangt durch den einen“), wohingegen der Mensch in der Nachfolge Christi im heilvollen eschatologischen Lebensbereich begriffen ist („im Leben werden herrschen“). Unvergleichlich ist, dass die von Adam herrührende Todesherrschaft ein für allemal durch die Gnadengabe Gottes beendet ist, wohingegen die Herrschaft des Lebens in der Nachfolge Christi als bleibend und vollendet zukünftige beschrieben ist (330f).

b. Christus contra Adam: Die rahmenden Verse (5,15.17) verdeutlichen den Überfluß der Gnade, die aufgrund des sühnenden Heilstodes Jesu Christi in ausdrücklicher Entgegensetzung zum Unheilstod Adams allen Menschen zuteil (werden) wird (pollon mallon). Das den Gottlosen geschenkweise rechtfertigende Gnadenhandeln Gottes in Jesus Christus ist dem adamitischen Todesverhängnis diametral entgegengesetzt und übertrifft dieses qualitativ in unvergleichlicher Weise (332f).

3. Teil: Röm 5,18-21: Die Universalität des Heilswerks Jesu Christi

Der sühnende Heilstod Christi, der der adamitischen Sündenverfallenheit und also dem universalen menschlichen Todesgeschick diametral und wirkmächtig entgegengesetzt ist, hat ein einziges Ziel: Die universale Todesherrschaft der Sünde zu beenden und die universale Gnadenherrschaft, die sich als Rechtfertigung hin zum ewigen Leben manifestiert, aufzurichten (334f).

Die 'Rechtstat des Einen', Jesu stellvertretendes Sterben für die Gottlosen, ist ein bereits abgeschlossenes, insofern verwirklichtes Geschehen der Vergangenheit. Die Zeitigung der universalen Wirkung, nämlich 'alle zu Gerechtfertigten zu machen' steht noch aus. Ihre partikulare Verwirklichung ist dort zu greifen, wo (durch Gottes heilschaffendes Wirken in der Verkündigung des Evangeliums) aus dem Ungläubigen ein Glaubender, aus dem Gottlosen ein mit Gott Versöhnter wird. Röm 5,21 kündigt somit als futurisch-eschatologisches Ziel die Gnadenherrschaft Gottes über alle Menschen zum ewigen Leben an (335f).

(8) Röm 8,28-30: Der göttliche Ratschluss
Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. (29) Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. (30) Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht“.

'Überschrift' 8,1: „So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind

1) 8,2-11: Das Leben durch Gott in Christus: Fleisch und Geist

a) 8,2-4: Die Inkarnation Gottes als Ermöglichung und Verwirklichung des Gott gemäßen (= geistlichen) Lebens durch Jesus Christus

b) 8,5-8: Fleischliche und geistliche Gesinnung und ihr Bezug zu Leben und Tod

c) 8,9-11: Das gegenwärtige und zukünftige (!) Leben der Glaubenden in dem und durch den Geist Christi

2) 8,12-17: Kindschaft durch Gott in Christus

3) 8,18-30: Hoffnung durch Gott in Christus: für die Kinder Gottes und die Schöpfung

a) 8,18-22: Das Seufzen und die Hoffnung der ganzen Schöpfung

b) 8,23-25: Das Seufzen und die Hoffnung der Kinder Gottes

c) 8,26-30: Gottes Geist als Stellvertreter für die Kinder Gottes vor Gott, als Angeld der Vorherbestimmung, Erwählung, Berufung und Vollendung – (Röm 8,28-30)

4) 8,31-37: Heilsgewißheit durch Gott in Christus

a) 8,31-36: Alle wider die Christen streitende Macht ist ohnmächtig

b) 8,37: Das Übermaß der Liebe Jesu Christi überwältigt alles gegen die Kinder Gottes Streitende

'Unterschrift' 8,38f: „Denn ich bin gewiß, dass … (nichts) uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn(340).

Der göttliche Ratschluss als Garant der göttlichen Perseveranz

Paulus liegt alles daran, in Röm 8,28-30 den göttlichen Ratschluss als Garant der göttlichen Perseveranz in den Anfechtungen der Gegenwart wie auch der Zukunft bis hin zur eschatologischen Verherrlichung herauszustellen: Denen, die Gott selbst nach seinem Ratschluss berufen hat, verhilft alles zum Guten, trotz und angesichts der Leiden, die die christliche Existenz in gleichem Maße wie die der gesamten Schöpfung prägen, obgleich die Kinder Gottes bereits präsentisch „befreit sind von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ (8,2). Wenn nach Ansicht des Apostels selbst die Leiden den Berufenen „zum Guten“ dienen, so drückt sich darin die feste Zuversicht darauf aus, dass Gott selbst das Negative zum Guten wenden wird (343f).

