3.2 (2Kor 4,7-15): Leidensgemeinschaft mit Christus

Vor diesem Peristasenkatalog charakterisiert Paulus seinen Dienst in 3,4ff als Dienst des neuen Bundes. Dann folgt seine neue Diakonia als Dienst des Geistes, dem der Dienst des Todes gegenübergestellt ist (3,7); dem Dienst der Gerechtigkeit kontrastiert der Dienst der Verdammnis (3,9). Zwischen diesem und dem Peristasenkatalog 6,3-10 entfaltet Paulus seinen Dienst als Dienst der Versöhnung (5,11-21). Beide Peristasenkataloge (2Kor 4,7-15;  6,3-10) bezieht Paulus auf seinen apostolischen Dienst. In Kp.7 wird die Beziehung zwischen dem Apostel und der Gemeinde erläutert: „mitzusterben und mitzuleben“ (7,3) (102f).

Paulus beschreibt seinen Aposteldienst als Dienst des neuen Bundes (3,6), des Geistes und der Gerechtigkeit (3,8f); diese Dienste sind für ihn Dienst der Versöhnung (5,18). Dieser Dienst des neuen Bundes entstammt der Doxa, die in seiner Diakonia übermächtig ist. Aus diesem Grund muss Paulus in seinem Aposteldienst nicht verzagen (4,1.6). Seine Peristasen in 4,7-15 erträgt er durch die Kraft Gottes und die Doxa des Dienstes im neuen Bund. Dieser gründet nicht in der Kraft eigenen Bemühens und eigener Befähigung, sondern er ist von Gott bestimmt. Wenn auch durch die Leiden sein äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Mensch Tag für Tag durch die Kraft Gottes erneuert (4,16) (104).

In 2Kor steht das Wort Doxa 19-mal. Hier hebt Paulus die überschwengliche Doxa seines apostolischen Dienstes hervor. Die Doxa ist der Vergleichspunkt, mit dem in 3,7-12 begründet wird, warum der neue Bund den alten Bund überragt. Für den alten Bund steht 'im Angesicht des Mose' (3,7.13), für den neuen Bund 'im Angesicht Jesu Christi' (4,6). Die Erleuchtung des Paulus wird als ein Schöpfungsakt im Herzen charakterisiert, der das Erkennen der Doxa auf dem Antlitz Christi vorbereitet und ermöglicht (4,6). Durch die Überbietung der Doxa – auf dem Angesicht Christi gegenüber der Doxa auf dem Angesicht des Mose – unterstreicht Paulus die Dynamis Gottes (104f).

2Kor 4,7-15: Einzelauslegung

4,7: Das Evangelium als Dynamis Gottes:Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwengliche Kraft von Gott sei und nicht von uns“. Der Schatz bezieht sich auf das Evangelium (4,3f) und nur indirekt auf den apostolischen Dienst, der das Evangelium verkündigt. Gegenstand der Verkündigung ist Jesus Christus (4,5). 'Christus Jesus ist Herr' ist für Paulus Evangelium. In Röm 1,16f wird das Evangelium als Dynamis Gottes bezeichnet. Paulus Dienst lebt aus der Kraft Gottes. Die Apostel haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit das Übermaß der Kraft von Gott sei (4,7b). Der Schatz ist Jesus Christus, der das Subjekt des Evangeliums und auch die Dynamis Gottes ist. Das Wort vom Kreuz ist für Paulus wichtiger Inhalt des Evangeliums (1Kor 2,2: „Ich nahm mir vor, nichts anderes unter euch zu wissen, als nur Jesus Christus und ihn als gekreuzigten“) (108f).

Der Mensch als zerbrechliches Gefäß (Ps 31,13;  Jer 22,28), Gott als Töpfer (Gen 2,7;  29,16;  Jer 18,1-6); Jes 64,8: „Wir sind Ton, du bist unser Töpfer und wir alle sind deiner Hände Werk“.

