3.11 Apg 25,23-27: Festus stellt Paulus der Versammlung vor

Diese theatralische Vorführung ist merkwürdig. Festus erklärt es in V 27 für sinnlos, einen Gefangenen ohne Begleitschreiben nach Rom zu senden. Es war nicht sinnlos, sondern verstieß gegen seine Pflicht. Der Statthalter mußte einen solchen Bericht schicken. Der Prokurator hatte keine Anklage gegen Paulus zu formulieren, er hatte nur den Stand bis zur Appellation zu beschreiben. Für solch einen Bericht aber waren Unterlagen vorhanden: Akten wie der Bericht des Tribunen über die Verhaftung des Paulus, oder die Anklage, die die Juden unter Felix eingereicht hatten, und das Protokoll über die Aussagen des Paulus bei seinen verschiedenen Vernehmungen. Die Urteilsfindung war ihm aus der Hand genommen, sie war allein Aufgabe des Kaisers. Damit wird V 26 wie V 27 im Munde des Festus unmöglich und bleibt nur verständlich als Wort des Schriftstellers, der sich ein solches Begleitschreiben falsch vorstellte. Wenn aber Festus die Schuldfrage für den Begleitbrief überhaupt nicht zu klären brauchte, verliert die gesamte Szene ihren Grund. Denn Agrippa sollte ja nur für Festus ermitteln, was dieser im Bericht an den Kaiser über die Schuldfrage zu schreiben hatte (604f).

Lukas war überzeugt, dass das Christentum für die ganze Welt von entscheidender Bedeutung ist. Dann konnte er aber diese Überzeugung im Stil der damaligen Literatur nur aussprechen und seiner Zeit mitteilen, indem er Paulus wieder und wieder mit den Staatsmännern und Fürsten konfrontierte und mit Asiarchen auf freundschaftlichem Fuß wie mit Gleichgestellten verkehren ließ und ihn so über die Winkelexistenz hinaushob, in der sich das Große nicht ereignen kann (605).