Aus der Parallelität der Aussagen von 8,28 geht hervor, dass die 'Gott Liebenden' gleichzusetzen sind mit den „nach dem Vorsatz Berufenen“. Dem göttlichen (Be-)Rufen eignet die göttliche Kraft, die vollmächtig eine neue Wirklichkeit setzt und diese wirkmächtig bewahrt (345).

Die vorgängige Gnadenwahl Gottes zielt auf die Gleichgestaltung der Glaubenden entsprechend „dem Bild seines Sohnes“. Die Aussage zielt darauf, das eschatologische Geschick der Glaubenden die als 'in Christus' zu bestimmen sind, als unlöslich mit dem Geschick Jesu Christi herauszustellen. Die bereits vollständig realisierte Verherrlichung des Sohnes Gottes ist das Angeld der zukünftigen Verherrlichung der zu ihm Gehörenden. Es entspricht der göttlichen Absicht von Anbeginn an, dass die Inkarnation des präexistenten Gottessohnes auf die Verherrlichung „vieler Brüder“ zielt (346f).

Wiewohl die endgültige Verherrlichung der Glaubenden noch aussteht, ist diese so gewiss, wie wenn sie schon erfolgt wäre. Dies liegt zum einen im Charakter des göttlichen Ratschlusses, zum anderen aber im Ziel der Verherrlichung selbst begründet. Letzteres ist explizit christologisch bestimmt und blickt auf ein realisiertes Ereignis zurück: auf Jesus Christus, „dem Erstgeborenen unter vielen Brüdern“. Insofern erweist sich der göttliche Ratschluss als Garant der göttlichen Beharrlichkeit (348).

Der göttliche Ratschluss als Garant der universalen Heilsverwirklichung

Die Rettung der von sich aus hoffnungslos dem Verdammungsurteil unterworfenen Menschen ist allein unter der Bedingung des Glaubens an Jesus Christus zu denken. Insofern die Gabe des Glaubens vollmächtiges Handeln des Schöpfers am Geschöpf ist, formuliert Paulus in Röm 8,28-30, was die Bedingung der Heilsteilhabe angeht nichts Neues, wenn er dabei auf den Ratschluss Gottes rekurriert (348f).

Röm 8,28-30 ist christozentrisch formuliert (8,29). Der göttliche Ratschluss zielt auf die endgültige wie vollständige Verherrlichung der Glaubenden „in gleicher Gestalt wie das Bild seines Sohnes“. Dieser wird als „der Erstgeborene unter vielen Brüdern“ bezeichnet. Im Licht von Röm 5,12-21 kann die Umfassendheit des göttlichen Ratschlusses nur dahingehend bestimmt werden, dass „aufgrund der Rechtstat des Einen (Christus) alle Menschen in die Rechtfertigung des (ewigen) Lebens geführt werden“ (Röm 5,18b). Die Gleichgestaltung mit dem Sohn Gottes impliziert in eschatologischer Hinsicht Teilhabe an seiner Auferstehung. Diese Gleichgestaltung als Verherrlichung bedeutet nach Röm 8,18-30 das Ende aller Leiden wie insbesondere das Ende der Vergänglichkeit (Sterblichkeit). Eine über die Bedingung des Glaubens an Jesus Christus hinausgehende Einschränkung ist nicht zu erkennen (350f).

(A 63: Die Teilhabe der Glaubenden an Christus gewinnt nur Sinn von dem Bekenntnis her, dass sich in Christus der Heilswille Gottes offenbare. Auf der Basis dieses Bekenntnisses ist Christus Urbild für das Heilshandeln Gottes an dieser Welt).

Die Gabe des Geistes Gottes stellt eine unübersehbare Differenz zwischen der Schöpfung und den „Kindern Gottes“ dar. Mit der Gabe des Geistes Gottes, die in eins fällt mit der Gabe des Glaubens an Jesus Christus ist die Befreiung aus der Knechtschaft von Sünde, Tod und Teufel verwirklicht. Außerdem unterstreicht sie angesichts der in der Gegenwart trotz der prinzipiellen Erlösung noch faktisch erlittenen Leiden die Stellvertreterfunktion des Gottesgeistes bei Gott selbst, der den Glaubenden in ihrer Schwachheit und Anfechtung beisteht und somit Auswirkung auf deren Gewissheit hat (352).

