2.3 Die Mahle Jesu und das Abendmahl der Kirche

W. Marxsen

(1955): Für Bultmann steht fest, dass das letzte Mahl Jesu nachträglich die Legitimation liefern musste für den irgendwo entstandenen Brauch. Das geschah durch die legendäre Zurückdatierung des Herrenmahls auf das letzte Mahl. D.h. das Abendmahl ist eindeutig ein Werk der frühen kirchlichen Tradition (40).

Ein anderer Erklärungstypus rechnet mit einem Abschiedsmahl Jesu als Ausgangspunkt des Abendmahls. Gekennzeichnet ist dieser Typus durch die Verwendung eines tertium comparationis für die Erklärung der Deuteworte (41).

Das tertium comparationis liegt beim Brot in der Tatsache, dass es zerbrochen ist, beim Wein in der roten Farbe. Der Sinn dieser Worte ist der: 'Ich muss den Opfertod sterben'. Was für eine Bedeutung soll die Wiederholung einer solchen voraus deutenden Handlung haben? Welchen Sinn kann sie noch haben, wenn Jesu Worte Gleichnis und Belehrung sind, ein Kommendes deuten wollen, nachdem dieses Kommende nun eingetreten ist (42)?

Eine Gleichnishandlung Jesu bedeutet nicht die Einsetzung der Wiederholung dieser Handlung. Ebensowenig kann das Abschiedsmahl mit einem solchen Doppelgleichnis die Einsetzung eine Folge von Mahlen bedeuten. Wieso will man unmittelbar aus dem Abschiedsmahl das Abendmahl herleiten? Diese Exegese muss den Wiederholungsbefehl ausscheiden, weil in ihr der Wiederholungsgedanke keinen Platz hat. Die Stiftungsabsicht fehlt. Aber erst diese macht das Abschiedsmahl zum Abendmahl (42f).

Während Bultmann ein 'realistisches' Abendmahlsverständnis vertritt, das nach seiner Meinung ein Werk der kirchlichen Tradition ist, bestreitet der zweite Typus diesen Ursprung für das Abendmahl. Er führt es auf Jesus selbst zurück, exegisiert jedoch mit der Kategorie des Gleichnisses, hat es darum nicht mit dem Abendmahl, sondern mit dem Abschiedsmahl zu tun. Beide Typen stellen das Recht des kirchlichen Abendmahls in Frage, Bultmann historisch, der andere Typus exegetisch. Fehlt bei Bultmann das 'und', das das Heilsgeschehen in Christus mit dem ersten Abendmahl verbindet, so fehlt hier das 'und' das das letzte Mahl Jesu mit dem Abendmahl der Kirche verbindet (43).

W. Marxsen (1976): Die Endzeit konnte vorgestellt werden als Mahl am Tische Jahwes. Jedes jüdische Mahl trug kultischen Charakter. Man aß vor Gott, vor dem Gott, der mit den Vätern den Bund geschlossen hatte und dessen Reich man entgegenging. Das Mahl ‘erinnert’ Jahwes vergangene und zukünftige Heilsgegenwart.

Wenn Jesus Zöllner und Sünder an seinen Tisch lud, stellte er diese Menschen neu in den Bund mit Gott hinein und gab ihnen jetzt schon Anteil am kommenden Reich Gottes. Jesus bietet die Gottesgemeinschaft an, ohne Bedingungen daran zu knüpfen, die erst erfüllt werden müssten (67).

Das festliche Mahl begann im jüdischen Bereich mit dem Brotbrechen. Dabei wurde das Tischgebet gesprochen. Dann folgte die Hauptmahlzeit. Am Schluss kreiste der so genannte Segensbecher, über dem das Dankgebet gesprochen wurde. Eine überlieferte Danksagung lautet: “Wir danken dir, Jahwe unser Gott, dass du unseren Vätern das liebwerte gute und weite Land als Erbteil gegeben hast, dass du uns aus dem Land Ägypten herausgeführt und uns aus dem Knechtshause erlöst hast...”. Hier wird Vergangenheit ‘erinnert’. Es gibt auch ‘Erinnerung’ der Zukunft z.B.: “Der Barmherzige, er würdige uns der Tage des Messias und des Lebens der zukünftigen Welt...”. Diese Gebete kann man nicht so verstehen, dass sie zum Denken an die Vergangenheit und an die Zukunft aufrufen wollen, sondern hier wird das gegenwärtige Mahl mit der Heilsvergangenheit verknüpft; und die Heilszukunft kommt den Mahlteilnehmern entgegen. Die zu Tische Liegenden sind die zum Bunde Gehörenden (68f).

