2.5 Zwei Deutungen der jhn Brotrede (Jh 6, 31-58)

G. Richter

Das Verhältnis der VV 6,31-51a und 6,51b-58 zu dem in 20,31 angegebenen Zweck des Evangeliums

a. Das Verhältnis der VV 6,31-51a zu 20,31
Übereinstimmungen:
Alle Termini, die für 20,31 charakteristisch sind, erscheinen auch in 6,31-51a: 'glauben', 'Leben', Jesus als der Sohn Gottes = der vom Vater gesandte, vom Himmel herabgestiegene Heilbringer. Darüber hinaus ist in 6,35.37.44f der Glaube an Jesus umschrieben mit „zu mir kommen“. Ebenso ist das Essen des Himmelsbrotes vom Glauben an Jesus zu verstehen. Die Erlangung des Lebens ist immer gebunden an den Glauben an Jesus als den von Gott gesandten Heilbringer. Der in 20,31 stehende Ausdruck „der Christus, der Sohn Gottes“ ist dem Inhalt nach identisch mit dem Ausdruck: der von Gott her ist, von Gott seinen Ausgang hat und daher als einziger den Vater gesehen hat (6,46). Jesus ist vom Himmel herabgestiegen (6,38) (himmlische Herkunft 6,40f), gesandt von Gott oder vom Vater (6,39.44), Jesus tut den Willens des Vaters (6,37ff), Jesus ist das lebenspendende Brot vom Himmel, das der Vater gibt (6,32f.35.48.50f). Alle diese Aussagen bezeichnen Jesus als den vom Himmel stammenden und von Gott gesandten Heilbringer, an den man (wie in 20,31) glauben muss, um das Leben zu haben (101).

Der Inhalt von 6,31-51a stimmt mit dem Thema von 20,31 (der Erweis, dass Jesus der Messias und der Sohn Gottes, der von Gott gesandte Heilbringer ist) überein. Mit der Behauptung, das wahre, vom Himmel herabgekommene Lebensbrot zu sein (6,32f.35.41.48.50f), erhebt Jesus den Anspruch, der vom Vater gesandte eschatologische Heilbringer zu sein. In 6,35 nennt sich Jesus das Brot des Lebens und sagt unmittelbar darauf, dass man zu ihm (= Jesus) kommen muss, um nicht mehr zu hungern, und an ihn glauben muss, um nicht mehr zu dürsten. Die Juden bestreiten in 6,42 die himmlische Herkunft Jesu. Das Brot ist Bild für die christologische und soteriologische Funktion Jesu: er ist als der Gesandte des Vaters, als der Sohn der Lebensspender (= Heilbringer). Das Brot essen heißt glauben, dass Jesus der vom Himmel herabgekommene, vom Vater gesandte eschatologische Heilbringer ist. Durch diesen Glauben erlangt  man das Leben. Der Evangelist behauptet in 6,31-51a (wie es 20,31 heißt), dass Jesus der Sohn Gottes ist. Dies bestreiten die Juden in 6,41f. Auch in der Tendenz stimmen die VV 6,31-51a mit 20,31 überein. Hier wie dort geht es darum, dass man an Jesus als den vom Himmel herabgekommenen eschatologischen Heilbringer glaubt und so (durch den Glauben an Jesus) das Leben (= Heil) erlangt. Nach 6,29 ist der Glaube an Jesus als den Gesandten Gottes das einzige Werk, das Gott vom Menschen verlangt. Wer zu Jesus kommt (6,35.37) = wer dieses Brot 'isst' (6,50) = wer an Jesus glaubt (6,35.40.47), erlangt das Heil. Das Heil bedeutet, nicht mehr hungern und nicht mehr dürsten (6,35), nicht sterben (6,50), das ewige Leben haben oder leben in Ewigkeit (6,40.47.51a), nicht hinausgeworfen werden (6,37), nicht verloren gehen (6,39). Allerdings können nur diejenigen zu Jesus kommen, die der Vater ihm gibt (6,37), die der Vater zieht (6,44), die vom Vater belehrt sind (6,45). Diese Aussagen sind vom Zweck des Evangeliums her („damit ihr glaubt“) zu verstehen. Sie wollen für den Glauben werben bzw. die Glaubenssicherheit der Gemeinde durch das Bewusstsein ihrer Auserwählung stärken (102).