In Röm 8,28-30 bringt Paulus den göttlichen Ratschluss als göttlichen Heilsratschluss zu Gehör. Der Apostel thematisiert bereits hier die Gewissheit der Beharrlichkeit Gottes, der in der Gabe des Glaubens zugleich die Gabe der Bewahrung des Glaubens und also des Glaubenden selbst gewährt. Zum anderen klingt die Universalität des Geschehens an: Der göttliche Ratschluss enthüllt sich nach der Überzeugung des Apostels in der göttlichen Offenbarung seines Wesens und Wollens, wie es Person und Werk Jesu Christi zu entnehmen ist. Mithin kann auch der göttliche Ratschluss allein und ausschließlich vermittels der pln Christo-Logik erschlossen werden. Wenn das Gnadenhandeln Gottes umfassend-universal zu verstehen ist, dann blickt Röm 8,28-30 mit Zuversicht darauf, dass das futurisch-eschatologische Ziel der Durchsetzung des Heilswerks Jesu Christi mit göttlicher Sicherheit erreicht werden wird (353).

(A 67: Der in den Glaubenden anwesende Geist Gottes 8,9b ist nichts anderes als zugleich die Anwesenheit Christi 8,10a als der die Auferweckung bzw. das Leben aus dem Tod wirkende Geist Gottes wie auch Christi 8,11).

(9) Röm 11, 25-32: „Damit Gott sich aller erbarme“
Israels endliche Errettung

(25) „Ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist;

(26) und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jes 59,20): Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosikgeit von Jakob. (27) Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde. (28)  Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. (29) Denn Gottes Gaben und Berufungen können ihn nicht gereuen. (30) Denn wie ihr zuvor Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, (31) so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen.

(32) Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme“.

Röm 11,25-32 stellt nicht nur den (Ab-)Schluss von Röm 9 – 11 sondern auch des gesamten pln Gedankengangs von Röm 1,16f an dar. In Röm 9 – 11 wendet Paulus sich der Frage zu, wie es um das eschatologische Heil des Volkes Israel bestellt ist, das doch als das von Gott bleibend (aus-)erwählte Volk zu begreifen ist, jedoch – in weiten Teilen durch Unglauben gegenüber dem Kyrios Jesus Christus gezeichnet – dem eschatologischen Verdammungsurteil verfallen wäre, sofern es in diesem Zustand der Gottesferne und –feindschaft bliebe. Die auch hier strickt christologisch motivierte Fragestellung verweist darauf, dass der Apostel anhand der Frage nach dem eschatologischen Wohl oder Wehe des Volkes Israel eine prinzipiell- umfassende Aussage hinsichtlich der Soteriologie und Eschatologie vornimmt, die er aufgrund seiner Christo-Logik gewonnen hat. Demzufolge sind die Aussage Röm 9 – 11 in jedem Fall implizit, zumeist sogar explizit als theologische Aussagen über das eschatologische Wohl und Wehe auch der 'Heidenvölker' zu begreifen (355).

a) In Röm 9,6-13 ringt Paulus zu Beginn seiner Argumentation um das rechte Verständnis dessen, wer oder was 'Israel' ist und führt die Unterscheidung zwischen der generischen Größe Israel und der 'Heilsgemeinde' Israel ein, wobei sich letztere aus Juden und Heiden zusammensetzt.

b) In Röm 9,30-33;  10,1ff setzt Paulus die Gerechtigkeit aus Glauben, die den Heidenvölkern eignet, der Gerechtigkeit aus Werken Israels entgegen; dies mündet in das Bekenntnis von Röm 10,12f, das die Unterschiedslosigkeit von Juden und Heiden hinsichtlich der Bedingung und der Weise des Heilsempfangs hervorhebt.

c) Röm 11,11ff verknüpft die Frage nach der eschatologischen Rettung und Bewahrung des verstockten Israel mit dem Faktum des Heilsempfangs der Heidenvölker; dem folgt in Röm 11,16ff die Mahnung gegenüber Letzteren sich nicht gegenüber dem gegenwärtig (noch) im Unglauben befindlichen Israel zu erheben, bleibt doch das prinzipielle 'zuerst' Israels den Heidenvölkern gegenüber gewahrt.

d) In Röm 11,25-32 ist danach auf die Spitze getrieben die Universalität des Gedankengangs hinsichtlich des eschatologischen Heils von allen, Juden und Heiden, der sich aus den (Schluss-)Folgerungen auch des Abschnitts Röm 9 – 11 ergibt (A4).

