1.4 Markus, Schüler des Petrus

Woher sollen die zahlreichen Erwähnungen des Petrus wenige Jahre nach dessen Martyrium an entscheidenden Punkten des Mk-Evs stammen? Sein Name erscheint mit 25 Nennungen im ältesten Evangelium auf den Umfang des Werkes bezogen häufiger als bei Lukas und Matthäus. Die beiden späteren Synoptiker sind gerade auch in der Petrustradition weitgehend von den mkn Vorgaben abhängig. Matthäus übernimmt zu 80% den Text des Markus, weil er weiß, dass hinter dem Mk-Ev die Tradition des von ihm hochgeschätzten Petrus steht. Markus nennt den bei ihm zuerst berufenen Petrus so oft, weil dieser für ihn von grundlegender Bedeutung ist. Die Erwähnungen des Petrus im Mk-Ev liegen in gesetzten Schwerpunkten: am Anfang bei dessen Berufung, in der Mitte mit seinem Messiasbekenntnis, der Leidensansage und der Verklärung und am Ende in Gethsemane und bei der Verleugnung (62f).

In Mk 16,7 gibt der Engel den zutiefst erschrockenen Frauen am Grabe den Auftrag:, „gehet und sagt es seinen Jüngern und dem Petrus“. Mit dem unnötigen „und dem Petrus“ weist Markus auf den für ihn wichtigsten Traditionsgaranten, der zugleich der maßgebliche Jünger Jesu war, hin (67).

Petrus ist als der beherrschende Jünger bei Markus und von ihm abhängig in den späteren Evangelien auch der Prototyp des Jüngerunverständnisses und Jüngerversagens. Diese Schattenseiten beruhen auf der zurückblickenden Einsicht des Petrus und der anderen Jünger, dass sie Jesu Wirken und Weg vor Ostern nicht verstehen konnten und ihm gegenüber schuldig wurden. Vor Ostern sind die Herzen der Jünger unverständig und verstockt. Erst die Erscheinung des Auferstandenen kann dies überwinden und schenkt ihnen die Erfahrung der Vergebung ihrer Schuld. Petrus verkündigt, was er selbst erfahren hat (68f).

Lukas und Matthäus wussten, als sie das Mk-Ev verwendeten, dass sie damit auf festem, anerkanntem Grund standen, wobei Matthäus die ptrn Prägung seiner Vorlage noch durch zusätzliches legendäres Material (Meerwandel Petri und Tempelsteuerperikope) verstärkte (70).

Der Zusammenhang zwischen Petrus und Markus erscheint in der Szene Apg 12,12 angedeutet, wo Petrus nach seiner Befreiung aus dem Gefängnis in das Haus der Maria, der Mutter des Johannes Markus, flieht, um dann das Machtgebiet des Herodes Agrippa zu verlassen. Der Markus in der Überschrift des Evangeliums, in 2Tim 4,11, in Phlm 24; Kol 4,10 und 1Ptr 5,13 ist eine den Empfängern und Lesern bekannte Autoritätsperson, identisch mit dem Neffen des Barnabas und dem Johannes Markus der Apg 12,25; 15,37.39 (74).