1.2 Taufe und Glauben an Jesus in den johanneischen (jhn) Schriften

G. Richter

a. Taufe und Glaube an Jesus im Judenchristentum der Grundschrift

Die Taufe hat eine hervorragende Bedeutung. Sie ist Fortführung der Tauftätigkeit Jesu und als solche die Taufe „mit heiligem Geist“, die Taufe der messianischen Zeit. Die Tauftätigkeit Jesu (Jh 3,22f;  4,1), von der das ganze übrige NT nichts weiß, ist kein historisches Faktum, sondern nur eine christologische Aussage der Grundschrift. Sie ist die Erfüllung der Verkündigung des Täufers, dass Jesus der angekündigte Kommende ist, der taufen wird, „mit heiligem Geist“ (1,26f.32), und zugleich eine Ätiologie der christlichen Taufe. Ihren Sitz im Leben hat die Tradition von der Tauftätigkeit Jesu in der Auseinandersetzung der vorgrundschriftlichen Gemeinde mit der Täufergemeinde. Es geht um einen Taufstreit, der als christologische Auseinandersetzung zu verstehen ist. Die Täufergemeinde, die die Taufe der Umkehr ihres Meisters weiter praktiziert, sieht in dieser Taufe das Mittel zur Sündenvergebung und zur Errettung aus dem bevorstehenden eschatologischen  Zorngericht Gottes. Die christliche Gemeinde dagegen behauptet, dass nicht die in der Täufergemeinde geübte Johannestaufe das rettende eschatologische Sakrament ist, sondern nur die in der christlichen Gemeinde geübte Taufe, die mit heiligem Geist und die allein den Eingang in das kommende Gottesreich ermöglicht. Den Nachweis für ihren Anspruch erbringt die christliche Gemeinde durch eine weiterführende Neuinterpretation der christlichen Überlieferung von der Herabkunft des Geistes auf Jesus bei der Taufe im Jordan. Darüber hinaus legt sie diese Neuinterpretation in den Mund des Täufers und macht ihn so zum Zeugen für den Inhalt ihrer Verkündigung. In dieser Neuinterpretation wird gesagt: Die Herabkunft (und das Bleiben) des Geistes auf Jesus ist das von Gott im voraus angekündigte Zeichen, an dem der Täufer erkennen soll, wer der von ihm verkündete kommende Geisttäufer ist (1,32f). Die Tauftätigkeit des Johannes hatte nur den Zweck, dass dadurch Jesus als der von Gott bestimmte Geisttäufer offenbar werde. Die heilsgeschichtliche Funktion des Täufers bestand nur darin, Jesus als den Geisttäufer zu bezeugen. Mit der Offenbarung Jesu als des Geisttäufers ist der von Gott beabsichtigte Zweck der Johannestaufe erfüllt und zu Ende, ihre weitere Ausübung durch die Täufergemeinde ist überholt und sinnlos (387f).

Für den Autor der Grundschrift ist die Messiasfrage von Bedeutung. Gegen den Anspruch der Täufergemeinde, in der Johannes und seine Taufe inzwischen messianisch aufgewertet worden sind, lässt die Grundschrift den Täufer selbst bezeugen, dass die Messianität nicht ihm und seiner Taufe zukommt, sondern Jesus und dessen Taufe (Jh 1,20-22.25-27.34;  3,22-30). Die Johannestaufe hat in der Neuinterpretation den Zweck, dass der Täufer Jesus als den sündentilgenden und mit heiligem Geist taufenden Messias erkennt und ihn in dieser Funktion ganz Israel kundmacht (1,29-34). Die Tauftätigkeit Jesu ist nach der Grundschrift als eine Manifestation seiner Messianität zu verstehen. (Die Tauftätigkeit des Johannes lässt in Jh 1,25 die Frage aufkommen, ob er, der Täufer, der Messias ist). Das Ziel der grundschriftlichen Darstellung (20,31) ist auch hier: „damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus (= Messias) ist“. Auch hier geht es um die Christologie. Erst durch den Nachweis der Messianität Jesu wird die von ihm geübte Taufe als die messianische – als die Taufe mit heiligem Geist – erwiesen. Erst vom Erweis der Messianität Jesu her kann die christliche Gemeinde den Anspruch erheben und durchhalten, die messianische Heilsgemeinde zu sein (388f).