b. Das Verhältnis der VV 6,51b-58 zu 20,31
Unterschiede in der Terminologie: Die Ausdrücke Messias, Sohn Gottes und andere Bezeichnungen für den Heilbringer fehlen: Die Sendung des Sohnes (6,57) dient nur als Vorbild für das Verhältnis Jesus – Glaubende, das dem Verhältnis Gott – Jesus entsprechen soll. Der Ausdruck Menschensohn in 6,53 ist antidoketisch zu verstehen als Betonung der Menschheit Jesu. Nur den Begriff 'Leben' haben die VV 51b-58 mit 20,31 gemeinsam: ewiges Leben haben (6,54), leben werden (in Ewigkeit) (6,47f), Leben in sich haben (6,53), für das Leben der Welt (6,51b). Aber 'Leben' erscheint hier nicht wie in 20,31 als Folge und Wirkung des Glaubens an Jesus als den Heilbringer, sondern nur als Wirkung des Genusses des Fleisches und des Blutes des MSs. Unterschiede im Inhalt: In 6,51b-58 wird erklärt, dass das Brot, das Jesus geben wird, sein für das Leben der Welt hingegebenes Fleisch ist (6,51b), dass dieses Fleisch Jesu ebenso wie sein Blut wirklich Speise und Trank ist (6,55), dass das Essen dieses Fleisches Jesu und das Trinken seines Blutes ewiges Leben bewirkt (6,54.57f). Für die Erlangung des Lebens ist es unbedingt notwendig (6,53a), dass der Genuss des Fleisches und des Blutes Jesu Voraussetzung für das Bleiben in Jesus und Unterpfand der Auferstehung ist (6,56.54). Das Fleisch und das Blut Jesu ist das vom Himmel herabgekommene Brot, das Unsterblichkeit verleiht (6,58). Unterschiede in der Tendenz: Die Erlangung des Heils wird nicht mehr wie in 20,31 vom Glauben an Jesus abhängig gemacht, sondern vom Essen und Trinken des Leibes und Blutes Jesu. Die Frage, ob Jesus der Messias und der Sohn Gottes ist oder nicht, ist nicht mehr aktuell, sie ist für den Verfasser wie auch für die in VV 51b-58 angesprochene Gruppe selbstverständliche Voraussetzung. Es geht nicht mehr um den Glauben an Jesus, sondern um das Bleiben in Jesus, um die dauernde Gemeinschaft mit Jesus (6,56). Dazu ist das Essen von Jesu Fleisch und das Trinken von Jesu Blut in der Eucharistie notwendig. Nur das in der Eucharistie genossene Fleisch Jesu und Blut Jesu ist das wahre Himmelsbrot (6,58) (103f).

c. Unterschiede zwischen den VV 31-51a und 51b-58
Unterschiede in der Terminologie: Der Hauptunterschied besteht darin, dass im zweiten Teil der Rede das für den ersten Teil charakteristische Verb 'glauben' sowie dessen Synonyma fehlen. (Die eucharistische Terminologie in 27 ist sekundär). Nur im zweiten Teil der Rede erscheint die Immanenzformel „ihr in mir und ich in euch“ (V 56). Sie ist von der christologischen Formel „der Vater in mir (Jesus) und ich in ihm“ herzuleiten. Bei der Erweiterung auf die Jünger handelt es sich um ein typisches Verfahren der sekundären zweiten Hand (A 57). Der Ausdruck „Leben in sich haben“ V 58 fehlt im ersten Teil der Rede. Im übrigen Ev hat der Ausdruck nur Gott (5,26) oder den Logos bzw. den Sohn (1,4;  5,26) als Subjekt, nie aber Menschen (= Glaubende) wie in 6,53 und 1Jh 3,15. Für die Glaubenden heißt: „Leben in sich haben“ im Heilsstand sein, Gemeinschaft mit Christus haben (6,57) und das Unterpfand für die Auferstehung am Jüngsten Tag besitzen. Für den Logos bzw. für den Sohn aber ist diese Wendung Ausdruck der Göttlichkeit, der göttlichen Vollmacht und göttlichen Sendung. Gleiche Terminologie aber Unterschiede im Inhalt: Das Brot vom Himmel im ersten Teil der Rede bezeichnet Jesus selber als den vom Himmel herabgekommenen Heilbringer, im zweiten Teil der Rede aber ist das Himmelsbrot das Fleisch und das Blut Jesu. Damit hängt zusammen, dass „essen“ im ersten Teil der Rede nicht wörtlich gemeint ist, es heißt soviel wie glauben. Im zweiten Teil der Rede hingegen ist „essen“ nur wörtlich zu verstehen, was auch dadurch zum Ausdruck kommt, dass ab V 54 'essen' durch 'trinken' ergänzt wird (Ausnahme V 58a, wo die Terminologie des atl Zitats im ersten Teil der Rede verwendet ist). Nur der Terminus „(ewiges) Leben“ hat in beiden Teilen die gleiche inhaltliche Bedeutung. Aber der Weg zum Leben ist hier und dort verschieden: im ersten Teil erlangt man es durch den Glauben an Jesus als den vom Himmel herabgestiegenen Heilbringer, im zweiten Teil (51b-58) durch den Genuss des Leibes und Blutes Jesu in der Eucharistie (105f).

