1. Die Umformung des Parusiegedankens im Hebräerbrief

W. Eisele

Das apokalyptische Zeitschema von Jetzt und Dann tritt zurück hinter die grundlegende Diastase Irdisch / Himmlisch. Dieser metaphysische Dualismus beherrscht das theologische Denken des Hebräerbriefes (6).

1.1 Die Komposition des Hebräerbriefes

Zur Diskussion stehen folgende Perikopen: Hebr 1,6; 9,27f; 10,25; 10,36-39; 12,25-29).

a. Hebr 1,6: “Und wenn er (Gott) den Erstgeborenen wieder einführt in die Welt, spricht er: Es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten“. 2,5: “Nicht den Engeln hat er untertan gemacht die zukünftige Welt, von der wir reden“. Man muss zwischen der Welt, in die Christus durch die Inkarnation eintritt, und der künftigen Welt unterscheiden. In 1,6 und 2,5 handelt es sich um die künftige Welt, die für den Verfasser mit dem himmlischen Vaterland (11,14-16), der zukünftigen Stadt (13,14) und dem himmlischen Jerusalem (12,22) identisch ist (58).

12,26 (Haggai 2,6): “...Noch einmal will ich erschüttern nicht allein die Erde, sondern auch den Himmel". (27) Dieses 'noch einmal' zeigt an, dass das, was erschüttert werden kann, weil es geschaffen ist, verwandelt werden soll, damit "allein das bleibt, was nicht erschüttert werden kann". Der Verf. unterscheidet bei seiner Interpretation zwischen dem Erschütterlichen, womit die gegenwärtige, vergängliche Welt gemeint ist, und dem Unerschütterlichen, was die endgültigen, eschatologischen Wirklichkeiten bezeichnet (59).

Mit dem Begriff oikoumene meint der Hebräerbrief die jenseitige Welt des Himmels, die sich von der diesseitigen bewohnten Welt dadurch unterscheidet, dass sie unerschütterlich ist. Hebr 1,6 spricht von der Einführung Christi in den Himmel, die im Umfeld seiner Erhöhung zu situieren ist. Anlässlich seiner Erhöhung wurde Christus als Erster von den Toten in die himmlische Welt eingeführt und hat so den Weg dorthin für alle Toten gebahnt. Beim Eintritt Christi in den Himmel fordert Gott die Engel zu seiner Anbetung auf. In die himmlische Welt, die der Sohn durch seine Menschwerdung verlassen hatte, wird er im Zuge seiner Auferstehung wieder eingeführt (64f).

b. Hebr. 9,27f: “Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht, (28) so ist auch Christus einmal dargebracht worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil“. Hebr. 9,27f bildet das christologische und soteriologische Fundament für die paränetischen Aussagen über die Unmöglichkeit einer neuerlichen Buße nach der Erleuchtung, d.h. nach der Erkenntnis der Wahrheit. Die Wahrheit besteht darin, dass Christus ein einziges Mal dargebracht wurde, um ein für allemal die Sünden vieler auf sich und so wegzunehmen. Eine zweite Buße gibt es nicht, weil es kein neuerliches Opfer geben kann. Das Schwergewicht der Intention liegt in der Soteriologie, nicht in der Paränese (78f).

Als positive Zweckbestimmung des zweiten Erscheinens Christi steht dem Gericht die Rettung gegenüber, die mit der Vervollkommnung Christ in seinem Opfer ihren Anfang genommen hat (“Als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden“ . (5,9) Die Rettung wirkt fort, denn sie ist ewig wie das Gericht, d.h. endgültig und fortwährend wirksam. Während der Zweck des Opfers Christi die Wegnahme der Sünden war, ist die Sünde bei seinem zweiten Erscheinen kein Thema mehr und kann es auch nicht sein, weil sie bereits ein für allemal erledigt ist (80).

Die Rolle des Richters ist Gott zugewiesen (10,27.31; 12,29). Christus fällt beim Gericht die Rolle des Retters zu. Gerettet werden von ihm diejenigen, die mit Ausdauer und Glauben auf sein zweites Erscheinen gewartet haben. Für die Geretteten wird im Moment der Rettung ihr Heil offenbar, das bis dahin in der sichtbaren Welt verborgen war. Christus erscheint den Engeln im Himmel direkt nach seinem Tod, wenn er von Gott in die Welt des Himmels eingeführt wird (1,6). Dort erscheint er in der Folge jedem Glaubenden, der durch den Tod hindurch in den Himmel gelangt, ein zweites Mal, nachdem er ihm mittels der christlichen Überlieferung zum ersten Mal in seiner irdischen Gestalt erschienen ist. Das Ewige siedelt der Verfasser ausnahmslos im Himmel und nicht auf der Erde an. Christus erscheint jedem einzelnen Glaubenden unmittelbar nach seinem Tod und bei dem dann stattfindenden Gericht im Himmel als Retter (84f).