Die Gefäßmetaphorik hebt die Zerbrechlichkeit, d.h. die allgemeine Schwachheit des menschlichen Leibes, aber auch die physische Fragilität speziell des Leidenden hervor (110f).

Paulus trägt diesen durch das Sterben und Leben Jesu erworbenen Schatz (4,7) an seinem Soma. Indem Paulus die Gefäßmetapher mit der Schatzmetapher verknüpft, baut er einen Gegensatz auf. Der Schatz wird in 4,10f als Leben Jesu durch den Offenbarungsterminus phanerothe interpretiert. So wird Paulus als irdenes Gefäß, das schwach ist, zum Träger des wertvollen Schatzes, des Evangeliums. Das Evangelium – sein Inhalt ist der Gekreuzigte – ist kraftvolles Paradox (2,14). Wenngleich die Apostel als die irdenen Gefäße schwächlich sind, bewirken sie die übermäßige Kraft des Evangeliums. 4,7b betont das Übermaß der Herrlichkeit, die im Gegensatz zu den irdenen Gefäßen (den zerbrechlichen, schwachen Aposteln) steht und erinnert an die überragende Herrlichkeit (3,10). Das Wort Dynamis wird in V.7 statt Doxa gebraucht, um die Kraft des von Gott kommenden Evangeliums zu unterstreichen. Dynamis steht bei Paulus häufig der menschlichen Schwäche gegenüber (vgl. 1Kor 4,10,  2Kor 12,9) und unterstreicht dadurch das Bild vom Schatz in den irdenen Gefäßen, dass die Dynamis in den Schwachen zur Vollendung kommt (2Kor 12,9). Durch diese Dynamis Gottes werden wir nicht mutlos (4,1.16) (111f).

Der Zweck von Leiden und Trübsal wird in 2Kor 1,9 formuliert: „Damit wir nicht auf uns selbst vertrauen, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt“. Alle Kraft und alles Vertrauen soll zu Gott gehören und nicht eine menschliche Fähigkeit sein. Paulus beginnt jeweils mit 'Habe-Formeln', um sein Vertrauen auf Gott zu charakterisieren: (7a) „Wir haben diesen Schatz..., (7b) ist Gottes und nicht von uns“. (3,4) „Aber solches Vertrauen haben wir …, (3,5) nicht dass wir von uns selbst fähig sind …, sondern unsere Fähigkeit ist von Gott“. Das Evangelium wird als erleuchtender Schatz verstanden: 4,6; „zur Erleuchtung der Erkenntnis“. Paulus charakterisiert sein apostolisches Selbstbewusstsein als „Wohlgeruch Christi“ (2,14). Durch seine Verkündigung wird die Erkenntnis Gottes öffentlich gemacht. „Es wird Licht in unseren Herzen, so dass leuchtend aufgeht die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes auf dem Angesicht Jesu Christi“ (4,6b) (112f).

Paulus kontrastiert die Schwachheit der Apostel mit der Kraft Gottes. Dabei ist die Schwachheit der Apostel bezogen auf die Schwachheit des gekreuzigten Christus. Sie verkündigen das Evangelium als Gottes Kraft zum Heil (Röm 1,6) und das Wort des Kreuzes (1Kor 1,18.23). Mit 'Gefäß' bezeichnet Paulus seine leibliche Existenz, die zu der Herrlichkeit der Botschaft im Gegensatz steht. Der Dienst des neuen Bundes schenkt den Glaubenden Anteil an der Gerechtigkeit Gottes und an dem neuen Leben im Geist. Durch die Apostel entsteht der „Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi“ (4,6), wird der Schatz des Evangeliums bzw. des überaus herrlichen Aposteldienstes (3,7-18) offenbart. Die unvergleichbare Kraft ist von Gott. Als Träger des Schatzes des Evangeliums erweist Paulus sich als lebendig und tüchtig. Die Dynamis Gottes macht es Paulus möglich, seine Leiden zu überwinden (113f).