Schon bald nach Ostern kam die junge Urgemeinde zu Mahlzeiten zusammen. Christlichen Gottesdienst gab es noch nicht. Aber es gab christliche Gemeinde. Als christliche Gemeinde konnte sie nicht im Tempel zusammenkommen. Dann bot sich ihr aber die Zusammenkunft beim gemeinsamen Mahl an, wo ohnehin in ausgeprägter Weise Gemeinschaft mit Gott und untereinander erfahren wurde. Die übernommene Sitte musste man nun modifizieren und neu füllen. Paulus zitiert in 1Kor 11,23-25 die wohl älteste Formel:

“Ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, in der er dahingegeben ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib (soma) für euch. Dies tut zu mein Gedächtnis. Desgleichen nahm er den Kelch nach der Mahlzeit und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund auf Grund meines Blutes. Dies tut, so oft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis”.

W. Marxsen (1963): Ursprünglich wurde das Abendmahl im Rahmen einer Mahlzeit gefeiert, d.h. beide Abendmahlshandlungen lagen nicht nebeneinander (10).

Vom Essen ist in der Formel nicht die Rede. Es ist auch nicht gesagt, dass das Brot gegeben wird: die Essensterminologie und die Distributionsterminologie fehlen. Weil beim Kelchwort kein Element gedeutet wird, ist es beim Brotwort auch nicht der Fall (11f).

“Der Kelch der Danksagung, den wir segnen (nicht dessen Inhalt wir trinken), ist er nicht die Teilhabe am Blute d.h. am Opfertode Christi? - Das Brot, das wir brechen (nicht das wir essen), ist das nicht die Teilhabe am Leibe (soma) Christi? Denn ein Brot, ein Leib sind wir viele, denn wir alle haben teil an einem Brote” (1 Kor 10,16f).

Angesichts der Missstände in Korinth kommt es Paulus darauf an, die Einheit der Gemeinde herauszustellen. Paulus demonstriert sie an der Einheit des Brotes. Es geht um eine Teilhabe, die sich in der Teilnahme an der Mahlgemeinschaft ereignet. Interpretiert wird der Kelch, den wir segnen d.h. über dem wir das Dankgebet sprechen; das Brot, das wir brechen d.h. über dem wir das Dankgebet sprechen. Denn beim Brechen des Brotes geschieht die Danksagung. Das entspricht jüdischer Sitte. ‘Brot brechen’ ist ein feststehender Begriff für: das Dankgebet sprechen (12f).

Beim Mahl konstituiert sich die Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft wird bezeichnet als der neue Bund bzw. als der Leib Christi. Beides ist dasselbe, einmal jüdisch, das andere Mal hellenistisch ausgedrückt.

Beim Brotbrechen und beim Segnen des Kelches haben wir es mit den ohnehin schon ‘liturgischen’ Stellen dieser Gesamtmahlzeit zu tun. Während einer vollständigen Mahlzeit wird an diesen beiden Stellen interpretierend ausgesagt: Die feiernde, betende, danksagende Gemeinde ist der Leib Christi, die als solche den neuen Bund aktualisiert (13).

Die Missstände in Korinth 1Kor 11,21f: Wenn die Gemeinde zusammenkommt, fängt sie sofort mit dem Essen an. Die zu spät Kommenden finden dann Leute vor, die schon betrunken sind. Die Korinther mögen gemeint haben, das sei nicht schlimm, da den zu spät Kommenden nichts entginge, weil sie immerhin noch am ‘Abendmahl’ teilnähmen. Paulus sagt, dass das, was dann noch gefeiert wird, überhaupt kein Herrenmahl mehr sei. Die Missstände konnten erst dadurch entstehen, dass die kultische Feier ans Ende der Mahlzeit gerückt war (13).