In Röm 9 – 11 ist ein Spannungsgefälle zu konstatieren, wobei alles auf Röm 11,25-32 als der Spitzenaussage zuläuft. Röm 11,25-32 greift inhaltlich die zentralen Themen der vorherigen Abschnitte auf: Zunächst wird erneut die Verstockung Israels thematisiert; damit wird Röm 9,18; 11,7 aufgenommen und expliziert. Sodann wird die soteriologische Zukunft von Juden und Heiden innerhalb der eschatologischen Heilsgemeinde Israel enthüllt (9,6ff; 9,14-16; 10,12; 11,11ff). Schließlich wird das freie Gnadenhandeln Gottes hinsichtlich der eschatologischen Errettung und Bewahrung aller betont, wobei Paulus auf Röm 9,16; 9,19ff oder 10,17 rekurriert. Eine Exegese der Perikope 11,25-32 kann vom zuvor dargelegten Erweis des Ratschlusses (9,6-29), der Gerechtigkeit (9,30 – 10,12) und des Erbarmens (11,1-32) Gottes nicht absehen (356).

In 11,25b bietet Paulus eine letztgültige Klärung der Frage nach dem aufgrund der Vergangenheit besonders qualifizierten gegenwärtigen und zukünftigen Verhältnis von Gott und Israel angesichts des auf Golgatha erfolgten Geschehens, der Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi. Diese Antwort verdankt sich der Offenbarung Gottes selbst und verweist damit auf deren volle Autorität (363f).

Die Offenbarung des Gottesgeheimnisses nach Röm 11,25b-27: Verstockung beschreibt den Zustand des in uneinsichtiger Haltung verhafteten, zu gottgemäßen Handeln unfähigen Menschen. Verstockung ist bei Paulus stets als von Gott herrührend gedacht. Israel, das die Verstockung Gottes trifft, ist nicht 'schuldlos', denn es sucht seine eigene Gerechtigkeit gemäß dem Gesetz aufzurichten. Die Anklage Gottes geht über jeden Menschen (Röm 3,22f). Verstockung wird bei Paulus innerhalb des Heilshandelns Gottes im Licht der Rechtfertigung des Gottlosen gesehen. Verstockung ist nicht Gottes letztes Wort über Israel. Der Verstockung wohnt ein bestimmter Zweck inne. In der Verstockung Israels zeigt sich das zielgerichtete Handeln Gottes gegenüber seinem Geschöpf, das auf die Rechtfertigung des Gottlosen ausgerichtet ist. Die Verstockung Israels durch Gott ist als vorläufig bestimmt und impliziert ihre (dann als endgültigen Zustand zu beschreibende) Aufhebung (369f).

Im Kontext von Röm 9 – 11 hat Paulus die sich auf Gottes Erbarmen gründende (endzeitliche) Heilsgemeinde vor Augen, in die die Vollzahl der Heiden eingehen wird. So definiert Röm 9,6b-13 neu, was unter der Heilsgemeinde Israel zu verstehen ist. Die Zugehörigkeit dazu verdankt sich einem freien Gnadenakt Gottes, der den eo ipso verlorenen Menschen in diese Ekklesia hineinruft. Das so verstandene Israel ist damit eine Gruppe von Menschen, die Paulus auch als 'in Christus' bezeichnet. Damit ist die Vorstellung eines Heilsraumes verbunden, in den der Mensch von Gott hineingenommen ist. Das Personenzentrum des Christen ist nunmehr durch die Gegenwart und Herrschaft Christi qualifiziert. Die von Gott über das Volk Israel partiell verhängte Verstockung findet ihr (zeitliches) Ende und (theologisches) Ziel im von Gott verfügten Zum-Heil-Kommen der Vollzahl aus den Heidenvölkern. Wenn der Fülle der Heiden das Versöhnungshandeln Gottes umfassend zuteil geworden sein wird, dann wird auch 'ganz Israel' das Versöhnungshandeln Gottes an sich selbst umfassend erfahren, so dass schließlich die Versöhnung der Welt umfassend Wirklichkeit geworden sein wird (373f).

(A 93: Es ist die feste Zuversicht des Apostels, dass 'am Ende der Zeiten' die Verstockung Israels, insoweit sie (dann) noch bestehen wird (wovon Paulus ausgeht), von Gott selbst beendet wird, so dass alle (die Fülle der Heiden wie auch ganz Israel) das Erbarmen Gottes erfahren haben werden (Röm 11,32)).