c. Hebr 10,25: “und nicht verlassen unsere Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen und das um so mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht“. 12,22: “Ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem und zu den vielen tausend Engeln und zu der Versammlung (23) und Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel aufgeschrieben sind und zu Gott dem Richter über alle und zu den Geistern der vollendeten Gerechten (24) und zu dem Mittler des neuen Bundes, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung, das besser redet als Abels Blut“. Die Gemeinde steht jetzt schon im Zeichen des hellen Tages der Rettung, wenn auch erst in der Erwartung (9,28). Ist dieser Tag da, dann kommt an den Tag, ob sie “nützliche Gewächse“ oder nur “Dornen und Disteln“ (6,7f) hervorgebracht hat. Noch ist es nicht Tag, noch dämmert der Tag des Gerichts und der Rettung erst. Diese Zwischenzeit birgt für die Glaubenden die Gefahr, die Verbindung mit Christus und der Gemeinde aufs Spiel zu setzen (90).

d. Hebr 10,36-39: “Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt. (37) Denn nur noch eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll und wird nicht lange ausbleiben. (38) Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben. Wenn er aber zurückweicht, hat meine Seele kein Gefallen an ihm. (39) Wir aber sind nicht von denen, die zurückweichen und verdammt werden, sondern von denen, die glauben und die Seele erretten“. 'Kommend' ist alles, was mit der Heilszeit in Verbindung steht, der neue Äon, die Gottesherrschaft, der Weltrichter, Elia, der Messias (101).

In den beiden Perikopen 10,5-10 und 10,36-39 besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Kommen Christi in die Welt und dem Tun des Willens Gottes. Ausgangspunkt in 10,5-10 ist der Eintritt Christi in die Welt, seine Inkarnation. Der Hebr legt Christus die Worte von Ps 40,7-9 in den Mund. Zuerst wird erwähnt, was Gott nicht wollte, nämlich verschiedene Arten von Opfern. Denn sie können als irdische Veranstaltungen niemals Sünden wegnehmen. Demgegenüber wird ein Neuanfang markiert mit der Wendung “siehe, ich komme“, die den Vorgang des Eintretens in die Welt in die Rede bringt. Daraufhin wird der Zweck des Kommens bekanntgegeben: das Tun des Willens Gottes durch Christus. Der Wille Gottes besteht darin, dass wir geheiligt sind durch die Darbringung des Leibes Jesu Christi ein für allemal (10,10). Diese Heiligung ist dadurch wirksam, dass Jesus sein Opfer nicht im irdischen, sondern im himmlischen Heiligtum darbringt (104f).

In 10,36-39 liefert das Kommen Christi die Begründung dafür, dass die Adressaten zur Ausdauer ermahnt werden. Wie Christus in seinem Kommen den Willen Gottes tat, indem er uns durch die Darbringung seines Leibes geheiligt hat, so sollen wir im Blick auf sein Kommen ebenfalls den Willen Gottes tun und auf diesem Wege die Verheißung empfangen. Da uns Christus im Willen Gottes ein für allemal geheiligt hat, kann das Tun dieses Willens für uns nur noch darin bestehen, als bereits Geheiligte Ausdauer zu zeigen. Wir sind in der Heiligung durch Jesus Christus in den himmlischen Bereich hineingenommen (10,25; 12,22-24). Die Ausdauer besteht jetzt darin, der himmlischen Heimat treu zu bleiben (105).

Wir sollen in Ausdauer (10,36) laufen, indem wir auf Jesus blicken (12,2f), denn dieser ist darin “Anführer und Vollender des Glaubens“, dass er vorbildliche Ausdauer gezeigt hat, indem er das Kreuz erduldete. Der Anführer im Glauben ist auch der Anführer in der Rettung (2,10) und der Vollender ist auch der Vollendete (7,28), der allen, die ihm gehorchen, zum Urheber ewiger Rettung geworden ist (5,9). Der Blick auf Jesus hat christologische und soteriologische Implikationen: Er stärkt nicht nur die Haltung des Glaubens, sondern vergewissert zugleich seinen Inhalt (108).

Der Hebr spricht nicht vom Glauben an Jesus Christus. Gleichwohl gehört zur Pistis eine intensive personale Beziehung zu Jesus. Auf dem Hintergrund der atl Tradition gab es auch im Urchristentum von Anfang an den Glauben als Haltung gegenüber Gott und seinem hereinbrechenden Reich. Aber auch in dieser Glaubenstradition, die nicht explizit den Glauben an Jesus Christus reflektiert, gibt es einen für ihr Verständnis unabdingbar wichtigen sachlichen Bezug zur Person Jesus Christus und seinem Heilswerk (110f).

