1. Der Judenchrist Lukas

J. Jervell

1.1 Die jüdische Prägung der Apostelgeschichte

(1998): Die Christologie des Lukas: Kein Messiasbild im NT ist so jüdisch geprägt wie das seine.

Die Ekklesiologie des Lukas findet ihren Ausdruck nicht im Wort 'Kirche', sondern 'Volk', dieses bedeutet Israel im Unterschied zu allen anderen Völkern, Israel ist Gottes Volk. Die Apg berichtet über Massenbekehrungen von Juden, auch von Gottesfürchtigen, nicht aber von Heiden, und von der Scheidung nicht glaubender Juden vom Volk Gottes (Apg 3,25), das in der Kirche fortbesteht. Die Soteriologie des Lukas zeigt, dass alle Heilverheißungen dem Volk Israel gegeben und niemals aufgehoben worden sind.

Die Tora, das Gesetz, gilt in der Kirche für alle Judenchristen, auch die Ritual- und Opfergesetze. Für Nichtjuden, d.h. Gottesfürchtige, gilt das Aposteldekret. Die Erfüllung des Gesetzes ist Zeichen der Identität des Gottesvolkes als Gottesvolk und ein Bekenntnis zu dem einen Gott Israels (Dtn 6,5).

Paulus ist der Apostel der Juden und der Welt, d.h. der Diaspora. Er ist der ewige Pharisäer. Deshalb könnte man die Apg als die Geschichte des Apostels Paulus mit Prolegomena bezeichnen (50f).

Die Absicht des Verfassers und seine Leser

Lukas setzt darauf, dass Paulus bekannt ist, deshalb liegt ihm sehr daran, ein Paulusbild zu geben, das für die Leser annehmbar ist. Die Kirche ist für Lukas eine zu 95% von Paulus gegründete Kirche. Die von Lukas zurückgewiesenen wiederholten jüdischen Vorwürfe gegen Paulus besagen, dass er gegen Israel, das Gesetz und den Tempel Stellung bezogen habe. (21,28;  24,14ff;  26,22f;  28,17). Lukas will seinen Lesern aufzeigen, dass die Kirche tatsächlich Israel ist, dass die Verheißungen sich jetzt erfüllen und so das Heil gegeben wird. Dafür ist vor allem Paulus eine Garantie. Es geht Lukas darum, eine Verunsicherung zu überwinden, die mit dem Status der Kirche zu tun hat (88f).

Die Leser sind unter den Christen zu suchen. Das Werk ist für Heiden unverständlich, weil es das Christentum als bekannt voraussetzt und keine Erklärungen darüber gibt. Lukas hat wenig Interesse an Heiden, abgesehen von Gottesfürchtigen. Es geht hauptsächlich um judenchristliche Leser und ehemalige Gottesfürchtige. In diesem Milieu waren die Judenchristen das bestimmende Element. Gerade für solche will Lukas ihre christliche Legitimität aufzeigen, dass sie das Gottesvolk, Israel sind, auch und gerade dann, wen Nichtjuden Anteil am Heil Israels bekommen (89f).

Die Theologie des Lukas

Lukas ist Erzähler und kein systematischer Theologe. Das Evangelium und die Apg sind zwei Werke, die zu zwei verschiedenen Zeitpunkten, in verschiedenen Situationen und aus verschiedenem Anlass verfasst worden sind (91).

a. Das Zentrum des theologischen Denkens ist Gott als der Gott Israels (13,17;  vgl. Lk 1,68;  20,37). Er ist der Gott unserer (der) Väter (3,13;  5,30;  7,32;  13,17;  22,14;  24,14) oder der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs (3,13;  7,32), der Gott Jakobs (7,46). Dieser Gott lenkt, bestimmt und kontrolliert die Geschichte des Gottesvolkes, auch die Geschichte des wieder aufgerichteten Israels, der Kirche. Nur in dieser Geschichte ist Gott unaufhörlich tätig gewesen, während er die anderen Völker ihre eignen Wege ziehen ließ (14,16). Die Schöpferkraft Gottes wird vor allem in seiner Lenkung der Geschichte und der Heraufführung des Heils gesehen. Gottes Wille und Handeln sind unwiderstehlich (Apg 5,38f). Das Werk von Menschen wird aufgelöst werden, was aber aus Gott ist, kann nicht zugrundegerichtet werden. Alles geschieht nach dem Vorwissen, dem Willen, der Absicht und dem Plan Gottes. Alles was in der Schrift vorhergesagt ist, wird von Gott erfüllt (1,16;  3,18.27;  14,26;  Lk 1,20;  4,21;  21,24;  22,16;  24,44). So zeigt Gott seine Treue zu seinem Volk (92).