Der gesamte Gedankengang des Apostels im Römerbrief weist auf ein uneingeschränktes heiluniversalistisches Verständnis von „ganz Israel“ hin. Die Verstockung des von Gott erwählten, berufenen und eschatologisch bewahrten Volkes Israel wird mit göttlicher Sicherheit von Gott selbst beendet werden, der sich damit als der zu seinen Verheißungen treu und unerschütterlich stehende Gott erweist (377).

(A 109: Paulus legt in Röm 11,25-32 nicht dar, wie er sich die universale Durchsetzung des Heils hinsichtlich der bereits verstorbenen Israeliten denkt. In 1Kor 15,21 setzt Paulus die universale Auferstehung aller Toten voraus. Da auch in Röm 11,26 die Parusie Christi als Zeitpunkt der universalen Durchsetzung des Heils gedacht wird (die Parusie impliziert die Auferstehung der Toten), wird man für die in der Gottlosigkeit gestorbenen Juden wie Heiden den Moment der Parusie selbst annehmen dürfen, an denen sie ihre Auferstehung sowie die Hinwegnahme ihrer Gottlosigkeit, also die Gabe des Glaubens an Jesus Christus 'erleben' werden (Röm 9,15)).

Von einem Sonderweg der eschatologischen Rettung ganz Israels kann nicht die Rede sein, wiewohl es einen bleibenden Sonderstatus Israels gibt, der sich in der zeitlich vorgeordneten Erwählung des Volkes Israel durch Gott ausdrückt (377f).

(A 114: Wenn Israel an Christus vorbei zum Heil gelangen soll, hätte Paulus keinen Grund zu 'tiefer Trauer' 9,2f;  10,1 gehabt).

Röm 11,26b: „und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob“ (Jes 59,20). Röm 11,27a: „Und dies ist mein Bund mit ihnen“ (Jes 59,21a), 11,27b: „wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde“ (Jes 27,9a). Der Schwerpunkt der Aussage liegt auf dem „Erlöser aus Zion“, dessen Kommen in Zukunft erwartet wird. Damit verweist der Apostel auf die noch ausstehende Parusie Christi. Der atl Erlöser ist Jesus Christus selbst (1Thess 1,10): „und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel..., der uns von dem zukünftigen Zorn errettet“ (s. auch Tit 2,13f). Paulus interpretiert die Aussage von Jes 59,21: „dies ist mein Bund mit Ihnen durch die Hinzufügung von Jes 27,9a: „wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde“ (379f).

(A 130: Die Beseitigung der Gottlosigkeit von Israel beruht auf einer unumstößlichen Verfügung (Bund) Gottes).

Die Verstockung Israels dient allein dazu, die Fülle der Heiden in die Heilsgemeinde Israel, die sich über das 'in Christus-Sein' definiert aufzunehmen. Um und wegen der Erwählung der Väter willen bleibt Israel das geliebte Kind Gottes; um und wegen der Erwähnung der Väter willen wird Gott ganz Israel zu den gesegneten Söhnen Abrahams (Gal 3,7) machen. Gottes Gaben und seine Berufungen sind unumstößlich. Gemeint sind die Zuwendungen der göttlichen Gnade, die sich in der Erwählung des Volkes Israel wie auch der Heidenvölker manifestieren (383f).

Auch die Berufung impliziert ein göttliches Gnadenhandeln am Menschen und drückt Gottes vollmächtiges 'Ersehen' und damit In-die-Nachfolge-Rufen des Menschen aus. Sie entspricht dem schöpferischen Wort Gottes, das schafft, was es spricht (384f).

Angesprochen ist zunächst die römische Gemeinde, die stellvertretend für die Heidenvölker steht. Der hinsichtlich der Heiden angesprochene Ungehorsam gegenüber Gott ist derselbe Ungehorsam, den Paulus schon von Israel ausgesagt hat. Hierin gibt es keinen Unterschied, denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit, die ihnen von Gott zugedacht war. Der Ungehorsam gegenüber Gott hat sich im Fall der Heiden allein durch Gottes Gnade gewandelt (385).

Das Ende und Ziel nach Röm 11,32: Alle, Juden wie Heiden sind 'ohne Christus' in Ungehorsam und Gottesfeindschaft verfangen, auf dass sich Gott in Christus aller erbarme und sie dadurch und deswegen mit Gott versöhnt würden (389).

