8. Der URSPRÜNGLICHE GLAUBE an den ERHÖHTEN HERRN

Die Erhöhung des Gerechten

Die 'AUFERSTEHUNG' JESU ist KEIN HISTORISCHES FAKTUM sondern ein Theologumenon, eine theolog. Deutung.
JESUS ist nicht aus dem Grab auferstanden.
Ein Leichnam kann  nicht  wieder lebendig werden und aus dem Grab steigen.
Wo ist der mit Knochen und Sehnen (leeres Grab) wiederbelebte, historische Jesus geblieben?
Auferstehungszeugen gibt es selbstverständlich nicht.
Die Geschichten vom leeren Grab und von den Erscheinungen des Auferstandenen sind späte Gemeindebildungen.
Jesu Erscheinungen müssen als subjektive Visionen beurteilt werden.
"Nach drei Tagen" ist eine dem AT entnommene Zeitvorstellung.

Die Jünger deuteten die Erscheinungen Jesu mit Hilfe der aus dem AT (Hes 37) und aus der spätjüdischen Apokalyptik geläufigen Auferstehungsvorstellung. Zunächst war der Glaube an die Auferstehung der Toten die selbstverständliche Basis der Auferstehung Jesu. Später wurde umgekehrt die 'Auferstehung' Jesu die selbstverständliche Basis der Auferstehung der Toten: "Christus, der Erstling der Entschlafenen" (1Kor 15,20).

R. Pesch: Lukas meint mit seiner Erzählung die Erhöhung Jesu, die kein historisches Ereignis ist. Der erhöhte Herr zeigt sich nur in der einmütigen Versammlung der Jüngergemeinde, die seinem Wort vertraut, seiner Weisung nachkommt, seiner Verheißung glaubt und seine Sendung als die ihrige, seinen Auftrag als den ihrigen übernimmt. Das sichtbare 'Wunder' ist weder ein leeres Grab noch ein wie eine Rakete zum Himmel fahrender Mensch, sondern die von Jesus gestiftete einmütige Versammlung (1,14) selbst, in der alle, die glauben und nicht zweifeln, ihren erhöhten Herrn 'schauen', der unsichtbar in ihrer Mitte real-präsent ist und durch seinen Geist alle miteinander verbindet. Die Unterscheidung von Auferweckung und Erhöhung/Entrückung nach der vierzigtägigen Zwischenzeit hat in der Thelogiegeschichte seit der Mitte des 2.Jh. immer mehr Raum gewonnen neben der ältesten Konzeption der Identität von Auferweckung und Erhöhung (75f).

M.Hengel: Der erhöhte Christus selbst hat die Verzweiflung und den Zweifel der Jünger überwunden und Glauben geschenkt, aus einem Simon wurde ein Petrus, aus einem Saulus ein Paulus. Dieser Glaube hat die Kirche bis heute getragen, er wird sie 'bis an der Welt Ende' weitertragen.

Seit 'O S T E R N' ist der erhöhte Herr unsichtbar in seiner Gemeinde präsent und verbindet alle durch seinen Geist miteinander. "Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende" (Mt 28,20)

Nach seiner Kreuzigung wurde Jesus nur 'mit den Augen des Glaubens' gesehen. Von seinen Gegnern hat niemand Jesus gesehen.

1. "Wenn ich von der erhöht bin..." (Joh 12,32)

2. Die Auferstehungsgeschichten und der christliche Glaube

3. Das 'O S T E R N' des Paulus: sein Zum - Glauben - an - Jesus - Kommen

4. Auferstehung Jesu und historisch-kritische Methode: Der Historiker muss davon ausgehen, dass es sich um subjektive Phänome gehandelt hat

5. Der ursprüngliche Glaube an den erhöhten Herrn

6. Die Auferstehungsaussage ist ein Interpretament des Erscheinungsgeschehens - Auferstehungszeugen gibt es nicht
(1) Zur Entstehung des Glaubens an die Auferstehung Jesu
(2) Schwierigkeiten mit der Auferweckung Jesu
(3) Die Auferstehung Jesu war keine historische Tatsache, sondern ein Glaubensurteil
(4) Die 'Erscheinungen' Jesu

(5) Der Bericht des Paulus (1Kor 15,3-11) und die Bedeutung der Verklärungsgeschichte für die Entstehung der zweiten Vision des Petrus