b. Lukas geht es vor allem um das Gottesvolk und seine Geschichte, denn nur innerhalb dieser Geschichte ist die Kirche zu verstehen. Die Geschichte Israels hört nie auf, sondern geht in der Kirche weiter, als die Geschichte des einen Gottesvolkes. Geschichtstragend sind die Verheißungen Gottes, die Israel allein gehören (Lk 1-2;  Apg 2,39;  3,25ff;  10,40ff; 13,26ff). Die Geschichte des Volkes ist von Gottes Verheißungen, Führungen und Wohltaten und von der Sünde des Volkes bestimmt. Tragend sind die Treue und Gnade Gottes (13,17-25). Mit dem Messias des Gottesvolkes kommt auch die Krise und Restitution Israels. Die Juden bekehren sich massenweise (2,41;  4,4;  5,14;  6,1.7;  9,42;  12,24;  13,43;  14,11;  17,10ff;  21,20). Diese machen die Kirche aus, während die anderen die Botschaft ablehnen (4,1ff;  5,13.17ff;  6,8ff;  13,27.45;  14,2ff;  17,5f; 18,6) und nicht weiter zum Gottesvolk gehören (3,23). Das Ergebnis ist die Restitution des Gottesvolkes, die nun die Voraussetzung für die Aufnahme von Heiden in das Gottesvolk ist (1,6;  15,15ff).

Das Heil von Nichtjuden (Heiden) ist ein Teil der Verheißungen an Israel (Lk 2,29-32;  Apg 2,39;  3,25;  13,47;  15,51ff). Die Kirche ist das Gottesvolk in der Endzeit. Weil das Volk Israel durch das Kommen des Messias in sich gespalten wird, kommt es nicht zu einer Verwerfung des Volkes, denn das bußfertige Israel lebt in der Kirche weiter. Was mit Jesus geschieht ist schon in der Schrift vorhergesagt. Dadurch erfüllt sich der Wille Gottes (Lk 18,31ff;  24,44ff;  Apg 4,25-28;  13,27f). Die Verheißungen werden am Volk, also der Kirche, erfüllt. Dass allein die Kirche Israel repräsentiert, ist für Lukas entscheidend, so will er in seiner Ekklesiologie die Legitimität der Kirche aufzeigen (92f).

c. Die Christologie des Lukas: Jesus ist der Messias des Gottesvolkes, Jesus ist der Heilige (2,27;  13,34f), der Gesetzestreue (3,14;  7,52;  22,14), der wahre Gesandte Gottes an Israel, Knecht Gottes (3,13.26;  4,25.27.30)  Lk 1,54: ein Mann Gottes aus den Schriften, der Prophet (3,22; 7,37f). Jesus ist vor allem der Prophet wie Mose, der die originale Mosetora restituiert (93f).

Der Titel 'Christus' ist von der Geschichte Israels in dem Schema Verheißung – Erfüllung bestimmt. Jesus erfüllt die Verheißungen an das Gottesvolk. Jesus ist der Gesalbte Israels. Der Messias ist eine alttestamentliche Gestalt (Lk 1,35;  3,15;  24,24ff;  Apg 2,31). Jesus ist „der Messias des Herrn bzw. Gottes“ (Lk 2,26;  9,20;  23,35;  Apg 4,26). Durch ihn kommt das Heil. Als der Sohn Davids erfüllt Jesus die Verheißungen an David betreffs der Restitution seines Königtums für Israel (Lk 1,32f.69;  Apg 2,29-36,  Lk 2,4.11.14;  18,38f;  19,38;  Apg 13,32.34f;  15,15-18). Jesus ist somit der König und selbstverständlich der König der Juden. Wenn Lukas den Titel 'soter' verwendet, handelt es sich um den Heiland Israels und den Nachkommen Davids (Lk 1,47;  2,11;  Apg 5,31;  13,23) (94f).