4,8-9: Die Aufzählung der Peristasen: (8) „Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängsten uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. (9) Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um“. Die Apostel sind bei der Verkündigung des Evangeliumsschatzes begleitet von den genannten Leiden. In Röm 5,3 (vgl. 2Kor 4,17) haben die Bedrängnisse einen positiven Sinn: „Wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, da wir wissen, dass die Bedrängnis Ausharren bewirkt“. Die Aussage 'Rühmen in Bedrängnissen' erinnert an die Aussage 'Rühmen im Herrn' in 1Kor 1,31, wo Paulus an das Leiden des Gekreuzigten denkt. Paulus dürfte die Bedrängnis der Verfolgung in 4,8 auch sonst als reale Bedrängnis verstanden haben, wobei sie in enger Beziehung zur Macht des Todes steht (Röm 8,35f;  2Kor 1,8;  11,23). Er verwendet Bedrängnis in seinen Briefen als Schlüsselterminus, um seine Peristasen zu erklären. In 2Kor 1-8 gebraucht er diesen Begriff zwölfmal. 2Kor 7,4f: „von außen Kämpfe, von innen Ängste“ (116f).

In 2Kor 1,8 beschreibt Paulus seine Verzweiflung am Leben als Konsequenz einer Leidenserfahrung „über die Kraft hinaus“. Er begegnet dem Leiden nicht mehr mit seiner menschlichen Kraft, sondern mit der Dynamis Gottes. Paulus sieht die Wirkung seiner Peristasen im Zusammenhang mit Gottes Dynamis (4,7). Wenngleich Paulus verfolgt ist, ist er doch „nicht verlassen“ (4,9). Er denkt daran, dass Gott, weil er der Vater des Erbarmens ist (1,3), ihn nicht verlassen wird (Dtn 4,31). Dieser Gedanke geht auf atl-jüdische Tradition zurück, in der das Thema der Ablehnung und des Verlassenseins der Erwählten Gottes zentral steht. Die Aussage „wir werden nicht vernichtet“ verweist auf die eschatologische Rettung Gottes (1Kor 1,18;  2Kor 2,15f;  4,3). Paulus sagt, dass er nicht 'verloren' gegangen ist, weil er allezeit das Sterben Jesu an seinem Leib herumträgt (4,10) (118f).

Paulus weiß sich Nöten, Ängsten, Mühsal und Tod real ausgesetzt (1,8). Im Ausharren des Leidens weiß er sich von Gottes Kraft gehalten (2Kor 4,7). Durch den theologischen Gedanken von der 'neuen Kreatur' (5,17) wird der kleine Peristasenkatalog in 4,8f im Sinn der Lebenserfahrung interpretiert: „als Niedergeworfene, aber nicht Vernichtete“ (V. 9b), „als Sterbende, und siehe wir leben“ (6,9b;  vgl. 1Kor 4,9-13) (120).

10-12: Sterben Jesu und Leben Jesu: (10) „Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib offenbar werde: (11) Denn wir, die wir leben, werden immerdar in den Tod gegeben um Jesu willen, damit auch das Leben Jesu offenbar werde an unserem sterblichen Fleisch. (12) So ist nun der Tod mächtig in uns, aber das Leben in euch“. Dieser Peristasenkatalog ist christologisch, es ist von dem Gekreuzigten die Rede, der den Tod aus Gottes Kraft durchlitten und überwunden hat. Ziel aller Leiden des Apostels ist die Offenbarung des Lebens Jesu als die Offenbarung der Kraft (4,7). Obschon Paulus auf den Leidensweg gestellt wird, erfährt er alle Zeit in Jesus, der als der Gekreuzigte und Auferstandene existiert, paradoxerweise zugleich die Dynamis und das Leben des Auferweckten: Im Gekreuzigten ist der Auferweckte präsent. In 4,10-12 werden die paulinischen Peristasen auf das Sterben Jesu bezogen: Sie führen zur christologischen Interpretation des Apostolats, indem sie den (Tod und Leben einigenden) christologischen Grund angeben. Die Schwachheit des Paulus als irdenes Gefäß (4,7) führt Sterben bzw. Tod fort und die Dynamis bewirkt Leben. In 4,10 expliziert Paulus sein Leiden als an seinem eigenen Leib erfahrenes Sterben Jesu, in 4,11 als Tod um Jesu willen (120f).

