1.6 Das VU in der Didache

Der Autor bedient sich in Did 8,2 eines VU-Textes aus der Überlieferung des Mt-Ev. Noch in der Didache wird dem Wortlaut des VU nicht mit christologischen oder sonst wie christlichen Zusätzen aufgeholfen. Das VU bleibt jüdisch und wird nicht zum christlichen Trennungstext (194).

Daran ändert auch die Hinzufügung einer zweigliedrigen Doxologie nichts: „denn dein ist die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit“. Sie macht das VU zu einem feststehenden, abgeschlossenen und zeitlosen Gebetsformular, aber sie rührt seine jüdische Identität nicht an. Der Rahmen schreibt die jüdische Gebetssitte vor: man solle das VU dreimal am Tag beten (Did 8,3) (194f).

Die Didache rüstet das VU mit einer Einführung aus, nach der es 'der Herr' ist, der das Gebet zu sprechen befiehlt. 'Der Herr' ist ein christologischer Hoheitstitel, der das VU christlich vereinnahmt. Dazu kommt, das der Vf. die 'Heuchler' aus seiner Mt-Vorlage unzweideutig mit den Juden identifiziert, von denen er in Did 8,1 sagt, dass sie am zweiten und am fünften Tag der Woche fasten (195).