Jesus ist der Kyrios: Lukas bezeichnet damit die Herrschaft über das Gottesvolk. Jesus ist der Davidskönig, der das Gottesvolk wiederherstellt (Lk 1,32.35;  2,11;  20,44;  Apg 1,6;  2,25ff.36). Es geht bei dieser Verwendung um Jesu Herrschaft über Israel. Christus ist der Herr (Lk 2,11.26;  Apg 2,36;  4,26.33;  11,17;  15,26), Jesus ist der köngliche Messias (95f).

Jesus als Sohn des Volkes: Jesus wird am achten Tag beschnitten (Lk 2,21), also ins Volk aufgenommen; er wird im Tempel dargestellt (Lk 2,22ff), er wird wie jeder Erstgeborene in Israel dem Herrn geheiligt; er tritt als Zwölfjähriger als ein besonders begabter Schüler der Schriftgelehrten und des Gesetzes im Tempel auf (Lk 2,41-52), er wird als einer im Volk zusammen mit dem Volk getauft (Lk 3,21f), sein Stammbaum wird dargestellt (Lk 3,23-38), was nicht nur seine Davidssohnschaft, sondern seine legitime Volkszugehörigkeit aufweist. Jesus wird als ein Teil der Geschichte Israels gesehen (7,37.52;  13,23). Die Messianität Jesu ist die eines Sohnes des Volkes, also mit dem Volk verbunden (96f).

d. Gott ist der Gott des Geistes. Jesus ist duch den Geist gesalbt (Lk 1,35;  4,18;  Apg 10,38). Der Geist ist die schöpferische, wunderschaffende und prophetische Macht und Anwesenheit Gottes in seinem Volk, denn der Geist hat mit dem Gottesvolk zu tun. Der Geist bewirkt die Wiederherstellung Israels, also der Kirche in der Endzeit. Der Geist ist Israel angeboten, weil es Gottes Verheißung ist (1,4.8;  2,5.14.38f). Der Messias ist inthronisiert auf dem Davidsthron und gießt den Geist aus (2,30-33.39) (Erfüllung vom 1,32f;  10,36ff). Die Geschichte des Gottesvolkes ist eine Geschichte des Widerstrebens des Volkes gegen den Geist (7,2-50), indem sie die Propheten ermordet haben (7,52). Durch den Geist ist die Schrift geschaffen worden, denn der Geist ist es, der in den Schriften redet (Apg 1,16;  4,25;  28,25) (97f).

Die Geistausgießung erweist die Kirche als das Gottesvolk, das Israel der Endzeit. Der Unterschied zwischen dem Wirken des Geistes einst und jetzt besteht darin, dass die Kirche dem Geist nicht widersteht, wie es Israel tat (7,51), sondern ihm gehorcht (5,32). Früher war die Aufgabe des Geiste, auf den kommenden Messias hinzuweisen. Jetzt bezeugt der Geist, dass dieser Messias gekommen ist und dass Jesus dieser verheißene Messias und Prophet der Schrift ist (17,2f). Die Reden des Petrus und des Paulus sind von dem prophetischen Geist inspiriert und dadurch wird Jesus identifiziert (2,22f.29ff.36). Die Heilungen sind die Werke des Geistes, die Jesus als den Messias der Schrift ausweisen (2,17.19;  4,30;  2,22;  10,38;  3,12-16.18.21f.24.25). Die Juden sind „die Söhne der Propheten“ (Apg 3,25), d.h. sie sind Erben der Verheißungen in den Schriften. Der Geist ist für Lukas vor allem der prophetische Geist, der in den Schriftpropheten tätig war. Deshalb liegt das Evangelium und die ganze Geschichte Jesu, auch die der Kirche detailliert in den Schriften vor (Lk 3,4ff;  4,18ff;  7,26ff;  18,31ff;  21,22;  24,25ff.44ff;  Apg 1,16ff;  Apg 1,16ff.20ff;  2,17ff.25ff;  3,18ff.21.23f;  4,25ff;  7,37;  8,32-35;  10,43;  13,33ff.41.47;  15.15;  17,3.11;  18,28;  26,22f; 28,26ff) (98f).