Gott selbst hat alle, Juden wie Heiden, dem Zustand des Ungehorsams preisgegeben, der sich in Unglauben und Gottlosigkeit äußert, dem kein Mensch entnommen ist, dem kein Mensch aus freien Stücken entrinnen kann. Das Geheimnis: Die Preisgabe aller an den Ungehorsam ist innerhalb des göttlichen Heilsplans zu verorten und stellt keineswegs das letzte (Gerichts-)Wort Gottes über seine Schöpfung dar. Das im tiefsten Sinn letzte, also eschatologische Handeln Gottes besteht in seinem umfassenden Erbarmen allen Menschen gegenüber, Juden wie Heiden. Das umfassende eschatologische Erbarmen Gottes gegenüber der Welt ist unabdingbar mit dem einen und einmaligen Geschehen der Versöhnung der Welt verknüpft, mit der Offenbarung Gottes in Jesus Christus. Der pln Heilsuniversalismus stellt sich als ein christologischer Heilsuniversalismus dar: Es ist Christus als Erlöser, der die Gottlosigkeit der Menschen hinwegnehmen  und die Fülle der Heiden wie ganz Israel am Tag seiner Parusie umfassend der Rettung teilhaftig werden lässt. Es wird Christus sein, weil in seinem stellvertretenden Tod und seiner Auferstehung bereits vollgültig das Angeld der kommenden universalen Heilsrealisierung auf den Plan getreten ist. Der Glaube an Jesus Christus ist die Bedingung sowie die Art und Weise des Heilsempfangs. Das Kommen des Kyrios wird bei allen Menschen zum Bekenntnis: 'Herr ist Jesus Christus' führen. So benennt Paulus in Röm 11,25-32 in konsequenter Entfaltung seiner Christo-Logik den Ort und Zeitpunkt der Parusie des Herrn als den Punkt, an dem sich der göttliche Heilsuniversalismus allen Menschen gegenüber heilvoll die Bahn bricht. Das göttliche Geheimnis stellt sich als ein Geheimnis dar, das sein Ende und Ziel im göttlichen Erbarmen hat. Zu diesem eschatologischen Erbarmen allen Menschen gegenüber hat sich  - nach Paulus – Gott selbst im Heilstod Jesu Christi verpflichtet (390f).

So gewiss „Christus gestorben ist für unsere Sünden und begraben worden und auferstanden ist“ so gewiss wird sich auch das eschatologische Erbarmen Gottes in Christus gegenüber der Welt realisieren (392).

(A 187: Die abschließende Doxologie (11,33-36) ist als rühmende, lobende und verehrende Aussage zu verstehen, die die adäquate Antwort auf das offenbarte Geheimnis darstellt).

(10) Zusammenfassung und Ergebnis
Der paulinische (pln) Heilsuniversalismus ist ein christologisch bestimmter Heilsuniversalismus. Die pln Gerichts- und Verwerfungsaussagen sind im Kontext der pln Anthropologie zu verorten, die den Menschen 'post lapsum Adae' als verworfenen und von Gottes gutem, heiligem und gerechtem Gesetz verurteilten Menschen qualifizieren. Die unerläßliche Bedingung des pln Heilsuniversalismus ist als Glaube an Jesus Christus bestimmt, als Glaube, der sich dem schöpferischen Handeln Gottes am Menschen selbst verdankt: Als conditio des eschatologischen Heils ist der Glaube zugleich der modus der eschatologischen Heilszueignung, die im Jetzt von Gott selbst gewährt wird und in der der Glaubende von Gott in alle Zukunft hin bleibend bewahrt wird (401).

Wird der Glaube an Jesus Christus umfassend allen Menschen zuteil (werden), oder schließt Gott selbst Menschen von diesem erwählenden Handeln aus, indem er sie in ihrer Gottlosigkeit belässt? Das Verständnis, dass der Mensch von sich aus nichts, von Gott aus aber alles zu erwarten hat, ist dem Leser des Briefs in Röm 1,16f erst unvollständig deutlich; in 11,32 wird ihm faßbar, was ihm als Gottes Heilswille schon in Röm 1,16f zugesagt wurde (402).

In Röm 1,16f definiert Paulus das Evangelium als Geschehen, in dem sich Gott wirkmächtig und vollmächtig zur Sprache bringt. In der Verkündigung von Jesu Christi Person und Werk offenbart sich die Gerechtigkeit Gottes, die der eschatologischen Rettung aller Glaubenden dient. Das umfassend-universal zu verstehende Elösungshandeln Gottes ist an die Bedingung des Glaubens geknüpft (402).