7. Die Unsterblichkeit der Seele
Die Seele ist unsterblich und ewig, weil sie der Teil ist, in den Gott den Geist gegeben hat
Der Unsterblichkeit der Seele ist die Voraussetzung für ein Gericht post mortem
(1) Jenseits des Todes - Unsterblichkeit der Seele
(2) Die Seele des Menschen und die Hoffnung der Christen

(3) Die biblische Lehre von der Unsterblichkeit der Seele

Als die Jünger Jesu nach seinem Tod Erscheinungen Jesu erlebten, deuteten sie diese Erscheinungen mit Hilfe der ihnen aus dem AT und der spätjüdischen Apokylptik geläufigen Auferstehungsvorstellung.

W. Zager (1999): Der Historiker muss davon ausgehen, dass es sich bei den Erscheinungen Jesu um subjektive Phänomene gehandelt hat. Die Geschichten vom leeren Grab und von den Erscheinungen des Auferstandenen sind späte Gemeindebildungen. Da Paulus sein Damaskuserlebnis mit den Erfahrungen der übrigen Osterzeugen auf eine Stufe stellt, müssen die Erscheinungen Jesu als subjektive Visionen beurteilt werden. Wenn Kreuz und Auferstehung Jesu nicht mehr das eine große Heilsereignis darstellen, so werden wir ganz auf die geschichtliche Person Jesu geworfen (86).

E.Biser (1984): Paulus begründet seine Berufung zum Heidenapostel mit den Worten: „Da gefiel es Gott in seiner Güte, seinen Sohn in mir zu offenbaren“ (Gal 1,16). Das sind Worte, die von einer Lebenswende sprechen (69).

Wenn der Glaube zustande kommt, spiegelt sich in ihm das, was dem Apostel in seiner Berufungsstunde widerfuhr. Das Menschenherz gewinnt eine neue Beziehungsmitte. Es geht um die ‚innere Auferstehung‘, die sich im Herzen des Glaubenden ereignet (75f).

G. Kegel (1970): Nach dem Tod Jesu haben seine Jünger Erscheinungen Jesu erlebt. Sie haben daraus auf die Auferstehung Jesu geschlossen und sie mit den dafür zur Verfügung stehenden Ausdrucksmitteln ausgesagt. Die Überzeugung von der Auferstehung Jesu war für sie deshalb wichtig, weil sie damit alle Einwände, die aus dem Verbrechertod Jesu gegen ihn gemacht wurden, zurückweisen konnten. Aus diesem Grund haben die Jünger ihre Überzeugung in ein Glaubensbekenntnis gefasst: Jesus ist gestorben und auferstanden. Das Bekenntnis zur Auferstehung Jesu wurde auch als Gottesbekenntnis formuliert: „Gott hat Jesus von den Toten auferweckt“. Die Auferweckung Jesu galt nun als Verwirklichung des eschatologischen Heilshandels Gottes an Jesus (25).

1Kor 15,3ff ist das Ergebnis einer traditionsgeschichtlichen Entwicklung. Die Deutung des Todes Jesu als Sühnetod und die Tagesangabe zur Auferstehung Jesu (beide durch den Hinweis auf die Schriften als aus dem AT gewonnene Interpretamente gekennzeichnet) sind in das Grundschema des verbalen Christusbekenntnisses eingetragen worden. Als die so gewonnene zweigliedrige Bekenntnisaussage mit den Erscheinungstraditionen verbunden wurden, fügte man zwischen Tod und Auferstehung Jesu sein Begrabensein ein als Bestätigung des Todes (27).

In Röm 4,25 liegt das zweigliedrige Jesusbekenntnis zugrunde. Die ursprünglich ungedeutete Todesaussage ist durch eine gedeutete ersetzt. Im Unterschied zu 1Kor 15,3 ist das Verb ‚gestorben‘ nicht mehr verwendet. Die Wendung „hingegeben wegen unserer Übertretungen“ geht auf LXX Jes 53,12 zurück. Die Formel setzt eine Übertragung der Gottesknechtvorstellung auf Jesus voraus. Der Gebrauch der LXX führt uns in den Bereich des hellenistischen Judenchristentums. Das Auffällige an der Formel ist nun, dass auch die Auferstehung Jesu eine Deutung erfährt. Tod und Auferstehung sind zu zwei Stationen des Heilsgeschehens geworden, die jede ihre besondere Heilsbedeutung hat. Zu den beiden Aussagen Tod und Auferstehung Jesu, gehörte auch noch das Sitzen zur Rechten Gottes (Röm 8,34c) als weiteres Stadium der Christusereignisse mit der soteriologischen Funktion des ‚Eintretens für uns‘ (Röm 8,34d) (28).