Unterschiede im Inhalt und in der Tendenz: In den VV 31-51a gibt der Vater das Himmelsbrot (V 32), in den VV 51b-58 wird Jesus es geben (V 51b). Das Himmelsbrot ist im ersten Teil der Rede bereits gegenwärtig, im zweiten Teil aber ist es Gegenstand der Verheißung. Im ersten Teil ist es der vom Himmel herabgestiegene, vom Vater gesandte Sohn, im zweiten Teil ist es das in der Eucharistie gegeben Fleisch Jesu und Blut Jesu (107f).

Im ersten Teil der Rede enthalten die mit „Amen, Amen“ eingeleiteten Sätze eine christologische Aussage (VV 32f.47f), die göttliche Herkunft Jesu, die mit der in 20,31 ausgesprochenen Tendenz übereinstimmt. Im zweiten Teil der Rede wird im „Amen, Amen“-Satz (VV 53f) die Heilsnotwendigkeit des Genusses der Eucharistie behauptet. Der Widerspruch („murren“) im ersten Teil der Rede betrifft die himmlische (= göttliche) Herkunft Jesu (VV 41f). Die Gottheit Jesu ist das Thema des ersten Teils der Rede. Achtmal wird in den VV 31-51a gesagt, dass Jesus (bzw. das Himmelbrot, mit dem Jesus identifiziert wird) vom Himmel herabgekommen ist, also himmlischer (= göttlicher) Herkunft ist und im atl Zitat in 6,31. Das zeigt, dass hier gegen eine 'jüdische' Front Stellung genommen wird, die aufgrund der allgemein bekannten irdischen Herkunft Jesu den Anspruch auf seine himmlische Herkunft bestreitet. Im zweiten Teil der Rede geht es nicht mehr darum, dass Jesus der Sohn Gottes und göttlicher Herkunft ist (das ist hier bereits selbstverständliche Voraussetzung), sondern zugrunde liegt eine innerkirchliche Auseinandersetzung (V 52 streiten) über die Eucharistie, eine Diskussion über die Frage, ob das in der Eucharistie genossene Brot wirklich Jesu Fleisch ist oder nicht (VV 51bf). Dieser 'Abendmahlsstreit' ist nur ein Sektor im großen Streit um die Wirklichkeit der Inkarnation Jesu. Trotz des gemeinsamen Terminus 'Brot vom Himmel' ist die Thematik der beiden Teile der Rede ganz verschieden: der erste Teil legt alles Gewicht auf die göttliche Herkunft Jesu, im zweiten Teil geht es um die Wirklichkeit der Inkarnation. Der Anstoß der 'Juden' im ersten Teil der Rede ist die Behauptung der göttlichen Herkunft Jesu, im zweiten Teil der Rede aber das wahre Menschsein, die Leiblichkeit Jesu (108f).

