3.6 Apg 23,12-35: Verschwörung gegen Paulus, Transport nach Cäsarea

Genau und mit betonender Wiederholung (23,12f.14.21) wird von dem jüdischen Komplott erzählt. Die Verschwörer wollen nicht essen und trinken bis sie Paulus umgebracht haben. Damit sie eine Gelegenheit zum Mord haben, soll das Synhedrion den Tribun bitten, Paulus zur weiteren Information in den Hohenrat zu schicken; unterwegs soll er überfallen werden. Das Synhedrion geht auf den Mordplan ein, ohne dass die soeben gezeigte Sympathie der Pharisäer für Paulus sich geltend machte. In Lukas Augen war der Hoherat von so verblendeter Wut erfüllt, dass er auch vor der Beihilfe zum Mord nicht zurückschreckte (577).

Der Anschlag wird einem Neffen des Paulus bekannt. Durch die Vermittlung des Paulus und eines Centurio gelangt dessen Wissen zum Tribun. Den Mordplan macht Lukas geschickt zum Anlass für den Tribun, den Gefangenen schnell und heimlich zum Statthalter zu schicken. Der Tribun mußte den römischen Bürger Paulus auf jeden Fall nach Cäsarea senden, wenn die jüdische Behörde die Aburteilung des Gefangenen für sich beanspruchte; für solche Fragen war er nicht zuständig. Indem aber dieser Transport mit der Verschwörung gekoppelt wird, verwandelt sich eine langweilige Routineangelegenheit in eine Erzählung voll atemloser Spannung; zugleich konnte Lukas das Eintreten der römischen Behörde für Paulus im hellsten Licht zeigen. Nun rettet Rom dem Apostel schon zum dritten Mal das Leben (21,32f im Tempel, 23,10 im Hohenrat, und hier 23,22)! Der Tribun legt in seinem Begleitbrief die Verhandlung genau so aus, wie Lukas es wünscht: Paulus, der römischer Bürger, hat nichts getan, was Tod oder Kerker verdiente. Sein Konflikt mit den Juden gründet in innerjüdischen Differenzen, wie sie zwischen Pharisäern und Sadduzäern bestehen. Damit wird Paulus durch den höchsten Vertreter Roms, der bisher mit dem Prozess zu tun hatte, entlastet (577f).