3. Der Prozess gegen Paulus (Apg 21,27-28,31)

E. Haenchen (196514)

Lukas war kein Historiker in unserem Sinne. Als antiker Historiker "genoss er Freiheiten, die wir heute nur noch dem historischen Roman zubilligen" (Hae 673).

3.1 Apg 21,27-36: Die Verhaftung des Paulus

Als Paulus sich am Ende der Reinigungsfrist im Tempel befand, wurde er von ephesischen Juden, die ihn zuvor mit Trophimus in der Stadt gesehen hatten, erkannt. Sie vermuten, er habe den Unbeschnittenen in den heiligen Bereich mit hineingenommen, der für Nichtjuden bei Todesstrafe verboten war, und hetzten mit dieser Anklage die Menge auf. Paulus wird aus dem heiligen Bereich herausgeschleppt, dann schlägt man auf ihn ein. Die Menge hätte ihn umgebracht, wenn nicht die alarmierte römische Wache ihr den Gefangenen abgenommen hätte. Da von der wild durcheinanderbrüllenden Menge nicht zu erfahren war, was es mit ihm für eine Bewandtnis hatte, wurde er zur Vernehmung in die Burg Antonia gebracht (547f).

Lukas steigert den Tumult auf dem Tempelplatz: “Jerusalem ist in Aufruhr”! wird dem Tribun gemeldet. Dieser an der Spitze seiner Soldaten und Offiziere eilt herbei und nimmt die Verhaftung persönlich vor. Als Paulus an die Treppe kommt, wird er von den Soldaten getragen, um vor der Gewalt des andrängenden Volkes bewahrt zu bleiben. Paulus mußte getragen werden, weil er nach dem Lynchversuch der Menge nicht mehr im Stande war, die Stufen selbst zu ersteigen. Das aber konnte Lukas nicht berichten, denn Paulus wird sofort von eben dieser Treppe aus eine Rede halten (548)!