Das verheißene Gut der Rettung (10,36) besteht nicht in der Parusie Christi auf Erden, sondern im Einzug in das himmlische Allerheiligste. Der Kommende ist Christus, bei dem jede Abweichung vom Willen Gottes ausgeschlossen ist. Gottes Wille ist es, dass wir durch das Kommen Christi ein für allemal von Sünden gereinigt werden und zur Rettung gelangen (9,28; 10,5-10). In der Zeit zwischen seinem ersten und zweiten Kommen gilt es, in der Nachfolge Christi, dem “Anführer und Vollender unseres Glaubens“ (12,2), Ausdauer im Glauben zu beweisen und so wie er den Willen Gottes zu tun. Der Verf. möchte bei den Adressaten die Haltung des Glaubens stärken. Diese gründet in dem Glaubensbeweis, dass Christus schon jetzt, wenn auch für die irdischen Augen noch verborgen, der Herrscher des Alls ist (2,8f). So endgültig die durch seinen Tod bewirkte Sündentilgung ist, so sicher setzt sich seine Herrschaft rettend durch. Wer im Glauben an ihn ausharrt, wird am Ende das Leben gewinnen (10,39) (112).

e. Hebr 12,25-29: “Seht zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet. Denn wenn jene nicht entronnen sind, die den abwiesen, der auf Erden redete, wieviel weniger werden wir entrinnen, wenn wir den abweisen, der vom Himmel redet. (26) Seine Stimme hat zu jener Zeit die Erde erschüttert, jetzt aber verheißt er und spricht: Noch einmal will ich erschüttern nicht allein die Erde, sondern auch den Himmel. (27) Dieses 'noch einmal' aber zeigt an, dass das, was erschüttert werden kann, weil es geschaffen ist, verwandelt werden soll, damit allein das bleibt, was nicht erschüttert werden kann. (28) Darum, weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen mit Scheu und Furcht, wie es ihm gefällt; (29) denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer“.

Zweck und Folge der Erschütterung des vergänglichen Kosmos ist, dass nur noch das Unerschütterliche bleibt. Beim bleibenden Nicht-Erschütterten handelt es sich um Ungeschaffenes, weil es ansonsten ebenfalls beseitigt würde. Am Ende wird allein das Unerschütterliche, die himmlische Welt Gottes, “die Stadt des lebendigen Gottes“, das “himmlische Jerusalem“ bleiben (119).

Der Ungeschaffene, der das Geschaffene erschüttert, selbst aber nicht erschüttert wird, ist der König des unerschütterlichen Königreiches, das die Christen zu empfangen in Begriff sind. Sowohl 1,6 als auch 1,10-12 wenden ursprünglich auf Gott gemünzte Schriftstellen auf Christus an. Christus gehört auf die Seite Gottes, des Ungeschaffenen. Dasselbe gilt für den Christen, der aufgrund seines Glaubens nicht vernichtet wird, sondern sein Leben erhält (10,39). Dem entspricht die Analogie zwischen unerschütterlicher Welt, in die der Erstgeborene eingeführt wird (1,6), und dem unerschütterlichen Königreich, dass die Erstgeborenen empfangen (12,23) (124).

In Hebr 12,25-29 tritt das Welt- und Wirklichkeitsverständnis des Autors klar zutage. Die Wirklichkeit zerfällt in den Bereich des Erschütterlichen und den Bereich des Unerschütterlichen. Das Erschütterliche ist von Gott geschaffen, von unentwegtem Werden und Vergehen geprägt und kann jederzeit wieder vollständig vergehen. Dagegen ist das Unerschütterliche ungeschaffen und bleibt ohne Veränderung in seinem Sein bestehen. Inbegriff des Erschütterlichen ist die Erde und alles Irdische, des Unerschütterlichen hingegen der Himmel und alles Himmlische. Der Unerschütterliche ist Gott selbst, dem Christus als Sohn Gottes zugehört. Wenn das Sprechen Gottes am Sinai auf der Erde verortet wird, dann ist damit gemeint, dass der dort geschlossene Bund nicht von ewiger Dauer sein konnte. Umgekehrt qualifiziert das Sprechen Gottes vom Himmel her, das die zum Berg Zion Hinzugetretenen hören, den hier begründeten Bund als bleibend und ewig. Das Heil des Menschen hängt davon ab, welchem der beiden Wirklichkeitsbereiche er zugeordnet ist. Die zum Berg Zion hinzugetretene christliche Gemeinde gehört nicht mehr dem Vergänglichen, sondern dem Unvergänglichen an. Sie empfängt ein unerschütterliches Reich. Jetzt schon hat der Glaubende Anteil am unvergänglichen Reich des Himmels. Solange die erschütterliche Welt noch währt und den Blick auf den unerschütterlichen Himmel verstellt, muss der von Sünden Erlöste seinen Glauben durch die Ausdauer in den Widrigkeiten der gegenwärtigen Welt bewähren (124f).

