10. APOKALYPTISCHES WELTBILD oder CHRISTLICHE ESCHATOLOGIE?

 

Das CHRISTUSEREIGNIS ist die einzige Grundlage unserer ZUKUNFTSERWARTUNG

 

Eine Entmythologisierung ist unausweichlich

Verschiedene Eschatologien im NT
eine heilsgeschichtliche-endgeschichtliche Eschatologie bei Lukas
eine präsentische Eschatologie bei Johannes
eine Jenseitseschatologie im Hebräerbrief

 

1. Die endgeschichtliche Eschatologie ist unhaltbar geworden

2. Jenseitseschatologie – Individuelle Eschatologie

3. Die Unsterblichkeit der Seele

 

H. Küng: Wie die biblische Protologie keine Reportage von Anfangs-Ereignissen sein kann, so die biblische Eschatologie keine Prognose von End-Ereignissen. Und wie die biblischen Erzählungen vom Schöpfungswerk Gottes der damaligen Umwelt entnommen wurden, so die von Gottes Endwerk der zeitgenössischen Apokalyptik. Die Bibel spricht auch hier keine naturwissenschaftliche Faktensprache, sondern eine Bildersprache. Sie offenbart keine bestimmten weltgeschichtlichen Ereignisse. Die apokalyptischen Bilder und Visionen vom Weltende würden missverstanden, wenn sie als Information über die ‚letzten Dinge’ am Ende der Weltgeschichte aufgefasst würden. Für die ‚Ur-Zeit’ wie für die ‚End-Zeit’ gibt es keine menschlichen Zeugen (217f).

Wiederkunft Jesu?

Die Vorstellung von der Wiederkunft Jesu ist abhängig von der Vorstellung der Auferstehung der Toten auf einer neuen/erneuerten Erde. Nach diesem Vorstellungsmodell muss Jesus wiederkommen, andernfalls wäre die Trennung von Christus ewig. Eine neue/erneuerte Erde ist mit unserem naturwissenschaftlichen Weltbild unvereinbar.

K. Rahner: Jesus kommt ‚wieder‘, wenn wir bei ihm ‚ankommen‘

E. Hirsch: Das Ende der Erdgeschichte: Dem Glauben an Gott ist es gewiss, dass wir durch den Tod dem Geheimnis Gottes entgegengehen. Dies aber ist ein Glaube, der sich für uns in jeder Hinsicht von den Vorstellungen über die Erdgeschichte und die Geschichte des Kosmos gelöst hat (392).

Das Menschengeschlecht wird ebenso vergehen, wie ehedem die Saurier vergangen sind. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es mit dem Menschen und der Menschengeschichte schon längst zu Ende gegangen, ehe die Erde aufgehört hat möglicher Träger organischen Lebens zu sein. Der Kosmos würde deshalb, weil die Menschheit ausstürbe, nicht ins Wanken und Wackeln geraten. Die Sache wäre etwa ebenso wichtig für ihn, wie die Zerstörung eines Ameisenhaufens für die Geschichte der Erde (394).

Unangefochten und ewig wahr bleibt dem Glauben die eine Aussage, dass der Tod für einen jeden von uns Gottesbegegnung ist. Alle Bilder und Gedanken der ntl Eschatologie sonst sind für uns Märchen und Mythos geworden. Das Ende unserer Welt ist für uns nicht mehr ein den ganzen Kosmos Betreffendes, sondern das unbestimmte 'Irgendwanneinmal' eines zwerghaften kosmischen Teilereignisses (395).

Hellenistische Eschatologie: Postmortales Sein der Glaubenden in der jenseitigen Herrlichkeit unmittelbar nach dem Tod. Das eschatologische Heil wird abgelöst durch ein Heil, das sich durch den Tod hindurch verwirklicht. Der Tod tritt an die Stelle des Jüngsten Tages.

Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden“ (Mk 12,27parr)
Die Toten sind „wie die Engel im Himmel“ (Mk 12,25parr)

Die spätjüdische Apokalyptik ist der ntl Eschatologie vorgegeben und prägt ihre Denk- und Vorstellungsweisen. Sie kann nicht als Ausdruck des christlichen Glaubens verstanden werden.

In Christus ist die Verheißung ans Ende gekommen und erfüllt. Mit dem apokalyptischen Erbe wurde die mythologische Hypothek übernommen, dass Gott alsbald der Geschichte und dieser Welt in einem Gerichtsakt ein Ende bereiten werde. Das ist eine Vorstellung, die sich nicht festhalten lässt: Das spätjüdische und urchristliche apokalyptische Hoffnungsbild, kann so, wie es gemeint war, nicht aufrechterhalten werden. Für den christlichen Glauben ist die Hoffnung darin begründet, dass Gott uns hier in diesem Leben seine Gemeinschaft, Liebe und Gnade gewährt und dass wir hoffen dürfen, dass diese Gemeinschaft im Tod nicht ihr Ende findet. Gott lässt die Seinen auch im Tod nicht.

In dem Einswerden mit dem Willen Gottes ist die Gottesferne aufgehoben. Wir hoffen, dass die Gemeinschaft, die hier nur bruchstückhaft ist, sich im Tod vollendet. Der Glaubende hofft auf ein Reich, das unter der Macht Gottes und unter der Liebe Christi steht.

 

Paulus: Phil 1,23; 2Kor 5,1-8; Phil 2,6ff der Christushymnus – ohne Auferstehung Christi und ohne seine Parusie. Paulus hofft, mit dem Abscheiden bei Christus zu sein.

Der Hebräerbrief: Die entscheidenden eschatologischen Vorstellungen sind nicht die der Zeitlichkeit, sondern der transzendenten Räumlichkeit. Die Vorstellung von einem am himmlischen Heiligtum amtierenden Hohenpriester steht mit der des zum Gericht kommenden Menschensohnes in einem Spannungsverhältnis. Christus nimmt einen ständigen himmlischen Dienst wahr (8,1f). Das Ziel der Glaubendwanderschaft liegt oben, im Jenseits, in der himmlischen Heimat.

Das JohEv (14,2f; 17,24): Das Gericht vollzieht sich in der Gegenwart angesichts des in der Gemeindeverkündigung anwesenden Geist-Christus. Die gegenwärtige Geisterfahrung bringt die Nähe des Gottessohnes und bringt als ewige die Wiederkunftserwartung zum Verschwinden. Nach Johannes haben die Endereignisse ihre ausschließliche Bedeutung darin, dass sie außerhalb der Welt in der Herrlichkeit geschehen. Mit dem Tod der Jünger setzt sich die ewige Gemeinschaft mit dem Erhöhten jenseits von Raum und Zeit fort, wenn Jesus sie in die ewigen Wohnungen des Vaters holen wird. Ausfall der apokalyptischen Eschatologei: Ewiges Leben bedeutet für die Zukunft des Glaubenden, dort zu sein, wo der Erhöhte schon ist, nämlich im Haus des Vaters und seine Herrlichkeit zu schauen. Der physische Tod ist der Übergang aus dem irdischen Dasein in das himmlische, aus dem Glauben in das Schauen, dank der schon empfangenen Heilsgabe des ewigen Lebens. Die Parusie ist durch das Wiederkommen im Geist ersetzt. Die Hoffnung bezieht sich darauf, nach dem Tod zu Christus in die Herrlichkeit aufgenommen zu werden (17,24).