1.10 Ergebnis

  • Der matthäische Christus zeichnet mit dem Felsenwort den ersten Jünger Jesu als autoritative einzigartige Person im Kreis der Zwölf aus und unterscheidet ihn damit auch als späteren Lehrer, Missionar und Gemeindeleiter von den anderen Jüngern.
  • Der Beiname ’Kephas’ (Fels bzw. Felsenbrocken) geht auf Jesus zurück (162).
  • Das Stichwort ’Fels’ kennzeichnet die 38 Jahre seiner Wirksamkeit von seiner Berufung bis zu seinem Martyrium in Rom.
  • Petrus ist in Jerusalem für die Öffnung der neuen messianischen Bewegung für die Völker eingetreten, weil Jesu Heilswerk die nationalen jüdischen Schranken zerbrach und sich in ihm die prophetische Verheißung für die Völker erfüllte. Seit der Agrippaverfolgung (43.n.Chr.) war er als führender Missionar für die Juden mehr und mehr außerhalb von Eretz Israel tätig und sprach dabei auch Gottesfürchtige in den Synagogen an, die rechtlich noch Heiden waren (163).
  • Petrus wollte auf die immer stärker bedrängte judenchristliche Gemeinde in Jerusalem Rücksicht nehmen, die 43 n.Chr. als Petrus fliehen musste, unter der Leitung des Herrenbruders Jakobus stand, und jedes Verhalten, das den Vorwurf der Apostasie vom Judentum herausforderte (der gegen Paulus erhoben wurde), vermeiden. So vertrat er auf dem ‚Konzil’ in Jerusalem die Freigabe der Heidenmission ohne Forderung der Beschneidung. Wenige Jahre darauf geriet er dann in Antiochien in einen schweren Konflikt mit Paulus, der den Vorschlag des Petrus, die juden- und heidenchristliche Tischgemeinschaft mit Rücksicht auf die bedrängten Judenchristen in Jerusalem aus Reinheitsgründen zu trennen, in aller Schärfe ablehnte (163f).
  • Die Nachwirkungen dieses Konflikts sind in 1/2 Kor und Röm zu spüren. Es wird darin angedeutet, dass Petrus nun selbst mehr und mehr zum Juden- und Heidenmissionar wurde, wobei er als der ehemalige Jesusjünger und autoritative Träger von Jesustradition auch in überwiegend heidenchristlichen Gemeinden in hohem Ansehen stand. Die Kephaspartei in Korinth ist ein Indiz für diese Entwicklung. Die Bedeutung des Petrus in den nachapostolischen Schriften einschließlich der Evangelien ist mit durch diese ausgeweitete missionarische Tätigkeit bedingt. Lukas lässt zwar Petrus bei Cornelius die Heidenmission begründen, von der späteren Wirksamkeit des Petrus nach dem ’Konzil’ aber schweigt er, um den Konflikt zwischen Petrus und Paulus umgehen zu können (164).
  • Petrus als bevollmächtigter Garant von Jesusüberlieferung tritt deutlich im Evangelium seines Schülers Markus hervor, in dem er eine beherrschende Rolle spielt, die sich auf die späteren Evangelien des Lukas und vor allem des Matthäus überträgt. Selbst Johannes kann sich dieser nicht entziehen. Es ist die Petrusüberlieferung hinter dem zweiten Evangelisten, die Lukas und Matthäus veranlasste, sich weitgehend auf sein Evangelium zu gründen (165).
  • Petrus muss ein theologisch kraftvoller Denker, eindrücklicher Verkündiger und fähiger Organisator gewesen sein, sonst hätte er im Kreis der Jesusjünger, in Jerusalem und später als Missionar bei Juden und Heiden nicht diese einzigartige Rolle spielen und so hohes Ansehen gewinnen können. In späteren Jahren muss man eine von ihm ausgehende eigenständige Mission zwischen Jerusalem und Rom annehmen. In ihr besaß die Jesusüberlieferung ein großes Gewicht.
  • Petrus und Paulus waren überragende, einmalige urchristliche Lehrer. Beiden zusammen verdanken wir die entscheidenden Inhalte des apostolischen Zeugnisse, dem Paulus durch seine Briefe, dem Petrus durch die synoptischen Evangelien, insbesondere des Markus und Matthäus, während Lukas in seinem Doppelwerk zwischen beiden zu vermitteln sucht. Johannes ist der eigenständige dritte große Zeuge, der seinerseits das Werk der beiden voraussetzt (165f).