Röm 3,21-26 greift das Thema von 1,16f auf und führt es argumentativ weiter. Angesichts der universalen Sündenverfallenheit aller Menschen (Röm 1,18-3,20;  3,22b.23) wird diesen die heilvolle Rechtfertigung Gottes geschenkweise und allein aus Gnaden zuteil. Diese für den Glaubenden präsentisch verwirklichte Erlösung und alle Sünden vergebende Tat hat Gott selbst im stellvertretenden Sühnetod Jesu Christi am Kreuz ein für allemal vollzogen und sich darin als der zutiefst seiner eigenen Gerechtigkeit entsprechende und darum den Gottlosen selbst rechtfertigende Gott erwiesen. Bereits in Röm 3,21-26 erscheint der in Röm 5,12-21 ausgeführte Gedanke, dass Gott der Universalität der Sündenverfallenheit seine ebenfalls universal zu verstehende Sühne aller Sünden entgegensetzt, mithin der Sühnetod Christi als eine universal zu verstehende Stellvertretung für uns zu begreifen ist (403).

In Röm 4,1-25 entfaltet der Apostel an Abraham zwei weitergehende Gedanken: Zum einen verdeutlicht er darin nicht nur die Rechtfertigung des Gottlosen, die im Sühnetod Christi allen Glaubenden geschenkweise zuteil wird, sondern unterstreicht nachdrücklich, dass bereits die Gabe des Glaubens selbst als reines Gnadengeschenk Gottes zu begreifen ist. Der Glaube ist die gottgewollte Erfüllung der Bedingung, somit die Art und Weise der Rechtfertigung. Im Zum-Glauben-Kommen des Abraham erweist sich Gott als der Schöpfer, der das Nichtseiende ins Dasein ruft. Zum anderen erweist Paulus in Röm 4,1-25 die universale Weite dieses Rechtfertigungsgeschehens. Die Verheißung der heilvollen Zuwendung Gottes zu Abraham als dem 'Erben der Welt' impliziert die Verheißung von Gottes heilvoller Zuwendung zur Welt. Die an Abraham selbst Wirklichkeit gewordene Verheißung zeigt den verheißenen Weg Gottes mit seiner Schöpfung auf: Es liegt im Wesen der göttlichen Verheißung beschlossen, dass ihr eine Zuversicht auf Erfüllung ihrer göttlichen Qualität eignet (403).

Röm 5,12-21: Der postlapsarischen Sündenverfallenheit aller Menschen stellt Gott selbst die jene Sündenverfallenheit übertreffende Gnadengabe in Jesu Christi Sterben und Auferstehen wirkmächtig entgegen. Danach hat der sühnende Heilstod Christi ein einziges Ziel: Die universale Todesherrschaft der Sünde zu beenden und die universale Gnadenherrschaft, die sich als Rechtfertigung zum ewigen Leben manifestiert, aufzurichten (21: „damit, wie die Sünde geherrscht hat zum Tod, so auch die Gnade herrsche durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn“). Paulus hat ein universales, alle Menschen umfassendes Geschehen im Blick, wiewohl er die Unterscheidung von universalem Heilstod Jesu Christi für alle Menschen und gegenwärtig lediglich partikularer Realisierung dieses bereits verwirklichten Geschehens für alle Menschen durchaus im Blick hat. Röm 5,12-21 kündigt als futurisch-eschatologisches Ziel die Gnadenherrschaft Gottes über alle Menschen zum ewigen Leben an, die je und je bereits präsentisch-eschatologisch dort verwirklicht ist, wo die Dynamis Gottes in der Gegenwart vollmächtig und heilsam auf den Plan tritt (403f).

Röm 8,28-30 formuliert die Gewissheit der Glaubenden. Paulus beschreibt den göttlichen Ratschluss als göttlichen Heilsratschluss. Gott gewährt mit der Gabe des Glaubens zugleich die Gabe der Bewahrung des Glaubens und also des Glaubenden selbst. Die Frage, ob ein 'Herausfallen aus der Gnade' denkbar ist, beantwortet Paulus nach Röm 8,28-30 mit einem „das sei ferne“! Darüber hinaus verweist Paulus auf den göttlichen Ratschluß, der allein vermittels der pln Christo-Logik erschlossen werden kann. Im Anschluss an Röm 5,12-21 erhalten die prädestinatianischen Aussagen von Röm 8,28-30 einen heilsuniversalistischen Ton. Röm 8,28-30 stellt eine konsequente Weiterführung des Gedankengangs dar. Der pln Heilsuniversalismus ist in bestimmter Weise 'konditioniert' – es ist Gottes Ratschluß anheimgestellt, wen er erwählt, zum Glauben beruft, beim Glauben hält und in Ewigkeit bewahrt. Röm 5,12-21 hat dem bereits vorangestellt: Der göttliche Ratschluß ist von universaler Weite bestimmt. Wenn im Anschluss an Röm 5,12-21 das Gnadenhandeln Gottes umfassend-universal zu verstehen ist, dann blickt Röm 8,28-30 mit Zuversicht darauf, dass das futurisch-eschatologische Ziel der Durchsetzung des Heilswerks Jesu Christi mit göttlicher Sichheit erreicht wird (404f).

