3. Anhang

a. Hat Jesus seinen Jüngern das VU gegeben?

H. Taussig: Is it historically plausible to feature Jesus teaching a clearly structured prayer to anyone? The text has a clear literary/liturgical structure and it is preceded by a sentence characterizing it as something that people should repeat. The question of whether Jesus prayed this text as a unit is also the question of whether he wanted it to be institutionalized (28f).

Jesus was not an institutionalizer. He was not interested in religious exercises nor involved in setting up codes of behaviour or speech. On the basis of textual data alone, we would assign the Q text of the prayer to the very earliest layer of the tradition. It would be as close to Jesus as anything we have seen. But the portrait of Jesus as someone not interested in and perhaps antagonistic to institutionalization, especially religious, calls such a conclusion into question (29).

L.M.: Das VU wurde in den pln Gemeinden nicht gesprochen.

H. Taussig: in both passages from Paul (Röm 8,15; Gal 4,6) the cry of 'Abba, Father' is associated with the Spirit testifying to the status of those praying as children of God. There is no evidence that Paul knows the prayer text of Q (31).

Das VU wurde in den john Gemeinden nicht gesprochen. Es ist mit der Jenseitseschatologie des Joh-Ev (und der des Hebr) unvereinbar.

Das VU wurde in der Gemeinde des Markus nicht gesprochen. Warum sollte Markus es in seinem Evangelium verschwiegen haben?

„Vater unser im Himmel“

(1) „geheiligt werde dein Name“

(2) „dein Reich komme“

Jesus sagt (Lk 17,21): "Das Reich Gottes ist mitten unter euch" Es ist anfangsweise in seiner Gemeinde unter uns. Christus ist in seiner Gemeinde gegenwärtig.

(3) "dein Wille geschehe..."

Diese Bitte setzt eine besondere Gottesbeziehung voraus.

(4) „unser tägliches Brot gib uns heute“

Wenn reiche Christen der ersten Welt ständig betteln: “unser tägliches Brot gib uns heute”, ist das m.E. eine Beleidigung des Gottes, den Jesus im Gleichnis von dem verlorenen Sohn als liebenden Vater zeigt, der dem jüngeren Sohn bedingungslos sein Erbe vorzeitig austeilt und der dem älteren Sohn sagt: “alles, was mein ist, ist dein” (Lk 15,31). Dieser Vater läuft dem heimkehrenden Sohn entgegen, fällt ihm um den Hals, küßt ihn, zieht ihm das beste Gewand an, gibt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße, läßt das gemästete Kalb schlachten und feiert ein großes Freudenmahl.

Welche Kinder bitten ständig ihren irdischen Vater, ihnen das Existenzminimum für jeden Tag zu geben?

“Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter den Himmel ...” (Mt 6,25ff). Gott ernährt die Vögel und kleidet die Lilien auf dem Felde, kein Sperling fällt vom Himmel ohne den Willen des Vaters, selbst die Haare auf dem Haupte sind gezählt, keines geht verloren. Es gilt lediglich die Herrschaft Gottes zu suchen, alles andere wird dazu gegeben: “Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes ... so wird euch das alles zufallen” (Mt 6,33 = Lk 12,31). “Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft” (Mt 6,32). “Gott hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken” (Röm 8,32)?

(5) „und vergib uns unsere Schuld,...“

Um welche kollektive Schuld geht es hier?

Paulus ermahnt die Gläubigen, das zu werden, was sie seit ihrer Bekehrung/Wiedergeburt sind. Ihr gültiger Status – dass sie als rein gelten trotz ihrer Sünden, dass sie als gerecht gelten trotz ihres Versagens (Röm 5,1) – ist ein typisches Paradox pln Lehre. „Der ungläubige Mann ist geheiligt durch die [gläubige] Frau, und die ungläubige Frau ist geheiligt durch den [gläubigen] Mann. Sonst wären eure Kinder unrein; nun aber sind sie heilig“ (1Kor 7,14).

Das in Beziehung zu Jesus gelebte Leben ist mit allen Unvollkommenheiten in Jesu Herrlichkeit hinein genommen. Was soll das ständige Aufsagen der 5. VU-Bitte daran verbessern?

„Fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott“ (Röm 8,7). Das Aufsagen des VU ändert daran nichts.

(6) „und führe uns nicht in Versuchung“

Nach Jakobus 1,13 versucht Gott niemanden. Was soll dann diese Bitte? 

(7) „sondern erlöse uns von dem Bösen“

War Jesu Erlösungswerk unvollständig, müssen wir ständig um Nachbesserung bitten?

Kol 1,13f: "Gott hat uns errettet von der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes, in dem wir die Erlösung haben, nämlich die Vergebung der Sünden".

"...und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes" (Eph 6,10ff).

"Gott sei Dank, der uns allezeit Sieg gibt in Christus" (2Kor 2,14).

Wie echt, wie authentisch ist ein verordnetes Gebet, das so unverständlich ist wie das VU und das dennoch gemeinsam gesprochen (gebetet) werden soll?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus sowenig Menschenkenntnis gehabt haben soll, dass er seinen Jüngern das VU als Pflichtgebet verordnet hat.

b. Mit Paulus beten

(Eph 1,17-23; Kol 1,9-14; Eph 3,15-21)

Vater unseres Herrn Jesus Christus, Vater der Herrlichkeit,
gib uns den Geist der Weisheit und der Offenbarung, dich zu erkennen.

Erleuchte die Augen unseres Herzens, damit wir erkennen zu welcher Hoffnung wir von dir berufen sind und wie reich die Herrlichkeit deines Erbes für die Heiligen ist.

Laß uns erkennen, wie übergroß deine Kraft an uns ist, weil die Macht deiner Stärke bei uns wirksam wurde, mit der du in Christus gewirkt hast.

Gib uns die Erkenntnis deines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht, dass wir unserer Berufung würdig leben, dir in allen Stücken gefallen und Frucht bringen in jedem guten Werk.

Stärke uns durch deine herrliche Macht zu aller Geduld und Langmut.

Wir sagen dir mit Freuden Dank, dass du uns tüchtig gemacht hast zu dem Erbteil der Heiligen im Licht.

Du hast uns von der Macht der Finsternis errettet und uns in das Reich deines Sohnes versetzt. In ihm haben wir die Erlösung, nämlich die Vergebung der Sünden.

Du bist der rechte Vater über alles, was da Kinder heißt auf Erden.

Gib uns Kraft nach dem Reichtum, deiner Herrlichkeit, stark zu werden durch deinen Geist am inwendigen Menschen, dass Christus durch den Glauben in unseren Herzen wohne und wir in der Liebe eingewurzelt und gegründet seien.

Mach uns fähig, mit allen Heiligen die Liebe Christi zu erfassen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit wir erfüllt werden mit der ganzen Gottesfülle.

Dir, Vater, der du überschwenglich tun kannst über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dir sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.