In den VV 31-51a hängt das Heil vom Tun Gottes ab, denn nur diejenigen können zu Jesus kommen (= an ihn glauben und so das Leben erlangen), die der Vater zieht (VV 43-46) oder die der Vater dem Sohn gegeben hat (VV 37-40). In den VV 51b-58 hingegen hängt das Heil vom Tun des Menschen ab, vom Essen des Fleisches und Trinken des Blutes Jesu in der Eucharistie. Die Tendenz in den VV 51b-58 geht nicht dahin, „damit ihr glaubt“ sonder dahin, „damit ihr tut“. Das Heil wird in den VV 51b-58 nicht mehr vom Glauben an Jesus abhängig gemacht, sondern von einem bestimmten Verhalten, von einem bestimmten Tun. Die Worte, die der Autor in 6,51b-58 Jesus in den Mund legt, sowie der Widerspruch der 'Juden' geben nicht die Situation um das Jahr 30 wieder, sondern um das Jahr 90. Die Wirklichkeit der Inkarnation war für eine bestimmte Gruppe innerhalb dieser Gemeinden ein Problem, dem mehrere sekundäre Stellen im Ev Rechnung tragen. Gegen die Bestreitung der wahren Leiblichkeit des Auferstandenen ist Jh 20,24-29 (der 'ungläubige' Thomas) gerichtet, gegen die Bestreitung der Eucharistie als 'Leib' Jesu und Blut Jesu Jh 6,51b-58. Der Ausdruck 'Fleisch' ist als bewusste antidoketische Formulierung zu verstehen. (In 6,52 streiten die Doketen, wieso Jesus in der Eucharistie seine sarx als Speise geben kann, da er doch nach der Lehre der Doketen nicht aus sarx besteht) (109f).

Nach dem Evangelisten ist die eschatologische Heilsgemeinde nicht mehr das Volk Israel, sondern alle diejenigen, die an Jesus glauben (261).

Anhang: Jh 6,51c-58 - ein Nachtrag

J. Becker: Die Verse 6,60ff greifen auf die Anstößigkeit der Selbstoffenbarung des Herabgekommenen und auf die Glaubensproblematik zurück ohne Bezug auf 6,51cff. Weil das Glaubensthema fehlt und die Thematik des Ärgernisses sich auf das Fleisch als Gabe des Menschensohnes bezieht, stört der Abschnitt den sinnvollen Zusammenhang. Wer 6,51c-58 der ursprünglichen Brotrede zuweist, muss die Verlagerung des Anstoßes von 6,22ff zu 6,51cff erklären und 6,60ff als mögliche Fortsetzung zu 6,51cff. Die letzte Schwierigkeit ist um so größer, als hier das “Fleisch zu nichts nütze ist“, dagegen im sakramentalen Teil Lebensträger ist. Ebenso erschwert das in 6,51c-58 fehlende Glaubensthema jeden Brückenschlag zum Kontext (264).

Ein anderes Argument ist der Verweis auf die Übermittlung des Lebens: Nach 6,33-35.47-51b.63.68 bringt die im Wort geschehene Selbstoffenbarung des Sohnes dort Leben, wo dieses Wort im Glauben angenommen wird. So ist die Glaubensbeziehung zum Sohn Leben. In 6,51c-58 ist dagegen die Lebensgabe jenseits der Glaubensrelation an den sakramentalen Genuss von Fleisch und Blut des Menschensohnes gebunden, so dass diese Substanzen Lebensträger sind und also das Leben substantiell gefasst ist. Entscheidend für seinen Empfang ist folgerichtig nicht mehr der Glaube sondern die Aufnahme der sakramentalen Gaben durch den Mund. Ein Autor, der so durchgängig auf den Glauben insistiert wie der Evangelist, hätte, falls er 6,51c-58 als Tradition aufgegriffen hätte, hier mit seinem Glaubensthema korrigiert. Ist hingegen 6,51c-58 ein Nachtrag eines Sakramentalisten, dann ist klar, warum dieser nach der letzten Erwähnung des Brotthemas in Joh 6 (in 6,60ff fehlen die Motive: Brot und Manna!) gleichsam mit Achtergewicht der Rede eine neue Ausrichtung gab. Damit hatte er das letzte und entscheidende Wort zu diesem Thema (264f).