Die Taufe ist die unerlässliche Voraussetzung für die Teilhabe an der Gottesherrschaft. Bevor die Grundschrift die Ausführung der vom Täufer angekündigten Tauftätigkeit Jesu berichtet (3,22ff), wird zuerst dargelegt, dass diese Taufe heilsnotwendig ist. Zu diesem Zweck inszeniert die Grundschrift das Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus. Der wesentliche Inhalt des Gesprächs (den wir aus der Umdeutung durch den Evangelisten erschließen können) ist die Notwendigkeit der Wiedergeburt aus (Wasser und) Geist für den Eingang in die Gottesherrschaft (Jh 3,3.5). Unter dieser Wiedergeburt ist die Wirkung der christlichen Taufe gemeint, die die Taufe mit heiligem Geist ist, der nach der Schrift in der Endzeit die Menschen innerlich umwandeln und neugestalten wird. Wiedergeboren werden aus (Wasser und) Geist ist die Redeweise des Judenchristentums der Grundschrift zur Bezeichnung der Wirkung der von Jesus ausgeübten und in der Gemeinde fortgesetzten Taufe „mit heiligem Geist“, der messianischen Taufe . Die absolute Bedingungslosigkeit und Exklusivität, mit der die Grundschrift die Heilsnotwendigkeit der christlichen Taufe verkündet, muss mit dem Blick auf die zeitgeschichtliche Situation – die konkurrierende Täufergemeinde und deren Taufe – verstanden werden. Letzten Endes hat die Aussage von 3,5 nur den Zweck, gegen die anderslautende Verkündigung der Täufergemeinde Jesus als den Messias und die christliche Gemeinde als die messianische Heilsgemeinde zu erweisen (389f).

Die Taufe ist der gemeindebildende Faktor für das Judenchristentum der Grundschrift. Wie man durch den Empfang der Johannestaufe Mitglied der Täufergemeinde wird, so wird man durch den Empfang der Jesustaufe in die christliche Gemeinde eingegliedert. Die Übernahme der christlichen Taufe ist Ausdruck des Glaubens, dass Jesus der von Gott erwählte Messias ist. Alle, die wirklich Israeliten sind, erkennen und glauben, dass Jesus der Messias Gottes ist (Jh 1,47). Sie empfangen die Taufe Jesu (= Taufe mit heiligem Geist = Wiedergeburt aus dem Geist) und werden dadurch zur Jesusgemeinde, die als die messianische Gemeinde die endzeitliche Heilsgemeinde ist, in der man die Anwartschaft auf das Eingehen in die Gottesherrschaft besitzt. Die gemeindebildende Funktion der Taufe tritt (neben dem Hauptzweck = Erweis der Messianität Jesu) deutlich in Erscheinung in Jh 3,22-30: „Siehe, dieser tauft, und alle kommen zu ihm“. 4,1: Jesus tauft und macht mehr Jünger als Johannes. Wiedergeboren sein aus dem Geist heißt Mitglied der christlichen Gemeinde sein, in der (als Fortsetzung der Tauftätigkeit Jesu) „mit heiligem Geist“ getauft wird (390f).

b. Taufe und Glaube an Jesus beim Evangelisten

Für den Evangelisten gibt es das Heil nur für den, der an Jesus als den vom Himmel herabgekommenen Sohn Gottes glaubt, während der mit der judenchristlichen Taufe verbundene Glaube nur die Messianität Jesu (nur eine rein menschliche Herkunft Jesu, nicht aber seine Göttlichkeit) zum Inhalt hat. Der Evangelist hat den Satz von der heilsnotwendigen Wiedergeburt aus (Wasser und) Geist neu interpretiert und ihm einen völlig anderen Inhalt gegeben. Aus dem traditionellen Wiedergeborenwerden aus (Wasser und) Geist, das in der christlichen Taufe und aufgrund der eigenen Entscheidung des Menschen geschieht, wird durch die umgestaltende Hand des Evangelisten ein Geborenwerden von oben (= aus dem Geist) (391).