Die Auferstehung Jesu ist eine theologische Deutung, ein Theologumenon. Damals glaubte man im Judentum an die Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag. Jesu Erscheinungen wurden als seine Auferstehung gedeutet: "Christus ist auferstanden als Erstling unter denen, die entschlafen sind" (1Kor 15,20).

M. Dibelius: Die Überzeugung, dass Christus auferweckt sei und bei Gott lebe, ist für die Bildung der christlichen Gemeinde grundlegend und ist darum selbstverständlich in dem für uns ältesten, formulierten Kerygma enthalten, das bereits Paulus als Überlieferung empfing (1Kor 15,3ff). Aber diese Überzeugung hat jahrzehntelang einen Niederschlag in einer unmittelbar berichtenden Erzählung nicht gefunden. Lediglich eine mittelbar berichtende Legende, die von den Folgen der Auferstehung zu sagen weiß, ist seit dem MkEv bekannt, die Geschichte vom leeren Grab, Mk 16,1ff. Aber auch sie scheint nicht primär zu sein; Paulus weiß noch nichts von ihr. Sie scheint vielmehr ältere Erzählungen von Erscheinungen Jesu verdrängt zu haben, auf die 1Kor 15,5; Lk 24,34 angespielt wird. Allein auch diese haben offenbar den Auferstandenen, nicht aber die Auferstehung dargestellt. Die älteste unmittelbar berichtende Erzählung von der Auferstehung, d.h. von dem triumphierenden Hervorgehen Jesu aus dem Grab, steht im Petrus-Evangelium, in einem Werk des 2. Jh. (36f).

Nach der Katastrophe der Hinrichtung Jesu sind die Jünger auf vielfältige Weise zum Glauben an den lebendigen, erhöhten Herrn gekommen.
Paulus begründet seine Berufung zum Heidenapostel mit den Worten "Da gefiel es Gott in seiner Güte, seinen Sohn in mir zu offenbaren" (Gal 1,16). Es ist nicht von einem äußeren Vorgang die Rede, sondern von einem Geschehen innerer Art: dass Gott es im Herzen des Apostels "tagen ließ", dass er "von Jesus Christus ergriffen" und dass ihm das Geheimnis des Gottessohnes "geoffenbart wurde".

"auferstanden in den Himmel" - die Märtyrer

Gottes Macht hat am Tod nicht seine Grenze.

Jesus – Lazarus: Im Johannesevangelium (Kp 11) wird zwischen der Erhöhung Jesu und der Wiederbelebung des Lazarus nicht unterschieden – zwei grundverschiedene Vorgänge: Lazarus ist Jahre nach seiner Wiederbelebung gestorben, aber Jesus ‚lebt‘. Der Glaube an ein leeres Grab Jesu macht den christlichen Glauben zu einem Mirakelglauben. „Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht ererben; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit“ (1Kor 15,50). Nirgendwo argumentiert Paulus mit einem leeren Grab Jesu. Paulus weiß um einen ‚himmlischen‘ Leib (2Kor 5), d.h. die Gräber müssen nicht leer werden.

Hebräerbrief: In dem Schema Katabasis und Anabasis spielt die Auferstehung keine Rolle (in 13,20 wird sie nur formelhaft erwähnt) und ist durch die Vorstellung der Himmelfahrt vom Kreuz aus ersetzt, die auch Phil 2,9 vorliegt. Das apokalyptische Zeitschema von Jetzt und Dann tritt zurück hinter die grundlegende Diastasse: Irdisch/Himmlisch.

Ostern geht es darum, dass Jesu 'Jünger' gleichsam mit Christus 'gestorben' sind und nun mit Christus im Geist leben - Jesus nachfolgen (Gal 2.20).