10-11: Das Umhertragen des Sterbens Jesu am Leib: Es geht nicht um den Tod selbst, sondern um das Ausliefern zum Tod, was in V.11 durch „übergeben werden“ unterstrichen wird. Was Paulus in V.10 beschreibt, ist kein autobiographischer, sonder ein 'christologischer' Zustand. Nekrosis umschreibt einen Zustand im Prozess, der sich im Vorgang des Sterbens vollzieht (122f).

Gal 6,17b: „Ich (Paulus) trage die Malzeichen Jesu an meinem Leib“. 2Kor 4,10a: Paulus trägt an seinem Leib Jesus wie einen Toten umher. Er verkündigt das Sterben Jesu, den Kreuzestod Jesu. An seinem Leib trägt er den Sterbenden, den er verkündigt. Paulus redet betont vom irdischen Jesus. Das schwache Soma (10) bzw. das sterbliche Fleisch (11) des Apostels sind der Ort der Erscheinung des Gekreuzigten als des Auferstandenen. Paulus betont die gegenwärtige Bedeutung des Lebens Jesu für den Apostel (124f).

Der gegenwärtige Aspekt der Lebensoffenbarung wird in 4,11 besonders deutlich: Als Lebender wird Paulus ständig in den Tod gegeben, damit auch an seinem sterblichen Fleisch das Leben Jesu offenbar werde. Die innere Qualität des Schatzes (4,7) wird in 4,10f offenbar als Leben Jesu. Paulus offenbart den gekreuzigten Jesus, indem er an seinem Leib Leiden trägt. Dies bewirkt Tod in ihm, sein eigener Leib ist geschwächt und ermattet. Sein äußerer Mensch wird von den Peristasen aufgerieben. Es ist wichtig für Paulus, seine äußere Schwachheit zu betonen, um zu zeigen, dass die Dynamis in seinem Aposteldienst aus Gott kommt, und nicht von ihm selbst (4,7) (126).

Das Sterben Jesu und das Leben Jesu sind der Kern des Evangeliums bei Paulus und zentral in der paulinischen Kreuzes- und Auferstehungstheologie. Das Offenbarwerden (die Verbreitung der Erkenntnis Christi) umschreibt Paulus als Duft Christi (2,15) und Aroma des Lebens (2,16). Als Duft der Erkenntnis Christi, den Gott durch ihn offenbart, wirken nach 4,10f auch Tod bzw. Leben Jesu wie sie in den Leidenserfahrungen des Apostels zum Ausdruck kommen. Die Nekrosis Jesu ist präsent und sichtbar im apostolischen Leiden. Wo die Nekrosis Jesu geschieht, erscheint das Leben Jesu , wird es doch ständig durch das Herumtragen der Nekrosis Jesu bewirkt. Während Paulus an seinem Leib stets die Nekrosis Jesu trägt, wird sein innerer Mensch Tag für Tag erneuert (4,16) (127).

Das Leiden des Paulus wird bei der Verkündigung des Evangeliums unvermeidlich präsent (vgl. 1Kor 9,16) und hat einen Heilswert für die Offenbarung. Das betonte „um Jesu willen“ expliziert den Grund des paulinischen Leidens: Paulus erleidet die Hingabe in den Tod um Jesu willen (4,5). Für Paulus ist Jesus der Grund für seine Knechtgestalt und die Hingabe in den Tod. Paulus sieht die Identität des erhöhten Herrn (4,5) mit dem Gekreuzigten. Für Paulus ist der Gekreuzigte der Irdische. Das Kreuz bezeichnet nicht nur ein einzelnes Ereignis, sondern das Geschehen, von dem her Jesu Existenz als ganze ihre Bedeutung erhält. In 4,7-15 geht es beim Jesus-Namen um den gekreuzigten (bzw. irdischen) und den auferweckten Jesus zusammen. Paulus ist Evangeliumsträger, der das Evangelium vom gekreuzigten und auferweckten Jesus verkündigt (128f).