Die Destruktion und Neuinterpretation der grundschriftlichen Anschauung von der Heilsnotwendigkeit der Taufe erfolgt in 3,3-8. Das hinter der Grundschrift stehende Judenchristentum (die ganze bisherige Tradition) hat Jesus falsch verstanden. Denn nach der Darstellung des Evangelisten sprach Jesus nicht von einem „Wiedergeborenwerden“, sondern von einem „Von oben Geborenwerden“ und das, was Nikodemus nicht verstand (3,9), war nicht die Art der Wiedergeburt (3,4), sondern die Geburt (oder das Gezeugtsein) von oben. Von oben geboren (oder gezeugt) sein heißt soviel wie aus (dem) Geist geboren (gezeugt) sein. Denn 'Geist' und 'von oben' bezeichnen in der Vorstellung des Evangelisten die Erkenntnis des ursprünglichen Sinns der Worte Jesu. Jesu Wissen über die himmlischen Dinge ist ein Wissen aufgrund von Augen- und Ohrenzeugenschaft, das in der himmlischen Herkunft Jesu seinen Grund hat (3,11). Die himmlische Herkunft Jesu begründet der Evangelist mit dem auch vom Judenchristentum geglaubten Aufstieg Jesu in den Himmel nach Vollendung seines Erdenlebens (3,13). Denn Jesus (so der Evangelist) konnte nur deshalb in den Himmel hinaufsteigen, weil er zuvor als der Menschensohn (MS) vom Himmel auf die Erde herabgekommen ist und den Menschen das 'Himmlische' verkündet hat. Mit der Bezeichnung Jesu als des vom Himmel herabgekommenen MSs (3,13) findet das vom Evangelisten neuinterpretierte Gespräch Jesu mit Nikodemus seinen Abschluss und Höhepunkt. Mit diesem Schlusssatz wird die Christologie der Grundschrift, die in Jesus nur den von Gott aus den Menschen erwählten Prophet-Messias und „Lehrer“ (3,2) sieht, korrigiert und überboten (392f).

Die aus 3,3-13 hervorgehende Kritik des Evangelisten an der Darstellung der Grundschrift ist total. Wenn schon Nikodemus, 'der Lehrer Israels' (3,10), die Worte Jesu über die Geburt (das Gezeugtsein) von oben nicht versteht, wie sollen sie dann von den anderen, die nicht Lehrer sind, begriffen werden? Hier liegt so etwas wie ein Erweis der Richtigkeit der Verkündigung des Evangelisten von der Heilsnotwendigkeit des Gezeugtseins von oben vor. Denn Verstehen (= Glauben) und Nichtverstehen (= Nichtglauben) sind hinsichtlich der Person und Botschaft Jesu für den Menschen schon vorgegeben. Wer „von oben“ geboren (gezeugt) ist, versteht die Worte Jesu, weil Jesu Botschaft ebenfalls „von oben“ ist. Wer „von oben“ ist, erkennt (und glaubt) auch, dass Jesus himmlischer Herkunft (= von oben) ist, dass er der Sohn Gottes ist. Allein in diesem Glauben gibt es nach dem Evangelisten das Heil. Ohne das Geborensein (Gezeugtsein) „von oben“ ist der Glaube an Jesus (als den vom Himmel herabgekommenen Sohn Gottes) nicht möglich. Wer nicht glaubt, offenbart dadurch, dass seine Herkunft nicht „von oben“ (= nicht aus Gott bzw. aus dem Geist) ist, sondern „von unten“ (= aus dem nichtgöttlichen bzw. widergöttlichen Bereich). Somit zeigt sich, dass es auch in Jh 3,3ff (sowohl in der Grundschrift gegenüber der Täufergemeinde als auch beim Evangelisten gegenüber der Grundschrift) letzten Endes um die Christologie geht. Aus der Neuinterpretation des grundschriftlichen Taufwortes geht hervor, dass für den Evangelisten die Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinde als der Heilsgemeinde nicht durch die Taufe zustande kommt, sondern nur durch das Gezeugtsein von oben (das ein Tun Gottes ist) und den daraus kommenden Glauben an Jesu himmlischer Herkunft und Gottessohnschaft. Das kirchenbildende Element ist für den Evangelisten nicht die Taufe, sondern der Glaube an Jesus Göttlichkeit (393f).

