1. Die Bezeugung von Ostern

1.1 Entscheidendes Heil in Jesus finden

E.Schillebeeckx

Die Parusie- oder Maranatha-Christologie der Q-Tradition ist das älteste Glaubenscredo. Die Auferstehung wird nirgends erwähnt. Für die Q-Gemeinde ist der Gekreuzigte der bald wiederkommende Heilsbringer u Weltenrichter, der jetzt schon in der Verkündigung der christlichen Propheten wirksam gegenwärtig ist, d.h. für sie ist Jesus evident 'zu Gott aufgenommen'. Wie? Das wird nirgends reflektiert. Ihre Ostererfahrung ist die begeisterte Erfahrung des in ihrer Gemeinde wirksam gegenwärtigen Herrn, der bald kommt: eine Maranatha-Erfahrung. Ob Jesus durch eine Auferstehung, durch eine 'Entrückung' oder (nach griechischem Modell) von Gott aus der Totenwelt herausgeholt worden ist, darüber wird nicht nachgedacht. In jedem Fall ist er 'bei Gott'. Die Realität, die mit 'Osterfahrung' gemeint ist, ist unabhängig von Traditionen um das Jerusalemer Grab als auch von der Überlieferung der Erscheinungen (350).

Rein historisch ist Jesus in seinem Lebensprojekt und seiner Praxis gescheitert. War sein Leben eine Illusion? Auf diese Frage antwortet das Evangelium mit dem Glauben an die Auferstehung Jesu (568).

Die Erfahrung der erneuten Gegenwart Jesu in neuer Weise nach seinem Tod hatten seine Jünger als Auferstehung Jesu interpretiert.

Die nachösterliche Bekehrung der Jünger

a. Botschaft und Lebenspraxis Jesu

In der Q-Tradition wird 'sein Kreuz tragen' als Metapher verstanden. Es ist ein Aufruf, bereit zu sein, sein Leben für die Sache Gottes hinzugeben, bereit zum Martyrium. Auch in Verfolgungen muss man rückhaltlos dem Reich Gottes dienen. In Erinnerung an Jesus 'aktualisieren' die Jünger das, was im Leben Jesu vollzogen wurde. 'Jesus nachfolgen' ist vor allem Schicksalsgemeinschaft mit ihm. Vorösterlich zeigt sich, dass Gemeinschaft mit Jesus (in Tischgemeinschaft, indem man sich um Hilfe und Heilung an ihn wendet, vor allem aber, indem man sich im Dienst seiner Botschaft ihm bleibend zugesellt) Angebot von Heil-von-Gott-her ist. Diese Gemeinschaft hat eine fundamental soteriologische Bedeutung, deren christologische Implikationen erst nach Jesu Tod explizit gemacht werden. Das 'Sich-Jesus-Zugesellen' seiner engsten Jünger ist das vorösterliche Modell dafür, was 'christliches Leben' nach Ostern sein muss. Dies ist die Folge der Tatsache, dass historische Erinnerungen an die besondere Lebensgemeinschaft Jesu mit seinen engsten Jüngern (im Unterschied zu den vielen Jesus-Sympathisanten oder den vielen von Jesus geheilten Kranken) mit anklingen. Der Glaube (all derer, die Jesus im Dienst der kommenden Gottesherrschaft nachgefolgt waren) an Jesus als Verkünder der Botschaft vom Reich Gottes stellt die Kontinuität zwischen der vorösterlichen Erfahrung von Heil und der nachösterlichen Bekehrung zu Jesus als dem auferstandenen Gekreuzigten her. Die Erinnerung der Jünger (die 'ihm nachgefolgt waren') an die bleibende Gemeinschaft mit Jesus stellte die Jünger nach Jesu Tod vor die christologische Frage (202f).

Das ganze Auftreten Jesu während seines öffentlichen Lebens war nicht nur die Verheißung von Heil, sondern konkretes, aktuelles Heilsangebot. Er spricht nicht nur von Gott und seiner Herrschaft; wo er auftritt bringt er Heil und wird Gottes Herrschaft realisiert. Bei den Jüngern wird nach dem ersten Schock des Sterbensgeschehens Jesu die Erinnerung an das Leben Jesu eine wesentliche Rolle im Prozess ihrer Bekehrung zum Glauben an Jesus als den Christus, den von Gottes Geist Erfüllten, spielen (276f).

b. Ein jüdisches Bekehrungsmodell?