12: Das Verhältnis Apostel-Gemeinde: Tod in uns – Leben in euch: (15) „Denn alles geschieht um euretwillen, damit die überschwengliche Gnade durch die Danksagung vieler noch reicher werde zur Ehre Gottes“. Für Paulus geht es um die Dialektik: Tod am Apostel, Leben für die Gemeinde. Gott wirkt durch den Apostel an der Gemeinde. Die Aussage 'der Tod wirkt sich in uns aus, das Leben in euch' ist so zu begreifen, dass aufgrund des Herumtragens des Todes Jesu an seinem (V.10) Leib bzw. des Leidens des Apostels (bzw. seiner Zerbrechlichkeit) die Gemeinde Leben erfährt. Darum sind die Peristasen in V.8f gegenwärtig zu verstehen, in ihnen wird die Dynamis Gottes am zerbrechlichen Apostel wirksam (V.7). (12) „Darum ist der Tod in uns wirksam, das Leben aber in euch“; „als Sterbende und siehe, wir leben“ (6,9) (129f).

13-14: Peristasen, Offenbarung und Auferstehung: (13) „Weil wir aber denselben Geist des Glaubens haben, wie geschrieben steht (Ps 116,10): Ich glaube, darum rede ich, so glauben wir auch, darum reden wir auch“. Der Psalmist erinnert sich. Er war bedrängt, hat geglaubt und auf Gott vertraut und dieser hat ihn errettet. Darum hat er mit seiner Existenz Gottes Heilstat verkündet. Da Paulus denselben Geist des Glaubens betont, ist es der Geist, der den Psalmisten aufgrund seines Glaubens zu reden nötigte und dies jetzt auch beim Apostel tut, (denn) Glauben und Reden – verstanden als Heilsvertrauen – gehören zusammen. Der Inhalt seines Glaubens und seiner Verkündigung ist in V.14 dargestellt: „denn wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, auch uns auferwecken wird mit Jesus und wird uns vor sich stellen samt euch“. Paulus verkündigt das Evangelium aufgrund seiner Errettung und hat den Glauben an seine Auferstehung. Dieser Glaube ermöglicht für den Apostel das Ertragen der gegenwärtigen Bedrängnisse und Trübsale (130f).

14: Die Auferstehung und das gegenwärtige Leben der Gemeinde: „denn wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, auch uns auferwecken wird mit Jesus und wird uns vor sich stellen samt euch“. Hier wird ein kultischer Ausdruck, der das stehen als Geheiligte in Christus vor dem Angesicht Gottes beschreibt, auf die Situation der eschatologischen Vollendung übertragen. Aufgrund der eschatologischen Hoffnung (14b) wird für Paulus im gegenwärtigen Leiden mit den Korinthern (14c) schon jetzt das Zukünftige erfahrbar. Die apostolische Existenz in Niedrigkeit (8-12) ist mit ihrer 'Erhöhung' gemeindebezogen, d.h. ewiges Sein mit Christus (das 'mit Jesus' ist auch zugleich 'mit euch Korinthern') (134).

15: Die Zweckbestimmung: Gnade-Dynamis-Doxa: Denn alles geschieht um eruretwillen, damit die überschwengliche Gnade durch die Danksagung vieler noch reicher werde zur Ehre Gottes“. Das Ziel aller apostolischen Leiden und der Verkündigung ist die Ehre Gottes: (7) „Das Übermaß der Kraft ist Gottes“, (15) „damit die Gnade überreich mache zur Ehre Gottes“.

