Anhang: Nur als ein Sohn des Volkes ist Jesus für Lukas der Messias und Gottessohn

(1991): Jesus als Davids Sohn: David wird Jesu Vater (pater Lk 1,32) genannt; er ist auch der Vater der Gemeinde, d.h. Israels (Apg 4,25). David ist Knecht, so wie Israel als Volk Knecht ist (Lk 1,54) und vor allem Jesus (Apg 3,13.26;  4,27.30). Lukas redet vom Geschlecht Davids (Lk 2,4); David ist Patriarch (Apg 2,29). Israel ist die „zerfallene Hütte Davids“ (Apg 15,16). Betlehem ist die Stadt Davids (Lk 2,11). David, d.h. Israel, sind die Verheißungen Gottes geschenkt (Apg 13,32) (245f).

Der Stammbaum Jesu (Lk 3,23-38): Wenn man die Gottessohnschaft Jesu durch den Stammbaum ausgedrückt sieht ('historisiert' durch die Linie von Patriarchen), dann gibt es eine Reihe von Gottessöhnen. Der Stammbaum scheint durch eine Aufreihung von Namen eine Geschichtsdarstellung Israels zu sein in Gestalt einer Ahnentafel. Wir sehen die Geschichte des Volkes. Die Ahnentafel soll die Volkszugehörigkeit aufzeigen. Der kommende Messias soll ein Nachkomme Davids sein (246f).

Jesus wird zusammen mit dem ganzen Volk Israel getauft, als einer im Volk (diejenigen, die von Johannes getauft werden, machen das Volk aus, sie repräsentieren Israel). Die Geschichte des Volkes Israel wird in der Form des Stammbaums auf Gott zurückgeführt. Der Gottessohn ist auch Sohn des Volkes. David ist für Lukas selbstverständlich der König, wonach Jesus als Davidssohn auch als König verstanden wird (Lk 1,32f; Apg 2,20). David ist auch und vor allem der Prophet (Apg 1,16;  2,25.31;  4,25 etc.). So wird Jesus als Davirdssohn als der prophetische Messias gezeichnet, der auch in dieser Hinsicht ein Teil des Volkes ist. Lukas nennt die Juden „Söhne der Propheten“ (Apg 3,25) und er sieht die Kirche als Wiederaufbau und Restitution des prophetischen Volkes (Apg 2,17f). Auch so ist es verständlich, das die Christen, das wahre Israel, David ihren Vater nennen (Apg 4,25) (248f).

Jesus im Tempel: Die Beschneidung Jesu (2,21-39) steht in einem Kontext, wo die Gesetzesbeobachtung als Teil des Lebens des Volkes wichtig ist: „Und als sie alles vollendet hatten gemäß dem Gesetz des Herrn“ (V 39). Die Beschneidung ist für Lukas der Abrahamsbund (Lk 1,72f; Apg 3,25;  7,8) und Abraham ist der Empfänger der Verheißung an Israel (Lk 1,55-72f;  3,8;  13,16;  19,9;  Apg 3,35;  7,2ff.17;  13,26.33). Abraham verkörpert Israel, das Volk, dem Gott das Heil versprochen hat. Der Sohn Gottes wird durch die Beschneidung in die Gemeinschaft des Volkes Gottes aufgenommen, mit Israel identifiziert. Er wird jetzt ein Sohn des Bundes (Apg 3,25) und nur als solcher ist er auch der Messias (250).

Jesus wird als Erstgeborener so wie andere Erstgeborene in Israel (Ex 13,2.12.15) dem Herrn geheiligt „gemäß dem Gesetz des Herrn“ (V 22f). Der Tempel ist der Platz, wo das Volk versammelt wird und er wird auch als das Haus Jakobs benannt (Apg 7,46). Jesu Auftreten im Tempel zeigt ihn als Israeliten. Jesus tritt als ein Schüler und „Sohn des Gesetzes“ auf (Lk 2,41-52). Jesus fragt die Gelehrten aus (2,46), was dem gewohnten Schulbetrieb entspricht. Für Lukas ist der Tempel der Ort der Lehre und vor allem des Gesetzes (Lk 19,47;  21,37f;  Apg 2-5). Jesus tut, was für einen jüdischen Knaben üblich ist (250f).

Zwei Resümees über die Geschichte Israels (7,1-53;  13,16-25): Durch die Resümees soll Israel verherrlicht werden. Die Treue Gottes soll aufgezeigt werden, wie er das Volk immer geführt hat. Die Aufzählung der Heilstatsachen zeigt, was die Heilsgemeinde konstituiert. Die Resümees zeigen die ständigen Heilshandlungen Gottes mit seinem Volk, die nicht beendet sind. In diese Überblicke wird auch der Messias-Jesus eingeordnet (Apg 13,23ff;  7,37.52). Jesus wird hier betont als der Heiland Israels vorgestellt (13,23). Die Darstellung in Apg 13,16-25 hat nicht den kommenden Messiaskönig als Zentrum, sondern Gott und das Volk, Gottes Treue zu dem untreuen Volk. Es gibt nur die eine Geschichte Israels und in diese wird auch Jesus als Heiland Israels eingeordnet. Lukas beschlagnahmt die Geschichte Israels für Jesus und die Kirche, als die eigene Geschichte. Er will die Fortsetzung der biblischen Geschichte präsentieren, als die Geschichte des einen Gottesvolkes (252f).