“Ihr könnt nicht zugleich den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der Dämonen, ihr könnt nicht zugleich am Tisch des Herrn teilhaben und am Tisch der Dämonen. Oder wollen wir den Herrn herausfordern? Sind wir stärker als er” (1Kor 10,21f)?

Hier und in 11,26f spricht Paulus vom Essen und Trinken. Es ist jedoch nicht so, dass Paulus damit die Speise als solche qualifiziert, sondern es geht um die ‘Teilhabe’, die sich beim Essen ereignet (14):

Am Kreuz hat das Neue begonnen - und so führt man diese Feier der Gemeinde auf den Kreuzigungstag zurück. Wenn Jesus damals eine zu wiederholende Feier, also einen Kultus, eingesetzt hätte, dann wäre das Abendmahl nicht nur gefeiert worden, sondern man hätte auch um den Ursprung gewusst (17).

Jesus kam es auf die Vorwegnahme der Zukunft an, dass sich jetzt Zukunft ereignet. An der Zukunft als solcher war er nicht interessiert. Wir finden keine Hinweise dafür, dass Jesus an eine Institutionalisierung seiner Vorwegnahme der Zukunft gedacht hat. Das Problem einer zukünftigen Kirche lag jenseits der Erwägungen Jesu (17).

An den beiden Stellen, Brotbrechen und Segensbecher, kennt die palästinensische Gemeinde Interpretationen des Mahles und der Mahlgemeinschaft. An diese beiden Stellen schließt sich bei der Fortsetzung der Mahle Jesu die neue Interpretation an. Beim Vollzug des Gesamtmahles wird interpretierend ausgesagt: Die feiernde Gemeinde ist der Leib Christi, sie ist der neue Bund (22).

Die Gemeinde versteht sich als eschatologische Gemeinde auf Grund bzw. kraft des Blutes Christi, kraft des als Sühneopfer verstandenen Kreuzestodes (22).

Bei Mk findet eine Verschiebung der Schwerpunkte statt: Die Leibvorstellung geht über auf das Brot, das gebrochen wird, entsprechend wird der Kelchinhalt mit dem Blut Christi in Beziehung gesetzt. Leib und Blut (der ganze Mensch) gehören nun mit Brot und Wein zusammen. Die ‘Elemente’ treten in Erscheinung. Die Gegenwart des Kyrios wird an diese Speise gebunden. Dann ist die Mahlzeit, die ursprünglich als Mahl des neuen Bundes im Mittelpunkt stand, ihrer Bedeutung beraubt, sie kann wegfallen. Die Essensterminologie, die früher fehlte, tritt nun in die Formel ein (22f).

Die Weiterreflexion geschieht im hellenistischen Raum.

Nach hellenistischem Denken ist die Mitteilung des ‘Göttlichen’ an Menschen immer stofflich gedacht bzw. vorgestellt. Geist ist nach hellenistischer Vorstellung feinste Stofflichkeit. Der Jude denkt insofern geschichtlich, als das Eschaton für ihn durch Repräsentation und durch Vorwegnahme gegenwärtige Wirklichkeit wird (23).

Paulus polemisiert dagegen, dass bei den Korinthern der Gemeinschaftscharakter, das, was für das ursprüngliche Abendmahl das Wesentliche war, verlorengeht. Aber dieses ursprüngliche Abendmahl konnten die Korinther gar nicht feiern, weil das Mahl an sich für sie ein gesellschaftliches, aber kein kultisches Ereignis war. Das Kultische war für sie als die verkürzte Mahlfeier ans Ende gerutscht. So war das Abendmahl nur noch ein verkürzter liturgischer Akt. Hier beginnt die für das Abendmahl so folgenschwere Auseinandersetzung zwischen jüdischem und hellenistischem Denken (24).

Das langsame Heraustreten der Betonung der Elemente ist hellenistische Interpretation des ursprünglichen palästinensischen Mahles. Das Essen heiliger Speisen ist nicht die Sache, um die es geht, sondern das ist bereits Interpretation der Sache.