Wer zuerst an Jesus Anstoß genommen hat und ihn nach einer gewissen Zeit als einzigen Bringer des Heils verkündet, hat einen 'Bekehrungsprozess' durchgemacht. 'Bekehrung' schließt wesentlich eine Beziehung ein zu dem, dem gegenüber die Jünger versagt hatten: Jesus von Nazareth, und zu dem, zu dem sie zurückkehren: Jesus als dem Christus (336f).

Die Beziehung der Jünger zu Jesus von Nazareth, den sie verließen, umfasst Erinnerungen an sein ganzes Auftreten, an seine Botschaft von der kommenden Gottesherrschaft, an einen auf Menschlichkeit bedachten Gott, der das Heil des Menschen will. Sie hatten den 'Gott Jesu' als einen Gott des Erbarmens und der Verzeihung ohne jeden Vorbehalt kennengelernt. Jesus hatte vielen Menschen geholfen, weil sie in Not zu ihm kamen. Sie erinnerten sich an Jesu Tischgemeinschaft mit Sündern, d.h. an sein Heilsangebot an Sünder. Schließlich bestand auch die Erinnerung an die besondere Stimmung während des Abschiedsmahls, Erinnerungen an das, was Jesus damals gesagt hatte. Diese Momente der Erinnerung an ihre Lebensgemeinschaft mit Jesus und das ganze Auftreten Jesu sind wesentliche Elemente im Bekehrungsprozess (338).

Die Beziehung zu dem, zu dem sie zurückkehrten, ist völlig neu. Sie verließen einen zum Tode verurteilten Jesus. Sie kehrten zurück zu der aktuellen Gemeinschaft mit demselben Jesus, ihn jetzt als den wiederkehrenden Richter oder auferstandenen Gekreuzigten bekennend. Die Identifizierung Jesu mit dem eschatologischen Gesandten Gottes ist die Brücke zwischen 'Jesus von Nazareth' und dem von der Kirche verkündeten Christus gewesen (338).

In den jüd. Bekehrungsberichten wird die Bekehrung eines Heiden zum jüd. Gesetz oft eine Erleuchtung genannt und nach dem klassisch gewordenen Modell einer 'Bekehrungsvision' dargestellt: Man wird plötzlich von einem grellen Licht überstrahlt und hört eine Stimme (Apg 9). Vor allem im hellenistischen Judentum entstand aufgrund von Jes 42,6f eine allgemeine Topik, die die Bekehrung eines Heiden zum Judentum als ein 'Sehen' oder eine 'Erleuchtung' dessen, der zuerst blind war, darstellt. An vielen Stellen im NT steht die Symbolik des Lichts, und somit des Sehens, im Zusammenhang mit Bekehrung (Röm 13,12; Eph 5,8-14; 1Ptr 2,9-12; Hebr 6,4; 10,32). In Apg 26,17f wird Einfluss von Jes 42,7 spürbar. Der Ausdruck „Licht der Heiden“ oder „Licht der Welt“ kommt im NT wiederholt vor (Apg. 1,8; Lk 2,32; Jh 1,9; 3,19-21; 8,12). Er wird sowohl auf Jesus als auch auf die Apostel Christi angewandt. In Anbetracht dieser schon vorhandenen jüd. Tradition der Bekehrung dank Erleuchtung besteht die Möglichkeit, dass das wunderbare Geschehen einer Bekehrung jetzt zur Gottesoffenbarung in Jesus nach dem Modell einer Bekehrungsvision dargestellt wird. Apg 9, die Bekehrungsgeschichte des Paulus nach Lukas, ist ein Beispiel dafür (338f).