Der Geist bestätigt, was schon vorliegt, durch die inspirierte Freimütigkeit und Offenheit des Redens (2,29;  4,13.29.31;  9,27f;  13,49;  14,3;  18,26;  26,26;  29,31). Dadurch zeigt sich die Verkündigung als das Word Gottes. Dieses wird durch die Wunder bestätigt, die mit der Verkündigung verbunden sind (4,29f.33;  8,6;  14,3), die Apostel und der heilige Geist sind Zeugen (5,32), was bedeutet, dass das Zeugnis der Apostel von Freimut und Wundern begleitet ist (3,1-10;  4,8.13;  Apg 13,12;  19,10f). Auch die Glossolalie begleitet die prophetische Verkündigung und bestätigt sie (2,4;  10,46;  19,6). Die Kirche leitet sich nicht selbst, sondern Gott tut es, durch Jesus, den Geist, Stimmen und Visionen (99).

e. Für das Volk des Geistes ist das mosaische Gesetz entscheidend und das Gesetz ist das Kennzeichen des Volkes Gottes. Deshalb sind die rituellen und zeremoniellen Aspekte des Gesetzes entscheidend, vor allem die Beschneidung (Lk 2,21;  7,8;  15,1.5;  16,3;  21,21). Das Leben in der Urgemeinde ist von der strengen Gesetzesbeobachtung bestimmt (Apg 1-7;  10,13ff.28;  11,3); die Gesetzesfrage ist das Anliegen auf dem Apostelkonvent (Apg 15); alle rituellen Forderungen des Gesetzes sind auf Jesus selbst zurückgeführt (Lk 2,21f.24.39.41). Alle Anklagen gegen Christen wegen Äußerungen gegen das Gesetz werden zurückgewiesen (Apg 6,11.13f;  21,21.28;  25,8;  28,17) (Lukas unterlässt in seinem Evangelium jede Kritik am Gesetz von seiten Jesu: „Es ist leichter, dass Himmel und Erde vergehen, als dass ein einziges Strichlein des Gesetzes falle“ (Lk 16,17) und die falsche Anklage gegen Stephanus;: Apg 6,14. Die Sabbatkonflikte: Lukas will zeigen, dass die christliche Sabbatpraxis mit jüdischen Regeln übereinstimmt, es wird keine Arbeit ausgeführt, aber Verkündigung mit den dazugehörenden Heilungen sind gestattet ) (100).

Die ganze Kirche besteht aus lauter Eiferern für das Gesetz (Apg 21,20): „das Gesetz des Herrn“ bzw. „der Väter“ (Lk 2,23f.39;  Apg 22,3), „die Sitten“ (6,14;  15,1;  21,21;  28,17), „Mose wird verkündigt“ (Apg 15,21;  23,3), „lebendige Worte“ (Apg 7,38), „zu reden gegen Mose“ (6,11;  13,14;  21,21.28;  25,8;  28,17). Das Gesetz als ganzes soll von allen Juden in der Kirche gehalten werden und es gelten vor allem die rituellen Teile des Gesetzes sowie der Besitzverzicht und das Almosengeben (Apg 15;  21,21ff). Dass das Gesetz gehalten werden kann, ist für Lukas keine Frage und das Halten des Gesetzes muss stattfinden, weil das Gesetz das Kennzeichen des Gottesvolkes ist und die Verheißungen gehören dem Gottesvolk (Lk 1,16.30ff.54-59.69-75;  2,10f.32f;  Apg 1,8;  2,36.39;  3,25f;  13,26.32f) (101).

Durch die Gesetzesbefolgung zeigt die Kirche, dass sie das Gottesvolk, das wiederhergestellte Israel, ist, während die unbußfertigen Juden nicht nach der Mosetora leben und somit keinen Anteil an den Verheißungen haben (Apg 7,25.29.53;  23,3). Es ist „das Volk des Geistet“, das das Gesetz hält (der Geist führt zum Gehorsam gegen das Gesetz). Das Gesetz besteht aus „lebendigen Worten“ (Apg 7,38) und ist somit ewig gültig, „kein Häkchen davon wird dahinfallen“ (Lk 16,17). Alle in der Kirche sind verpflichtet, das Gesetz zu halten, die Heiden das Aposteldekret (15,19ff.28;  21,25) (101f).

f. Schrift und Geschichte: Weil die Kirche das Israel in der letzten Epoche der Geschichte ist, kann ihre Berechtigung nur von der Schrift her abgeleitet werden. Dazu muss die Legitimität der Kirche durch die geschichtliche Kontinuität aufgezeigt werden. Zum Gottesvolk gehören die Verheißungen, die nur in der Schrift vorhanden sind. So besteht die Schrift aus dem Gesetz, dem Kennzeichen des Gottesvolkes, und den Verheißungen, also Mose und den Propheten. Weil allein Israel das Gottesvolk ist, interessiert sich Lukas nur für die Geschichte Israels. Die Geschichte Israels geht in der Kirche weiter, sodass die Geschichte der Kirche die Fortsetzung der Geschichte Israels ist. Die Geschichte anderer Völker ist eine Geschichte ohne Erwählung, Gesetz und Verheißungen (102).