Unsterblichkeit der Seele / des inneren Menschen / der Geistseele: "..., solange ich in dieser Hütte bin..., denn ich weiß, dass ich meine Hütte bald verlassen muss" (2Ptr 1,13f).

Die Unsterblichkeit der Seele ist die Voraussetzung für ein Gericht post mortem. Wenn der innere Mensch, die Geistseele, den Tod nicht überdauert, das 'Ich' nicht mehr existiert, alle Daten gelöscht sind, kann es kein Gericht geben.

1. "Wenn ich von der Erde erhöht bin..." (Joh 12,32)

W. Thüsing (1965)
Kreuzigung = Erhöhung? Joh 8,28: "Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt..." Diejenigen, die Jesus 'erhöhen' werden, sind Gegner, die Hierarchen und die Pharisäer d.h. die Feinde, die Jesus ans Kreuz bringen. Bei der Kreuzigung sind die Gegner die Handelnden. Die 'Erhöhung' ist bei Joh die Kreuzigung; der Gekreuzigte ist der Erhöhte. Joh 3,14: "Wie Mose...die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden". 12,32: "Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen" Auch an diesen beiden Stellen ist die 'Erhöhung' aufs engste mit der Kreuzigung verbunden. Mit den Worten von 12,32 deutet Jesus an, welchen Todes er sterben würde. Der Evangelist bezieht das Erhöhtwerden auf die besondere Todesart der Kreuzigung (vgl. 18,32). In Joh 12,34 versteht die Menge das Wort ebenfalls als Andeutung des Todes Jesu im Gegensatz zu dem 'ewigen Bleiben' des Messias, von dem die jüdische Tradition wusste. Auf der anderen Seite entfaltet der 'erhöhte' Jessu nach diesen drei Stellen eine Wirksamkeit, des 'Ziehens': "Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen". Dieses Ziehen bedeutet ein Wirken des verherrlichten Jesus (40).

Das "Ziehen" des Erhöhten (12,31): Der "Herrscher dieser Welt" wird hinausgeworfen (durch den Sieg, den Jesus am Kreuz erringt) - Jesus als der wirkliche Herrscher, als der König, dessen Herrschaft nicht von dieser Welt ist (18,36), zieht alle an sich. Das 'ziehen' zeigt, wie Jesus seine Herrschaft ausbreitet. Was das "Ziehen" bedeuter, lehrt 6,44: "Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht". Hier ist der Vater derjenige, der "zieht", aber der, zu dem die Menschen gezogen werden, ist wie in 12,32 Jesus. 6,45 sagt, dass man sich zu Jesus ziehen lässt, wenn man vom Vater "hört und lehrt" - d.h. wenn man die Offenbarung, die der Vater durch den Heiligen Geist gibt, gläubig aufnimmt. Der Vater "zieht" die Menschen zu Jesus, indem er ihn durch den Geist als seinen geliebten Sohn kundmacht und "verherrlicht". Jesus und der Vater sind "eins" auch im Wirken und so zieht Jesus selbst die Seinen zu sich, wenn der Vater sie zu ihm zieht. Denn der Vater hat dem Sohn in seiner Liebe die ganze Fülle des Heiligen Geistes gegeben (3,34f), damit er die Glaubenden an sich ziehe und ihnen das ewige Leben spende (40f).

Das Kreuz als Thron und Glaubenszeichen: Der verherrlichte Jesus herrscht durch den Geist. Das hoch über die Erde emporragende Kreuz soll als Thron des Königs (Christus) geschaut werden. In 12,32 soll der Eindruck entstehen, dass der am Kreuz hängende Jesus die Menschen an sich zieht und dadurch vom Kreuz aus herrscht, dass der Gekreuzigte die herrschaft ausübt, die dem Verherrlichten zukommt.

Nachfolge ans Kreuz und in die Herrlichkeit (Joh 12,26): "Wenn einer mit dient, so soll er mir folgen und wo ich bin, da soll auch mein Diener sein". Nach V 12,23f ist Jesus derjenige, der durch sein Sterben Frucht trägt und verherrlicht wird. Wenn der Jünger sein Leben in dieser Welt "hasst" (V 25), folgt er Jesus ans Kreuz bzw. lässt sich von Jesus an sein Kreuz ziehen. Dadurch bewahrt er sich "zum ewigen Leben" und Jesus kann ihn in die Herrlichkeit ziehen, in der er jetzt lebt (vgl. 17,24;  14,2f). Joh 12,32 will besagen: Der König auf dem Thron des Kreuzes zieht die Seinen zunächst an sein Kreuz und dadurch in seine Herrlichkeit (41).