In der christlichen Auferstehungsvision (den österlichen Erscheinungen) vollzieht sich eine Bekehrung zu Jesus als dem Christus, der jetzt als Licht der Welt gekommen ist. In der 'Erscheinung' oder der 'Vision' wird die Gnade der Bekehrung zu Jesus als dem Christus (dank einer erleuchtenden Gottesoffenbarung) vollzogen und zur Sprache gebracht. Jesus selbst ist es, der erleuchtet, sich in und durch die Gnade der Bekehrung als der auferstandene Christus offenbart: Er ist der erleuchtende Christus; er „gibt sich zu sehen“ (339f).

c. Sammlung der Jünger Jesu durch Petrus

Zu Jesus gehören wurde in der jungen Kirche als eine 'Bekehrung' aufgefasst. Alle jüd. Topoi der Bekehrung eines Heiden zum jüd. Gesetz wurden vom Christentum übernommen (340).

Historisch ist es wahrscheinlich, dass Simon Petrus die erste Jesuserscheinung (Protophanie) gehabt hat (1Kor 15,5; Lk 24,34), d.h. dass ihn zuerst überkam, was im NT das 'Sehen Jesu' nach seinem Tod genannt wird. Es gibt starke Hinweise darauf, dass der Name 'Kefas', Petrus oder Fels, den Simon erhält, im Zusammenhang mit seinem Primat in der Christuserscheinung steht. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Mt 16,17-19 aus einer verlorengegangenen Tradition stammt, die von der ersten Jesuserscheinung vor Petrus berichtete. Bedeutsam ist, dass das Jesus-Logion bei Matthäus: „Du bist Petrus (Fels)“ die ursprüngliche Einführung des Namens Petrus für Simon war und dass dieser Name Simon sicher nicht vom irdischen Jesus gegeben worden ist. Der Zusammenhang zwischen der Benennung Fels und der Protophanie des Petrus wird daher als die beste Hypothese angesehen (342f).

Nach dem Tod Jesu ist Petrus als erster Jünger 'zur Bekehrung' gekommen und hat die 'Nachfolge Jesu' von neuem aufgenommen, danach auch andere Jünger auf die Initiative des Petrus hin. Petrus ist daher der erste christliche Bekenner, der zu einem christologischen Bekenntnis kam. Aufgrund seiner Bekehrung ergreift er die Initiative, um den „Kreis der Zwölf“ zu versammeln. So wird er zum Fels des Urkerns der christlichen Gemeinde, „der Zwölf“, die sich zu Jesus als dem kommenden oder auferstandenen Gekreuzigten bekannten, d.h. der Gemeinde der Endzeit des neuen Zwölf-Stämme-Reichs, der versammelten „Gemeinde Christi“ (Röm 16,16) oder der „Gemeinde Gottes“ (1Kor 1,2; 10,32). Höchstwahrscheinlich ist die Gruppe der Zwölf schon eine vorösterliche Gegebenheit (wie hätte man sonst Judas Iskariot „einen der Zwölf“ nennen können und wie könnte man den technischen Begriff „die Elf“ erklären)? Die vorösterliche Aussendung der Jünger durch Jesus scheint die Konstituierung der Gruppe der Zwölf zu sein. Die Protophanie Jesu hat dann zur Folge, dass Petrus nach Ostern das Verdienst zukam, diese Zwölf wieder zu sammeln. Eine Erinnerung an dieses geschichtliche Geschehen findet sich in Lk 22,32: „Simon, Simon...; Wenn du einmal umgekehrt (bekehrt) sein wirst, dann stärke du deine Brüder“. Hier ist ein Zusammenhang hergestellt zwischen der Verleugnung des Petrus, seiner Bekehrung und der Initiative, die Jünger wieder zu sammeln: sie zu Christusjüngern zu festigen (344). Die Erscheinungsberichte in den Evangelien geben bereits das kirchliche Selbstverständnis wieder. Die Gemeinden Christi sehen sich in ihrem Glauben auf den auferstandenen lebendigen Jesus gegründet und kraft dieses Glaubens in die Welt gesandt (340f).