Das Problem - heilige Speise oder nicht? - war im ursprünglichen Abendmahl keineswegs angelegt. Der Streit zwischen Lutheranern und Reformierten ist an Interpetamenten, nicht aber an der Sache selbst orientiert (24f).

Dadurch, dass das Mahl weggefallen ist, tritt der Charakter des Abendmahls als Mahl der eschatologischen Gemeinde immer stärker zurück. Die Speise wird ein Heilmittel zur Unsterblichkeit bzw. ein Gegengift gegen das Sterben. Sie enthält Kräfte der jenseitigen Welt. Nun wird aus der eschatologischen Gemeinde die Kultgemeinde (26).

Jede Stufe der Entwicklung des Abendmahls bildet einen weiteren Abzug von der vorhergehenden. Am Anfang steht das Mahl als eschatologisches Ereignis. Dieses Mahl wird an zwei Punkten interpretiert. Dann werden diese beiden Punkte aus der Gesamtmahlzeit herausgenommen. Die Interpretation geht weiter, bezieht sich aber auf das, was gerade an diesen beiden Punkten geschieht: Brot- und Weingenuß. Schließlich werden wirklich Brot und Wein interpretiert; und diese Interpretation wird christologisch ausgebaut (27).

Am Anfang ging es um die Gegenwart des durch den Kyrios ereigneten Eschatons in der Gemeinde. Dieses Moment des ‘eschatologischen Existierens’, das gerade im Miteinander der Glieder beim gemeinsamen Mahl zum Ausdruck kam, ist verloren gegangen. Keineswegs hat Jesus das Abendmahl, das wir heute in Wittenberg, Rom oder Genf feiern, eingesetzt (28).

Das Abendmahl hat eine Entwicklung durchlaufen. 'Das' ntl Zeugnis vom Abendmahl gibt es nicht. Die verschiedenen Abendmahle lassen sich nicht harmonisieren, weil man verschiedene Stufen einer Entwicklung nicht harmonisieren kann (29).

Das NT ist die älteste (erhaltene) Geschichte der christlichen Verkündigung. Diese Verkündigung spiegelt bereits eine dogmengeschichtliche Entwicklung (29).

W. Marxsen (1976): Der Ursprung des Abendmahls wurde (zurück)-datiert (auf Jesu Abschiedsmahl). Hier ist etwas Ähnliches geschehen, wie beim entstehen der jüdischen Feste: Ursprüngliche Naturfeste wurden auf das Handeln Jahwes mit seinem Volk bezogen. Dieses Heilshandeln wollte man ’erinnern’. Die Urgemeinde, die in ihrem Abendmahl zunächst die Mahle des irdischen Jesus ‘erinnerte’, verknüpfte es später mit der Passion Jesu, weil sie im Kreuz das entscheidende Versöhnungshandeln Gottes sah (70).

Die Umgestaltung des Abendmahls (die Speise wird als Leib und Blut Christi genossen) hängt mit griechisch-hellenistischen Vorstellungen zusammen. Die Mitteilung des ‘Göttlichen’ an Menschen ist hier immer stofflich gedacht. Selbst ‘Geist’ ist nach hellenistischer Vorstellung feinste Stofflichkeit. Wenn man im griechischen Raum das Abendmahl feiert, dann kommt Christus in der heiligen Speise, im Brot und Wein, zu den Seinen. Ohne Übersetzung hätte man im griechischen Raum das Abendmahl nicht feiern können (71).

W. Marxsen (1960): Ursprünglich war das Abendmahl im Rahmen einer vollständigen Mahlzeit (1Kor 11,25) gefeiert worden. Die beiden Abendmahlshandlungen lagen nicht neben einander.

Paulus führt die Tradition auf die Nacht zurück, in der der Kyrios übergeben wurde. Markus fügt die Kultformel in eine ältere Passionsgeschichte ein und macht sie damit erst zum Einsetzungsbericht. Diese Ätiologie ist theologisch verständlich. Ist sie aber historisch haltbar? Dagegen erheben sich Bedenken. Eigenartig ist, dass es eine Passionsgeschichte ohne Einsetzungsbericht gegeben hat. Ist das Abendmahl in der Nacht des Verrats eingesetzt worden, dann ist es auch gefeiert worden, dann konnte es bei der Zusammenstellung einer Passionsgeschichte nicht übergangen werden. Wurde dagegen ein Abendmahl gefeiert, dessen Ursprung noch nicht auf diese Nacht zurückgeführt wurde, konnte es auch hier nicht erwähnt werden (45).