Ebenso bindet der Evangelist die eschatologische Gabe des Geistes nicht an die Taufe, sondern an die durch die Rückkehr zum Vater erfolgende Verherrlichung Jesu (Jh 7,39;  14,16f.26). Für die Grundschrift ist die Herabkunft des Geistes das dem Täufer von Gott gegebene Zeichen, an dem er Jesus als den kommenden Messias, der mit heiligem Geist tauft, erkennen soll. Nach der Darstellung des Evangelisten (3,31-34) scheint die Herabkunft des Geistes für den Täufer das Erkennungszeichen zu sein, dass Jesus 'von oben' (= aus der Sphäre des Geistes) kommt und dass er von Gott den Geist in unbeschränktem Maß erhalten hat, so dass Jesu Worte „Worte Gottes“, (3,34) oder „Geist und Leben“ (6,63) sind. Damit stimmt schließlich überein, dass der Evangelist hinsichtlich der Tauftätigkeit Jesu der Grundschrift insofern widerspricht, als er in 4,2 die Bemerkung einschiebt, dass Jesus selbst nicht getauft hat, sondern nur seine Jünger (394).

Der prädestinierende Wille Gottes

Nach dem Evangelisten ist es letzten Endes Gott selber, der die an Jesus glaubende Gemeinde schafft. Denn dass Menschen an Jesus als den vom Himmel herabgekommenen Sohn Gottes glauben (glauben können), hat seinen Grund darin, dass sie „aus Gott geboren (gezeugt) sind“ (1,13), „aus Gott“ (8,47) oder „aus der Wahrheit“ (19,37) sind, dass sie „von oben“ oder „aus (dem) Geist geboren (gezeugt) sind“ (3,3.5.7f). Die Erfüllung dieser Voraussetzung wird von Gott allein gewirkt, sie wird dem Menschen geschenkt. So kann niemand zu Jesus kommen (= an ihn glauben), wenn er nicht vom Vater gezogen wird (6,44), wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist (6,65). Der Vater ist es, der Jesus die Menschen gibt (6,37ff;  10,29;  17,2;  18,9), der dem Hirten (Jesus) die Schafe gibt (10,14f.26f.29). Zu Jesus können nur diejenigen kommen, „die beim Vater gehört und gelernt haben“ (6,45). Die Juden (für den Evangelisten auch die Judenchristen der Grundschrift) können deshalb nicht an Jesus als den Sohn des Vaters glauben, weil sie „nicht aus Gott“ sind (8,47;  8,42ff). Um Jesus als den Sohn Gottes zu erkennen, muss man selber „Kind Gottes“ oder „von oben“ sein. Das ist nach dem Evangelisten ausschließlich Sache der Erwählung durch Gottes völlig freie Entscheidung (395f).

Die dualistisch-deterministischen Vorstellungen des Evangelisten stehen im Dienst seiner christologischen Verkündigung. Er will damit nur zum Ausdruck bringen, wer Jesus ist. Weil für den Evangelisten Jesus der vom Himmel herabgekommene Sohn Gottes ist, wird durch die Begegnung mit Jesus offenbar, zu welcher Kategorie von Menschen der einzelne gehört. Wer Jesus als den Sohn Gottes erkennt und an ihn glaubt, offenbart dadurch, dass er (wie Jesus selber) zur Sphäre Gottes gehört, „aus Gott“ ist. Sein Gezeugtsein von oben ist der Grund, warum er Jesus als den vom Vater gesandten Sohn erkennen kann. Wer hingegen Jesus nicht als den erkennt, als den ihn der Evangelist verkündet, offenbart dadurch, dass er „aus dem Teufel“ ist. Denn nicht an Jesus glauben, heißt für den Evangelisten Gott selber ablehnen, der Jesus gesandt hat (396f).