d. Die Ostererfahrung des Paulus

H. Verweyen: Dadurch, dass Paulus die frühen Erscheinungen mit der von ihm selbst erfahrenen in eine Reihe bringt (1Kor 15,3-11), bezieht ein Zeitzeuge zu diesem Phänomen Position. Die Zusammenfassung von offenbar recht verschiedenartigen Phänomenen (Einzelbegegnung, Massenmanifestation) unter der einen Klammer des 'ophte' läßt vermuten, dass Paulus dies für einen ziemlich dehnbaren Begriff hält. Das Moment, dass Augenzeugen im erhöhten Herrn den irdischen Jesus wiedererkannten, kann für Paulus, der dem irdischen Jesus nie begegnet ist, nicht zentral sein. In Hinsicht auf den irdischen Jesus ist dieser Apostel, der solchen Wert darauf legt, in die Reihe der ursprünglichen Zeugen des Auferstandenen zu gehören, 'Schüler zweiter Hand'. Die Erscheinung des Auferstandenen erschließt dem Apostel den Sinn einer ihm schon vorher zuteil gewordenen Erfahrung, gegen deren Wahrheit er sich bislang gewehrt hat. Das „Saul, Saul, warum verfolgst du mich“ (Apg 9,4; 22,6; 26,14)? läßt seine Erfahrungen mit den verfolgten Zeugen Jesu zum Durchbruch kommen, an denen Jesu Sieg über den Tod transparent wird (77f).

e. Heil in Jesus oder im auferstandenen Gekreuzigten?
E. Schillebeeckx

Christologie ist eine gläubige Aussage über die Gesamtheit des Lebens Jesu. Die christliche Offenbarungs-Erfahrung setzt das Lebensganze Jesu voraus (568).

In den sog. Missionspredigten erhellt Lukas für Griechen die Bedeutung des 'Christus', des Gesalbten, des mit Gottes Geist Erfüllten: „Gott war mit ihm“ (Apg 2,22; 3,14; 10,38). Jesus ist Besitz Gottes „dein Heiliger“, „dein Diener“, „sein Messias“, „mein Sohn“. Die Verwerfung Jesu durch Menschen erhält ihr Gegengewicht durch die Zugehörigkeit Jesu zu Gott. An den irdischen Jesus glauben bedeutet, ihn als Gottes eschatologischen Propheten Israels und für Israel anzuerkennen, als den letzten Boten „von Gott“, erfüllt mit Gottes Geist, verkündend die nahe Gottesherrschaft und sie in Wort und Tat überbringend. An den auferstandenen Jesus glauben heißt; ihn in seiner universalen Heilsbedeutung für alle Menschen anerkennen (568).

Die Zugehörigkeit Jesu zu Gott und die Treue Gottes zu diesem Jesus (die Auferstehung als Handeln Gottes in und mit Jesus) bekräftigt nicht nur Jesu Botschaft und Lebenspraxis, sie enthüllt auch seine Person als unlöslich verbunden mit Gott und mit dieser Botschaft. In Jesu Tod und Auferstehung begegnen sich des Menschen äußerste Verwerfung von Gottes Heilsangebot und die bleibende Darreichung dieses Heils im auferstandenen Jesus. In seiner höchsten Not, in Leiden und Kreuzigung treu seiner prophetischen Sendung und Botschaft, gibt Jesus sein persönliches Geheimnis preis: seine unantastbare Bindung an Gott (568f).

Weil Jesu Zugehörigkeit zu Gott in der Auferstehung bestätigt wird, ist die Auferstehung zugleich Gottes Bestätigung der Botschaft und Lebenspraxis Jesu. Ein 'auferstandener Gekreuzigter' ohne den konkreten Jesus von Nazareth ist ein Mythos. Es gibt keinen Bruch zwischen 'Jesus von Nazareth' und dem 'auferstandenen Gekreuzigten'. Die Eigenart Gottes erscheint erst im Leben und Tod dieses Jesus. Der Bruch liegt in der Verwerfung der Botschaft und Praxis Jesu, die auf die Verwerfung seiner Person hinauslief. Deshalb trifft Gottes Bestätigung in der Auferstehung die Person Jesu, die seiner Botschaft und Lebenspraxis inhärent ist. Sowohl die Verwerfung als auch Gottes 'Amen' zur Person Jesu bestätigen das Spezifische des Jesusgeschehens, in dem Person und Lebensprojekt – also Person, Botschaft und Praxis – eine unverbrüchliche Einheit bilden. Deshalb konnte Gottes Herrschaft für das christliche Bekenntnis das Antlitz Jesu Christi erhalten und konnte man vom 'Herrn Jesus Christus' als konkret synonym mit der von Jesus verkündeten Gottesherrschaft sprechen. Die Auferstehung bestätigt, dass Gott immerfort mit Jesus war, sein Leben lang, bis in die menschliche Verlassenheit seines Kreuzestodes hinein (569f).