Andere Bedenken kommen aus der urgemeindlichen Verkündigung der Eschatologie Jesu. Die Einsetzung eines Kultes setzt voraus, dass eine Kirche über die Zeit von Jesu Tod hinaus, also für die Zukunft geplant war. Dass das vor Ostern der Fall war, ist (nach den MS-Worten) unwahrscheinlich. Außerdem ist die sakramentale communio aus jüdischen Vorstellungen nicht abzuleiten. Dass die entscheidenden Interpretamente den Tod Jesu als Heilstod voraussetzen, ist eine erst nachösterliche Interpretation. So wird man sagen müssen, dass von einer Einsetzung des Abendmahls als einer kultisch zu wiederholenden Handlung am Abend des Verrats nicht die Rede sein kann. Den Abendmahlsbericht muss man als eine ätiologische Kultlegende bezeichnen. Man nimmt an, dass die Abendmahlsfeier irgendwo (in der hellenistischen Gemeinde) entstanden ist und dann ihr Ursprung auf Jesus zurückgeführt wurde (45f).

Wir hören mehrfach von Mahlgemeinschaften mit Jesus, wo die Mahlgenossen Zöllner und Sünder sind, Menschen also, die kultisch unrein waren. Einerseits ist jedes jüdische Mahl (durch die dabei gesprochenen Gebete) ein kultisches Mahl, zum anderen ist die Endzeit oft im Bild des Mahls dargestellt. Dann wird der eschatologische Charakter deutlich, in dem die Urgemeinde diese Mahle Jesu sah. Wieder begegnet hier die doppelte Relation: In der Relation der Sünder und Zöllner zu Jesus, die in der Gemeinschaft des Mahles hergestellt wird, stehen diese Menschen zugleich in der eschatologischen Relation. Im Essen und Trinken erfährt die Urgemeinde eine Gemeinschaft, die sie als eschatologisch aussagt (46).

Nach Ostern feiert die Gemeinde diese Mahle weiter (Apg 2,42ff “mit Jubel“), und zwar die Gemeinde, die sich selbst als die eschatologische Gemeinde versteht, als die Gemeinde des neuen Bundes. Sie feiert diese Mahle in den Häusern als vollständige Mahlzeit. Das gemeinsame Mahl ist Ausdruck engster Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit. Christlichen Gottesdienst gibt es noch nicht, aber es gibt eschatologische Gemeinde, die sich beim Mahl sammelt und dabei die Mahle mit Jesus fortsetzt (46f).

Bald wird der Inhalt dieser Mahle explizit. Die Interpretation des Mahles bedient sich der Vorstellungen, die die Umwelt im Judentum und in den hellenistischen Mysterienkulten bereithält. Die Interpretamente des Abendmahls sind aus der religiösen Umwelt des Urchristentums genommen. Von dem Mahl wird ausgesagt, dass in ihm das Doppelte verbunden ist: die neue eschatologische Gemeinschaft und in ihr die Gegenwart Jesu. Beides wird vom Kreuz her begründet. Verlorengegangen ist das Moment des eschatologischen Existierens, das gerade im Miteinander der Glieder bei der gemeinsamen Mahlzeit zum Ausdruck kam (47f).

Die Liturgie ist 'datiert' worden; ihr Ausgangspunkt wird genannt. Das ist unhistorisch. Insofern kann man von einer ätiologischen Kultlegende reden, denn das Abendmahl wird in der Form, die es jetzt erreicht hat und in der es jetzt gefeiert wird, auf die Einsetzung zurückgeführt. Das Abendmahl selbst hat seinen Ursprung in den vorösterlichen Mahlgemeinschaften mit Jesus, in denen die Seinen sich in die eschatologische Relation gestellt wussten (48f).