Zusammenfassung: Das “wieder einführen“ (1,6) erhält den Sinn, dass Christus, nachdem er die Himmelswelt in seiner Inkarnation verlassen hat, nun dort wieder eingeführt wird. Die “Welt“ in 1,6 ist als die künftige jenseitige Welt zu begreifen, weil es sich um dieselbe handelt, die der Verfasser auch in 2,5 erwähnt. Dieser Befund wird durch den strukturellen Bezug zu 12,26-28 untermauert: Die oikoumene ist das unerschütterliche Königreich (127).

Derselbe Bezug wirft auch ein neues Licht auf die Bezeichnung Christi als Erstgeborener. Als solcher ist er nach Ps 89,27f der Höchste unter den Königen der Erde, der König des unerschütterlichen Königreiches, dem Gott Bestand verleiht. Indem Hebr 1,10-12 ihn als Gott anredet, der bleibt, ist er zugleich der Unerschütterte, der das Vergängliche durch seine Erschütterung beseitigt.

Die Einführung Christi als des Erstgeborenen in die himmlische Welt hat eine Analogie in der Einführung des Volkes Israel als des Erstgeborenen in das verheißene Land. Das Eingehen in die Ruhe ist die durch die Zeiten gleichbleibende eschatologische Verheißung Gottes (3,1-4.12). Dieses eschatologische Verheißungsgut hat Christus als Anführer der Rettung (2,10) bereits empfangen, den Christen ist es im Verheißungswort in Aussicht gestellt. So ist Christus zum Urheber der ewigen Rettung (5,9) und zum Erstgeborenen der Toten geworden, der seinen vielen Brüdern den Weg in die Herrlichkeit Gottes gebahnt hat (127).

Die Terminologie vom zweiten Erscheinen Christi (9,28) verweist mit der Verbform ophtesetai (ophte) in den Bereich der Erscheinungen des Auferstandenen. Christus erscheint beim zweiten Mal als der Auferstandene. Dieses zweite Erscheinen Christi ereignet sich in Analogie zu seinem Erscheinen vor den Engeln, die ihm bei seiner Einführung in die himmlische Welt huldigen (1,6). Hebr 1,5-14 wurde als Nachbildung des altorientalischen Thronbesteigungszeremoniells verstanden. Insofern ist auch das zweite Erscheinen vor denen, die ihn erwarten, als ein Ereignis im Himmel vorstellbar (128).

Zum ersten Mal war Christus den Menschen auf Erden in seiner Inkarnation erschienen (9,26-28). Zum zweiten Mal wird er ihnen beim Gericht erscheinen. Die ambivalente Erwartung des Gerichts wendet sich für diejenigen, die Christus erwarten, hin zur Erwartung der Rettung, die Christus vollenden wird (9,28) (128).

Nach 12,25-29 existiert eine Seinsordnung, die charakterisiert ist durch die Diastase zwischen Erde und Himmel, Erschüttertem und Unerschüttertem, Veränderlichem und Unveränderlichem (129).

Das traditionell zeitliche Schema der Apokalyptik tritt hinter räumlich-ontologischen Vorstellungen zurück. An die Stelle der Spannung zwischen Schon und Noch-nicht rückt die Diastase zwischen erschütterlicher und unerschütterlicher Welt, die beide schon jetzt nebeneinander existieren. Der Verf. erwartet die Vernichtung der erschütterlichen, diesseitigen Welt. Deren Beseitigung trägt keine spektakulären Züge, sondern vollzieht sich im Rahmen ihrer banalen Vergänglichkeit. Wichtig ist, dass der Christ schon jetzt Anteil am unerschütterlichen Königreich hat. Die Beseitigung der erschütterlichen Welt wird ihn nicht berühren, weil er als Empfänger des unerschütterlichen Reichs in jedem Fall bleibt (132).

Der Christ, der einerseits in der erschütterlichen Welt lebt, andererseits aber schon an den unerschütterlichen Realitäten partizipiert, steht in der Spannung zwischen seiner bereits realen Utopie und seiner irdischen Wirklichkeit. Aus dieser Spannung erwächst für ihn die Gefahr, den utopischen Standort, den er im Hinzutreten zu den unerschütterlichen Realitäten eingenommen hat, aufzugeben. Gibt der Christ seinen Glauben und das Darunterstehen unter seiner Hoffnung auf, so fällt er zusammen mit der erschütterlichen Welt der Vernichtung anheim (133).

Christus hat ein für allemal die Sünden weggenommen und so den Zugang zum bleibenden und unerschütterlichen Reich erschlossen. Wer in Ausdauer und Glaube bei dieser Realität bleibt, dem ist entgegen der Vernichtung des Erschütterlichen sein Bleiben zugesichert: Er empfängt ein unerschütterliches Reich (133).