Anhang: Opferfreie Mahlfeier im JohEv

K.-P. Jörns: (2006): Das Johannesevangelium und die Didaché kennen eine opferfreie Mahlfeier – haben sich aber in der Kirche nicht durchgesetzt

Jesu „Weg zum Vater“ nennt. Er beginnt mit der Fußwaschung Kp 13 und endet mit den Erfahrungen, die die Jünger mit dem Auferstandenen machen. Johannes hat den Bericht vom letzten Mahl Jesu gestrichen. Er überliefert als einziger Evangelist kein letztes Mahl (das den Tod Jesu deutet) und also auch keine Ursprungszene für ein Sakrament zur Vergebung der Sünden. Das große Mahl, von dem Johannes berichtet, steht noch vor den Abschiedsreden Kp 14 – 16. Vom Rahmen der eigentlichen Leidensgeschichte ist es deutlich getrennt und hat einen völlig anderen Sinn als das letzte Mahl bei Paulus und den Synoptikern: Das Mahl (13,1-15) leitet den „Weg zum Vaterein, der direkt auf Ostern zielt und nicht auf ein Opfer. Im Mahl steht das Essen deshalb nicht im Mittelpunkt, sondern die Fußwaschung, die Jesus an seinen Jüngern vornimmt. Indem Jesus den Jüngern die Füße wäscht, stiftet er einen Ritus, den sie fortsetzen müssen. Damit wird an die Weitergabe des Christus-Amtes an die Jünger erinnert, die der Auferstandene vornimmt (20,21). Denn dort gibt er ihnen in einer neuen Schöpfungshandlung den Geist Gottes und sendet sie als seine Gesandten in die Welt: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (3,16/20,21). Der Inhalt der Gesandtschaft ist „ein neues Gebot“: „dass ihr einander lieben sollt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieben sollt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (13,34f). Wenn wir die 'Fußwaschung' als zentrales Sakrament des JohEvs verstehen, dann tritt jenes Beispiel seiner dienenden Liebe ins Zentrum. Durch die ‚Fußwaschung‘ drücken die Christen aus, dass sie die Gemeinschaft mit ihrem Herrn als Fortsetzung seines Weges verstehen. Weder das große Mahl (21,13) noch das Fisch-Mahl kann mit der Stiftung des kirchlichen Mahl-Sakraments in Verbindung gebracht werden. Johannes geht es um Jesu Worte, in denen er als Logos zu „haben“ ist. „Ich bin das Brot des Lebens; Dieses Brot sieht Johannes nicht mit dem Mahl-Sakrament verbunden, sondern es geht um seine Worte und den Glauben an sie bzw. ihn – denn seine Worte sind jene Speise, die der Welt Leben gibt. Johannes hat das letzte Mahl eliminiert und das „Brot des Lebens“ entsakramentalisiert. Johannes hat in seiner Arbeit an der Überlieferung theologische Kritik an der Opfer- und Sakramentstheologie der sich bildenden Kirche geübt (299f). „das Lamm Gottes, das der Welt Sünde wegnimmt“: Es geht nicht um die Sünden (Plural) der Gläubigen, sondern um die Sünde (Singular) der Welt in Gestalt ihrer Gottesferne und Geistferne. Durch das Hineinkommen des Logos in menschliches Leben (1,14) stellt Gott eine neue Beziehung zur Welt her. Insofern Jesus die Gottferne an sich selbst auf seinem Weg zum Vater als Hass ertragen (15,18-25) und sogar die Hinrichtung erduldet hat, ist er hingabebereit gewesen, also lammfromm. Indem Johannes die Deutung der Hinrichtung als Opfer zurückweist, hält er auch Gott aus dessen uralter Verwicklung in das System von Gewalt und Gegengewalt heraus (300). Sein Vater hatte ihn aus Liebe in die Welt „gegeben“ (3,16). Beim Evangelisten Johannes wird nicht die Opferterminologie „dahingegeben“ verwendet, sondern einfach „geben“: Gott gab ihn in der „Fleischwerdung“ des Logos in die Welt (in die Welt „gesandt“ 3,17). Gott „gab ihn“ bei seiner Geburt in die Welt, damit die Menschen durch den Glauben an ihn, an seine Worte, ewiges Leben finden. Die Zwölf sagen Jesus: „Du hast Worte ewigen Lebens“ (6,68). Um sie geht es. Das Sakrament der Fußwaschung weist auf Jesu Weg der dienstbereiten Liebe. Sie ist der entscheidende Dienst an der Welt (300f).