Röm 11,25-32 benennt sowohl die Art und Weise als auch Zeit und Ort der eschatologischen Durchsetzung des Heilswerks Gottes in Jesus Christus. Israel ist die soteriologische Nagelprobe hinsichtlich des Heilsuniversalismus. Paulus hatte die Sündenverfallenheit aller Menschen erwiesen und die Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnaden aufgezeigt. Er hatte die Gabe des Glaubens als Gottesgeschenk herausgestellt, die wiederum als Gabe die eschatologische Bewährung bis ans Ende aller Zeiten in sich trägt. Seinem Verständnis nach ist der Sühnetod Jesu Christi als ein Geschehen inkludierender Stellvertretung in umfassend-universalem Sinn zu begreifen. Es stellt sich die Frage nach der universalen Durchsetzung des göttliche Heilswillens hinsichtlich des zum Großteil nicht an Christus glaubenden Volkes Israel. Röm 11,25-32 gibt darauf eine deutliche Antwort. Den (noch) nicht an Christus glaubenden Juden wie Heiden wird sich bei der Parusie Christus selbst als der Kyrios erweisen, der die Gottlosigkeit und den Unglauben wegnehmen und alle („ganz Israel und die Vollzahl der Heiden“) zum Bekenntnis von Röm 10,9f führen wird. Röm 11,25-32 formuliert präzise, wie nach der als Geheimnis gekennzeichneten Erkenntnis des Paulus sich die umfassende Realisierung des in Christus bereits beschlossenen göttlichen Heils die Bahn bricht: Der göttliche Ratschluß, der ausnahmslos alle unter den Ungehorsam des Unglaubens stellt, verbürgt die universale Gabe des göttlichen Erbarmens (405).

11,32: Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme“. Diese Aussage ist als Zeugnis der pln Christo-Logik ein Beleg für den pln Heilsuniversalismus. Das Heil des einzelnen Menschen wie das der gesamten Welt liegt ausschließlich in Jesus Christus beschlossen. Der pln Heilsuniversalismus geht mit dem Signum des Glaubens an Jesus Christus einher und ohne Christus hat der Mensch die gerechte Verurteilung vor dem Richterstuhl Gottes resp. Christi zu gewärtigen (406).

Als Vater Jesu Christi bleibt Gott zugleich der Schöpfer, dessen Heilswille in Jesus Christus von Ewigkeit her Bestand hat. Dem pln Heilsuniversalismus nach spricht Gott selbst das verurteilende Richterwort, begnadigt den zu Recht Verurteilten aufgrund seines umfassenden Erbarmens und spricht ihn frei. Der pln Heilsuniversalismus zeigt sich nicht geschichtsnihilistisch, weil in ihm das erschreckende Geschehen des göttlichen Gerichts gewahrt ist: Das Unrecht wird beim Namen genannt, die Sünde des Sünders wird unbarmherzig aufgedeckt. Gilt dies für den bereits schon jetzt gerechtfertigten Glaubenden, der, obgleich von der Macht der Sünde befreit, nie schuldlos vor Gottes Angesichts zu stehen kommt, so gilt es nach der Überzeugung des Paulus in ungleich größerem Maße für den Nichtglaubenden. Für beide jedoch gilt: Die Sünde wird verurteilt, verdammt und gerichtet – und damit nicht verewigt -, der Sünder wird begnadigt und befreit zur ungeteilten Gottesgemeinschaft (406).

Der pln Heilsuniversalismus erweist sich als Nach-Denken dessen wie Gott sich in Jesus Christus als Richter und Retter offenbart hat. Die Christo-Logik ist dem Apostel zum Schlüssel des göttlichen Ratschlusses geworden. Paulus formuliert im Römerbrief einen Heilsuniversalismus, wie er sich ihm von Jesus Christus her und von Gott selbst her erschlossen hat. Der pln Heilsuniversalismus ist ein Bekenntnis zu dem Gott, der sich selbst in aller Freiheit offenbart und sich dem eschatologischen Wohl des Menschen verpflichtet hat „bis zum Tod, zum Tode am Kreuz“ (Phil 2,8) (407).