Für das Judenchristentum der Grundschrift ist Jesus ein Mensch (der Sohn Josefs aus Nazareth (1,45;  6,42), der von Gott zum Messias erwählt worden ist. Die vom Evangelisten behauptete himmlische Herkunft und Gottessohnschaft Jesu lehnt es ab, deshalb, weil es darin einen Verstoß gegen die in der Schrift (AT) verkündete Einzigartigkeit Gottes (den Monotheismus) sehen muss. Andererseits sieht dieses Judenchristentum in seinem Glauben an die Messianität Jesu ein Bekenntnis zu Gott und dessen Verheißungstreue, denn Gott hat ja Jesus zum Messias erwählt und ihn durch Zeichen und andere messianische Taten ausgewiesen (auch Apg 4,19f). Nicht an Jesu Messianität glauben heißt für dieses Judenchristentum Ungehorsam gegen Gott. Dieses Judenchristentum, das um Gottes willen einerseits die Göttlichkeit Jesu ablehnt, andererseits trotz Ausschluss aus der Synagoge an Jesu Messianität festhält, konnte kaum empfindlicher getroffen werden als mit dem Vorwurf, dass es sich gegen Gott selber stelle. Der Evangelist verkündet seine Christologie in Auseinandersetzung mit dem Judenchristentum der Grundschrift und zur Glaubensfestigung seiner Anhänger (397f).

(3) Anhang: zum sog. Tauftext Jh 3,5

Amen, Amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren (gezeugt) worden ist aus (Wasser und) Geist, kann er nicht eingehen in das Reich Gottes“. In 3,1-13 geht es um die Auseinandersetzung mit der Tauflehre der Grundschrift als einem spezifischen Aspekt ihrer Christologie (327).

Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch in der Grundschrift nur von einer Wiedergeburt aus (dem) Geist zur Bezeichnung der christlichen Taufe die Rede war, weil es ihr in der Auseinandersetzung mit der Täufergemeinde nur auf das Element 'Geist' ankam, durch das sich die christliche Taufe von der bloßen Wassertaufe der Täufergemeinde unterschied. Wenn aber die Grundschrift von einer Wiedergeburt aus Wasser und Geist gesprochen haben sollte, dann hat der Evangelist mit Sicherheit 'Wasser und' weggelassen und auf diese Weise den Gedanken an die christliche Taufe ausgeschaltet. Der sekundäre (antidoketische) Redaktor versteht die Geburt aus Gott ebenfalls nicht von der Taufe. Das 'Wasser und' ist einer noch späteren Hand zuzuweisen (335 A 39).

Der Evangelist setzt an die Stelle der Heilsnotwendigkeit der Taufe die Heilsnotwendigkeit des Gezeugtseins von oben, aufgrund dessen allein es dem Menschen möglich ist, die Herkunft Jesu von oben zu erkennen und an ihn zu glauben. In Jh 3,3ff gibt es keine Chance eine positive Beziehung zur Taufe als Heilsweg aufzuzeigen. Wie die Grundschrift gegenüber der Täufergemeinde die christliche Taufe als den ausschließlichen Heilsweg verkündet hat (wobei der Empfang dieser Taufe Ausdruck des Bekenntnisses zu Jesus als dem Prophet-Messias war) und so der Johannestaufe jede Heilsbedeutung abgesprochen hat, so verkündet der Evangelist das Gezeugtsein von oben als den ausschließlichen Heilsweg in der Absicht, der grundschriftlich-judenchristlichen Taufe jede Heilsbedeutung abzusprechen. Nur in der völligen Destruktion und einer von Grund auf erfolgten Neuinterpretation der grundschriftlichen Lehre von der Wiedergeburt aus (Wasser und) Geist kann der Evangelist seine Verkündigung aufrechterhalten, dass es nur durch den Glauben an Jesus als den vom Himmel herabgekommenen Sohn Gottes Heil gibt. Weder der Evangelist noch der sekundäre Redaktor sprechen irgendwo direkt oder indirekt von der Taufe in positiver Absicht. Auch in Jh 19,34f und 1Jh 5,6-8 geht es nicht um die Taufe, sondern allein um den antidoketistischen Erweis des wahren Menschseins und der wahren Leiblichkeit Jesu (340f).

Die Kritik des Evangelisten an der grundschriftlich-judenchristlichen Taufe ist so radikal und die Destruktion des grundschriftlichen Logions von der Heilsnotwendigkeit der Taufe so total (Jesus hat nach der Darstellung des Evangelisten gar nicht von einer Wiedergeburt = Taufe gesprochen und auch gar nicht getauft!), so dass es nicht verwunderlich wäre, wenn man die Taufe nicht einmal als bloßen Aufnahmeritus geübt hätte (344).