In 6,48-51b hat 'essen' übertragene Bedeutung und ist Metapher für 'glauben', hingegen ist 6,51c-58 real gemeint. Ebenso redet die Brotrede nur vom Brot im übertragenen Sinn, 6,51-58 aber real und zugleich von des Menschensohnes 'Fleisch' essen und sein 'Blut' trinken, bzw. von seiner 'Speise' und seinem 'Trank'. Nach 6,35 reicht das Brot aus, um Hunger und Durst zu stillen, in 6,51cff bedarf es fester und flüssiger Nahrung (Brot und Blut), um den Menschen zu nähren. Entgegen der Brotrede, die Gott als Geber und Jesus als Gabe des Lebens darstellt, ist in dem sakramentalen Stück der Menschensohn der Geber und er selbst als Fleisch und Blut zugleich die Gabe. In der Brotrede ist Jesus als Irdischer Lebensbrot, d.h. das Leben präsent. In 6,61c-58 wird z.T. futurisch geredet (6,27.51c), denn es scheint noch als Problem bekannt zu sein, dass der Irdische noch nicht sakramentale Gabe sein kann, vielmehr erst der Erhöhte sich selbst im Sakrament geben wird. Demzufolge ist der Anstoß der Juden nicht die Unausweisbarkeit des Gesandten und sein christologisches Selbstzeugnis, sondern die Heilsnotwendigkeit des Sakramentes und eine bestimmte Anschauung von den sakramentalen Elementen, nach der diese mit Fleisch und Blut des Menschensohnes identisch sind (265).

Die literarische Art der Redaktion, schon vorliegende Stücke des Evangelisten neu aufzugreifen und umzuinterpretieren und dabei auf Aussagen des Evangelisten aufzubauen, zeigt sich auch bei anderen Zusätzen. Die Redaktion versteht die Rede Jesu in Jh 6 als Rede, die der irdische Jesus einst hielt (Rückschluss aus den Futura in 6,27.51c!) und fragt nun: Wie kann die Gemeinde an diesem Jesus bleibenden Anteil erhalten? Während der Evangelist diese Frage mit Hilfe des Parakleten löst (14,16f.25f), der die Jesusworte als Aufforderung zum Glauben lebendig erhält, verweist die Redaktion auf das immer wieder zu feiernde Herrenmahl: Es ist nun dauerhaft geistliche Lebensspeise für die, die geistlich von oben geboren sind (1,13; 3,3.5). Wer seinen neuen Ursprung von oben regelmäßig mit dem sakramentalen Fleisch und Blut des Menschensohnes nährt, darf erwarten, dass Christus ihn am Ende der Tage auferwecken wird (266).

In 6,35 besitzt das Lebensbrot übertragenen Sinn, der sich dem empfangenen Glauben erschließt. In 6,63 ist die Speise sakramentaldinglich der Menschensohn selbst und direkt. Ihn nimmt man über den Mund als Lebensnahrung auf. Beide Substanzen (Fleisch und Blut) sind Lebensträger, die der Essende real in sich aufnimmt, danach hat er Lebenssubstanz in sich. 6,53 wie 6,51c-58 überhaupt heben auf die heilskonstitutive Funktion des Sakraments ab und begründen diese mit einer sakramentalistischen Theologie (267f).

Kauen des Fleisches und Trinken des Blutes (des Menschensohnes) bedeutet 'ewiges Leben haben': Lebenssubstanz in sich haben (6,53). Darum kann solcher Mahlgenosse mit der Auferweckung am letzten Tag rechnen. Die sakramentale Speise ist 'wahrhaftig' Lebensspeise. Man kann sich auf sie verlassen. Das Mahl bewirkt aber nicht nur endzeitliche Auferweckung, sondern ebenso sakramental-mystische Vereinigung mit Jesus in diesem Leben (6,56f). Hatte der Evangelist vom Sakrament geschwiegen, so hat nun die Redaktion nachgewiesen, wie heilskonstitutiv es ist. Die Spitze der Ausführungen gehen auf die Unentbehrlichkeit des Sakraments, weil die Gemeinde auf diese Weise bleibenden Anteil an Jesus erhält (Be 268f).