Anhang: Die apokalyptische Vorstellung von einem tausendjährigen Reich (Offb 20)

a. “Ein im NT singulärer Gedanke”

Ph. Vielhauer: Im Zusammenhang mit der Parusie finden wir zwei im NT singuläre Gedanken: Einmal die Vorstellung vom tausendjährigen Reich, einem messianischen Friedensreich auf dieser Erde zwischen Parusie und Weltuntergang. Diese Vorstellung eines messianischen Zwischenreiches stammt aus der jüdischen Apokalyptik (4 Esra 7,28ff; syr Bar 29,3ff) und ist eine Kombination der nationalen und transzendenten Eschatologie. Mit dem Gedanken des tausendjährigen Reiches ist die zweite singuläre Vorstellung der Apk eng verbunden: der Gedanke einer zweifachen Auferstehung, einer vor und einer nach dem messianischen Zwischenreich (20,4-6.12-15); das ist eine Kombination zweier jüdischer Anschauungen, einer älteren von der Auferstehung nur der Gerechten und einer jüngeren von der allgemeinen Totenauferstehung (506).

b. “Ein Fremdkörper in der ntl Verkündigung”

A. Vögtle: Von der Erwartung eines tausendjährigen Zwischenreiches Christi und der auferweckten Märtyrer auf dieser Erde weiß das gesamte übrige Neue Testament schlechthin nichts. Dasselbe kennt nur ein noch zu erwartendes Offenbarwerden des erhöhten Christus zum Gericht und zur Heilsvollendung. Eine dem Endgericht vorausgehende lange irdische Herrschaft Christi, innerhalb der Geschichte, ist ein Fremdkörper, der in einem unausgleichbaren Widerspruch zur übrigen ntl Verkündigung steht. Johannes lässt hier jüdische Überlieferung einfließen, die theologischer ‘Sachkritik’ unterzogen werden muss, diese Erwartung kann nicht als (verpflichtende) ntl Glaubensaussage gelten (153).

c. “Verworfen als Irrlehre”

M. Luther: Auch werden verworfen etliche jüdische Lehren, die sagen, dass vor der Auferstehung der Toten eitel Heilige, Fromme ein weltlich Reich haben und alle Gottlosen vertilgt werden.

Hier werden verworfen diejenigen, die die jüdische Meinung lehren, die Verheißung von der Eroberung des gelobten Landes müsse leiblich verstanden und, dass vor dem jüngsten Gericht die Gottlosen allenthalben von den Heiligen unterdrückt werden und sie das zeitlich Regiment unter sich bringen.