Thron der Herrlichkeit und Thron des Kreuzes: Die Entsprechung zur "Erhöhung" von Phil Kp 2 ist bei Johannes das "Aufsteigen" Jesu zum Vater (Joh 3,13;  6,62;  20,17) oder auch das "Hinübergehen zum Vater" (13,1). Sowohl das "Aufsteigen" als auch das "Erhöhtwerden" weist auf den Vorgang hin, durch den Jesus den Thron zur Rechten des Vaters besteigt, den Thron, von dem aus er durch den Geist herrscht. Das Joh-Ev will vor allem die Wirksamkeit des beim Vater herrschenden Jesus aussagen. Dazu verwendet es in den Erhöhungsstellen das 'Bild' des Gekreuzigten; dieses wird transparent für die Heilsbedeutung des Verherrlichten. Das ist möglich: Erstens, weil der freiwillig übernommene Kreuzestod Jesu in john Sicht schon zu dem Gesamtvorgang des "Hinübergehens zum Vater" gehört, das sowohl den Tod als auch das "Aufsteigen" umfasst. Der Kreuzestod als Offenbarung der Liebe gehört seinem Wesen nach schon zu dem Gesamtvorgang, in dem Jesus durch die Liebe des Vaters verherrlicht wird. Zweitens kann der Verherrlichte Jesus als der Gekreuzigte geschaut werden, weil sein Thron auch in der Herrlichkeit noch das Kreuz ist - weil er in der Weise herrscht, dass er die Seinen zuerst an sein Kreuz zieht bzw. dass er sie zum Glauben an ihn selbst als den Gekreuzigten führt. Das Kreuz wirkt als Herrschaftsprinzip dessen fort, der auch als der Verherrlichte noch die Wundmale seines Todes trägt. Eine Darstellung des Gekreuzigten ist im Sinn von Joh 3,14 und 12,32 für uns ein Glaubenszeichen, durch das hindurch wird auf den schauen sollen, der für uns das Leben und das Heil ist. Die Bilder des Crucifixus sollen uns in Kontakt mit dem jetzt lebenden, verherrlichten Jesus bringen, der vom verherrlichten Kreuz aus herrscht, d.h. der uns an sein Kreuz und dadurch in seine Herrlichkeit ziehen will (42).

Der Ursprung des Glaubens an die Erhöhung Christi waren die Ostererscheinungen: Das Alte Testament gab die Worte und Gedanken in die Hand, mit denen diese überwältigende Erfahrung seiner Macht und Herrlichkeit ausgedrückt werden konnte: dass Jesus zur Rechten Gottes erhöht worden sei: Ps 110 (Apg 2,33f;  Eph 1,20;  Hebr 1,3;  Mk 16,19). "Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt": Ps 2 (Apg 13,33;  Hebr 1,5;  5,5). "Alles hat er ihm zu Füßen gelegt": Ps 8 (1Kor 15,27;  Eph 1,22; Hebr 2,5-8). "Aufsteigend zur Höhe": Ps 67 (Eph 4,8). "Mein Knecht wird erhöht und verherrlicht werden": Jes 52,13 (Lk 24,26). Ohne die Erfahrung der Erscheinungen wäre es nicht zu Schriftbeweis und theologischer Reflexion und damit zur Erhöhungsaussage gekommen: dass Christus zum Sohn Gottes eingesetzt ist in Macht (Röm 1,4) oder dass er gesetzt worden sei zur Rechten des Vaters. Der Vorgang der Erhöhung selbst liegt jenseits von Raum und Zeit. Aber diese jenseitige Wirklichkeit wurde in den Erscheinungen Christi in den irdischen Bereich hinein sichtbar. Die theologische Entfaltung will deutlich machen, was als reales Geschehen den Jüngern in der Zeit nach Ostern sichtbar wurde: Christus lebt, Christus ist der Herr (51f).

Thüsing, Wilhelm
1965, "Wenn ich von der Erde erhöht bin..." (Joh 12,32), in Bibel und Kirche 20