3.13 Apg 27,1-44: Seefahrt und Schiffbruch

Kaum ist Paulus der Auslieferung an die Juden entgangen, da droht auf der Fahrt nach Rom ein Sturm, ihn und das ganze Schiff zu vernichten. Paulus sieht die Gefahr voraus und warnt. Um seinetwillen rettet Gott auch die Mitreisenden. Paulus verhindert die Flucht der Matrosen und flößt vor der Landung auf Malta allen die rechte Zuversicht ein. Als zuletzt die Soldaten die Gefangenen töten wollen, damit sie nicht fliehen, lässt Gott durch den Centurio alle sicher ans Land bringen und erfüllt damit seine eigene Verheißung (22.34): Paulus, der Gefangene, rettet alle (633)!

Lukas besaß einen Erlebsnisbericht über diese Reise. Paulus war kein vornehmer Reisender mit besonderer Autorität, sondern ein des Aufruhrs angeklagter Gefangener. Darum hatte er bei der Entscheidung nicht mitzureden. Gerade jene erbaulichen Zusätze, die Paulus feiern, sind Zutaten des Vf zu einem Erinnerungsbericht, der von Paulus nichts Besonderes melden konnte, wohl aber Fahrt, Gefahr und Rettung aller schilderte. Die Unwirklichkeit der Szene sieht man am leichtesten in den Vv 21-26: Paulus hält auf stampfendem Schiff im heulenden Sturm eine Rede, als stünde er auf dem Areopag. Der von Lukas übernommene Erinnerungsbericht ging von V 9a direkt zu V 12 über. V 12 sprach von einer Mehrheit, die zum Überwintern nach Phönix weiterfahren wollte. Eine Beratung hat stattgefunden. Natürlich nahmen nur die maßgebenden Männer daran teil. Das waren für Lukas: Paulus, der Centurio, der Reeder und der Kapitän. Aus prophetischer Verbundenheit mit Gott sah Paulus das Kommende voraus. Er hat gewarnt: das Schiff wird mit Mann und Maus untergehen! Nun konnte Paulus sich in einer zweiten Rede (21-26) dahin korrigieren, dass Gott um seinetwillen, weil er vor dem Kaiser Zeugnis ablegen sollte (24), alle Mitfahrenden retten wolle. Paulus konnte die Aufforderung, guten Mutes zu sein (22), damit begründen, dass ihm die Rettung inzwischen offenbart worden war (23f) (633f).

Wahrscheinlich war Paulus ebenso wie die anderen Gefangenen gefesselt und außer Stande, beliebig Reden an das Volk zu halten. Kp 27 ist im hohem Maße literarisch. Es sind gerade die von Lukas eingeschobenen Paulusreden, die diesem Abschnitt den Charakter des Literarischen geben. Die eingeschobenen Szenen entsprechen genau dem lkn Paulusbild. Paulus steht immer im Mittelpunkt. Er ist nie um Rat verlegen. Er spielt die Rolle des wahren Römers auf einem römischen Schiff. Sogar der Centurio schaut zu ihm auf. Paulus ist der Retter des Lebens aller (635).