Paulus sagt, dass die Korinther 'die selben Leiden' ertragen, die er leidet (2Kor 1,6). Leiden und Verkündigung „geschieht alles um euretwillen“ (15). Das apostolische Sterben bewirkt bei den Korinthern Leben (12) von Gott als der überströmenden Kraft bewirkt (15). Die Kraft Gottes (7) wirkt auf den Apostel (8-12a) und vom Apostel auf die Gemeinde und darüber hinaus (12b-15). Für den Glauben ist in dieser Dynamis der paulinischen Mission ein Übermaß von Leben in allem Sterben schon jetzt erfahrbar.

Paulus leidet als „Diener Jesu Christi“ (1,1). Er hat damit am Leiden Christi teil. Sein Leiden ist Leiden für das Evangelium des Gekreuzigten und für die Korinther. Gott bewirkt gegenwärtig seine Auferweckungskraft am leidenden Apostel. Trost (1,3-11), Dynamis und das Leben in den Peristasen (4,7-15), die über den Apostel hinausreichen, sind der Grund der Danksagung (134f).

Fazit

Als Bezugsobjekt von 'Schatz' zeigt sich die Erleuchtung des Paulus durch das Evangelium, seine Beauftragung mit der 'Diakonia des neuen Bundes'. Mit 'Gefäß' bezeichnet Paulus seine leibliche schwächliche Existenz, die zu der Doxa des Dienstes kontrastiert. Paulus trägt an seinem Leib Jesus wie einen Toten herum. Er verkündigt den Kreuzestod Jesu. Er versteht diesen apostolischen Dienst als neuen Bund (3,6) und als Schöpfungsakt (4,6). Er ist Träger des Evangeliums, der das Evangelium vom gekreuzigten und auferweckten Jesus (10) verkündigt (136).

Der schwache Leib (10) bzw. das sterbliche Fleisch (11) des Apostels sind der Ort der Offenbarung des Gekreuzigten als des Auferstandenen. Es geht um den Offenbarungscharakter 'des Lebens Jesu' durch den Apostel (10b;  11b). Durch das Tragen des Sterbens Jesu an seinem Leib wird Paulus zum Offenbarungsträger für das Leben Jesu. Das von Paulus als Schatz definierte Evangelium wird durch sein Leiden erleuchtet: Denn das Leiden des Paulus bewirkt das Leben der Gemeinde: „Der Tod wirkt in uns, das Leben aber in euch“ (12). Denn die Gemeinde ist sein (mit dem Geist des lebendigen Gottes) geschriebener „Brief Christi“ (2Kor 3,2f). Das erfahrene Leben im Leiden dient der Erbauung der Gemeinde und ist schon in jetzt gegenwärtig (136).

Die apostolische Existenz des Paulus ist geprägt durch die Erfahrung der Rettung aus Todesgefahren und hoffnungslosen Situationen. Das Leiden des Paulus führt zu Todesgefahren, aber Gott hat ihn immer wieder gerettet. Nur Gott allein bewirkt Rettung aus der Todesgefahr wie in 2Kor 1,8-10. Das Leiden des Paulus bzw. der Gemeinde wirkt Trost Gottes, dies führt zum Lobpreis Gottes, der von dem Todesleiden errettet. Paulus erkennt wie in 1Kor 1,18-2,5 und 2Kor 1,8-10, dass in der Schwachheit des Apostels die Kraft Gottes zur Vollendung kommt. Gott lässt seine Auferweckungskraft bereits in der Gegenwart an dem wirken, der für das Evangelium des Gekreuzigten leidet. Paulus leidet als Schwacher, aber aus der Kraft Gottes lebt er. Durch die Kraft Gottes wird die leidende apostolische Existenz zur Verkündigung. Paulus ist Träger des Offenbarungsgeschehens des Gekreuzigten, darin findet er den Grund, seinen Dienst als 'Dienst des neuen Bundes' und als Schöpfungsakt Gottes zu charakterisieren. Dieser Diener des neuen Bundes ist der Christus-Leiden tragende Diener. Durch seine Peristasen gibt er den Korinthern die Kreuzesbotschaft in existentialer Interpretation als 'Gemeinschaft mit Christi Leiden', als 'Gleichgestaltung mit Christi Tod' zu verstehen (Phil 3,10) (137).