Das ganze Jesusgeschehen ist in der Schrift im Detail vorgegeben (Lk 3,4ff;  4,18f;  18,31;  24,25ff.44ff;  Apg 2,25ff;  3,18ff.22;  4,25ff;  7,37;  8,32ff;  13,33ff;  17,3;  18,28;  26,22) hauptsächlich in Verheißungen an Israel, durch die die Legitimität der Kirche aufgezeigt wird. Alles in der Schrift ist verpflichtend, weil alles Gotteswort ist. Die Kirche hat als die legitimen „Söhne der Propheten“ (Apg 3,25) das Anrecht auf die Schrift. Für Lukas ist alles in der Geschichte Israels normativ. Deshalb hat z.B. das Gesetz seine volle Gültigkeit für die Kirche. Wenn die Heiden nur Teile des Gesetze beobachten, nämlich das Dekret, dann geschieht das, weil dies in der Schrift verordnet ist. (Eine Vorstellung wie die des Paulus von der zeitbegrenzten Gültigkeit des Gesetzes: Gal 3,17ff, ist für Lukas nicht möglich) (102f).

g. Das Heil: Gott selbst ist der Heiland (Lk 1,47;  Apg 28,28) und hat als Heiland immer wieder in der Geschichte Israles rettend gehandelt, sodass diese von einer Reihe von Heilstaten erfüllt ist (7,2-53;  13,16-25;  Lk 1,46-54): Die Geschichte ist durch die heilenden Handlungen Gottes als Heilsgeschichte zu verstehen (in der Geschichte der Heiden gibt es kein Heil). Jetzt ist mit Christus die endgültige Heilszeit gekommen, d.h. die letzte Zeit und das Ende der Geschichte. Das Heil ist im Israel der Entzeit, der Kirche, zu finden. Nur in Israel und für Israel gibt es Rettung. Jesus ist der Heiland Israels (Apg 2,36-41;  5,3;  13,23.36;  Lk 1,69.71.77;  2,10f;  19,9f). Somit ist Einverleibung in und Teilhabe am Gottesvolk entscheidend. Das gilt selbstverständlich für Juden, aber in zweiter Linie auch für Heiden, die sich dem Gottesvolk anschließen (Apg 15,16ff) (104).

Das Heil ist ausschließlich mit dem Kommen und Werk des Messias verbunden (Apg 2,21;  4,12;  13,23;  Lk 1,69;  2,11;  19,9). Die Rettung geschieht nicht durch eine einzelne Tat Jesu, sondern durch alle Phasen seines Lebens und Wirkens. Heilend sind sein Leben (Lk 2,11.30-32;  4,18f;  5,21ff;  7,20ff.47ff;  19,9;  Apg 10,38), sein Tod (Lk 22,19f;  Apg 20,28;  26,28), seine Erhöhung (Lk 24,47;  Apg 2,25ff.38;  3,15f.19.26;  5,30f;  10,43;  13,37ff;  22,16;  26,23). Das Heil äußert sich auf sehr verschiedene Weise, als Heilung (Apg 4,9;  14,9;  Lk 6,9;  7,50;  8,48.50;  17,19), Frieden (Lk 2,14;  19,38.42), Leben (Lk 10,25ff;  Apg 5,20), Geistmitteilung. Vor allem aber ist Heil Sündenvergebung (Lk 1,77;  5,21ff;  7,47ff;  24,46f;  Apg 2,38;  5,31;  10,43;  22,16;  26,18), die Israel rettet, weil das Gottesvolk viele Sünden begangen hat. Sündenvergebung kann sowohl mit dem Leben Jesu (Lk 5,21ff;  7,47ff), als auch mit seinem Tod (Lk 24,46f) und seiner Erhöhung (Apg 2,38;  5,31) verbunden werden, Vorraussetzung ist die Umkehr, die Busse. Lukas sieht sie in den Massenbekehrungen von Juden erfüllt. Das Heil besteht vor allem in der Vergebung der Sünden und der Gabe des Geistes, die zur Gegenwart gehören, obwohl die Vollendung in der Zukunft liegt (2,19-21;  13,26) (104f).