f. Die Ostererfahrung – ein Bekehrungsprozess

Dass Jesus auferstanden ist, er selbst, bedeutet nicht nur, dass er vom Vater von den Toten auferweckt worden ist, es bedeutet zugleich, dass der zum Vater erhöhte Jesus bei uns ist, in einer völlig neuen Weise. Aus dieser unlöslichen Verbindung zwischen der persönlichen Auferstehung Jesu und der christlichen Glaubenserfahrung der österlichen Gegenwart Jesu in ihrer Mitte, wird für die Jünger die innere Heilsbedeutung der Auferstehung Jesu unmittelbar deutlich – die Bedeutung der Auferstehung Jesu für uns! Die Jünger sind in und durch die Erfahrung der erneuten Gegenwart Jesu und des (nach seinem Tod) erneuten Angebots von Heil zu der glaubensgewissen Überzeugung gekommen, dass Jesus auferstanden ist. Deshalb ist Jesu Auferstehung innerlich zugleich Geistsendung: Gemeinschaft des Auferstandenen mit den Seinen auf Erden. Die Ostererfahrung liegt im Erfahrungsgeschehen der erneuten Sammlung der Jünger kraft des auferstandenen Christus: „Wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, ist Jesus in ihrer Mitte“. Über die persönliche Auferstehung Jesu kann man nicht sprechen, ohne zugleich von seiner Heilsgegenwart in unserer Mitte zu sprechen als hier und jetzt erfahren und zur Sprache gebracht im Auferstehungsglauben: Ostererfahrung, Lebenserneuerung und die erneute Sammlung (Kirche-Sein). Gerade in und durch die gläubige Ostererfahrung und die erfahrene Lebenserneuerung (im NT im Modell von 'Erscheinungen') wird zur Sprache gebracht: Jesus lebt! (573f).

Die Auferstehung Jesu als eine erhöhte, neue Lebensexistenz zeigt an, dass Jesu Tod ihn nicht von seiner Lebensgemeinschaft mit Gott hat scheiden können. In seinem Tod hält Gott Jesus fest und ist der Tod überwunden. So wird auch für uns, über den Tod hinaus, ein neuer Lebensraum erschlossen: Lebensverbundenheit mit Gott kann durch kein Leiden und keinen Tod angetastet werden für den, der wie Jesus auf Gott vertraut (575f).

Jesu Auferstehung, durch die apostolische Bekehrungs- oder Ostererfahrung bezeugt, ist:
a) Gottes Bestätigung von Jesu Person, Botschaft und Lebenspraxis einer Dienstbarkeit bis zum Tod.
b) Sie ist zugleich Erhöhung und neue Schöpfung, d.h. Gottes korrigierender Sieg über die Negativität des Todes und der menschlichen Leidensgeschichte, an der Jesus partizipierte. Es gibt ein Leben nach dem Tod.
c) Die Auferstehung ist zugleich Geistsendung und darin erneute Lebensgemeinschaft des persönlich lebendigen Jesus Christus mit den Seinen auf Erden, Kirchengründung (576).

Jesus verkündet Gottes nahendes endgültiges Heil für den Menschen mit einer Entschiedenheit, die beim verhängnisvollen Tod nicht nachlässt. Entweder ist dies eine Illusion oder, „wenn dies von Gott kommt“ (Apg 5,39), ist Jesu Botschaft vom nahenden Heil wahr, d.h. eine Wirklichkeit, die dann nirgends wo sonst zu finden ist als im auferstandenen Jesus selbst (585).