8. JESUS durch Gott in himmlischer Wirklichkeit entrückt und r e h a b i l i t i e r t

'OSTERN': die 'INNERE AUFERSTEHUNG' im Herzen des Glaubenden

Nach seiner Kreuzigung wurde Jesus nur 'mit den Augen des Glaubens' gesehen. Von seinen Gegnern hat niemand Jesus gesehen.

Der Glaube an die Auferstehung der Toten war damals mit dem apokalyptischen Weltbild vorgegeben (Hes 37).

Das Zum-Glauben-Kommen der Jünger an den erhöhten, lebendigen, gegenwärtigen Herrn ist das Entstehungsdatum der Kirche Jesu Christi.

Die Vorstellung von der Errettung und Erhöhung des Gerechten dürfte einen Ansatzpunkt für die christliche Erhöhungsvorstellung gebildet haben.

1. Die älteste Ostergeschichte

2. Die visionär vermittelte Erkenntnis der eschatologischen Auferstehung Jesu
Anhang: Auferstehung Jesu und historisch-kritische Methode: Der Historiker muss davon ausgehen, dass es sich um subjektive Phänome gehandelt hat (86)

3. Die Auferstehungsaussage ist ein Interpretament des Erscheinungsgeschehens - Auferstehungszeugen gibt es nicht
(1) Zur Entstehung des Glaubens an die Auferstehung Jesu
Anhang: Auferstehung Jesu – Auferstehung der Toten

(2) Schwierigkeiten mit der Auferweckung Jesu
(3) Die Auferstehung Jesu war keine historische Tatsache, sondern ein Glaubensurteil
(4) Die 'Erscheinungen' Jesu

(5) Die Auferstehungsgeschichten und der christliche Glaube

Anhang a: Der Bericht des Paulus (1Kor 15,3-11) und die Bedeutung der Verklärungsgeschichte für die Entstehung der zweiten Vision des Petrus
Anhang b: Die Drei-Tage-Worte Jesu – Sekundäre Umdeutung der ursprünglich eschatologischen Bilder

4. Die Auferweckung Jesu – ein transzendentes rein jenseitiges Geschehen, erfahrbar nur im Glauben
(1) Die Himmelfahrt Jesu vom Kreuz aus
(2) Transzendentale Entwürfe – Versetzung des Verstorbenen in den Himmel
(3) Zu den Elia-Motive des Lukas
(4) Zusammengehörigkeit von Auferweckung und Erhöhung
Anhang: Auferweckung und Erhöhung meinen im Urchristentum dasselbe Ereignis

5. Die Unsterblichkeit der Seele
Die Seele ist unsterblich und ewig, weil sie der Teil ist, in den Gott den Geist gegeben hat
Der Unsterblichkeit der Seele ist die Voraussetzung für ein Gericht post mortem
(1) Jenseits des Todes - Unsterblichkeit der Seele
(2) Die Seele des Menschen und die Hoffnung der Christen

(3) Die biblische Lehre von der Unsterblichkeit der Seele

Literatur

Als die Jünger Jesu nach seinem Tod Erscheinungen Jesu erlebten, deuteten sie diese Erscheinungen mit Hilfe der ihnen aus dem AT und der spätjüdischen Apokylptik geläufigen Auferstehungsvorstellung.

W. Zager (1999): Der Historiker muss davon ausgehen, dass es sich bei den Erscheinungen Jesu um subjektive Phänomene gehandelt hat. Die Geschichten vom leeren Grab und von den Erscheinungen des Auferstandenen sind späte Gemeindebildungen. Da Paulus sein Damaskuserlebnis mit den Erfahrungen der übrigen Osterzeugen auf eine Stufe stellt, müssen die Erscheinungen Jesu als subjektive Visionen beurteilt werden. Wenn Kreuz und Auferstehung Jesu nicht mehr das eine große Heilsereignis darstellen, so werden wir ganz auf die geschichtliche Person Jesu geworfen (86).

E.Biser (1984): Paulus begründet seine Berufung zum Heidenapostel mit den Worten: „Da gefiel es Gott in seiner Güte, seinen Sohn in mir zu offenbaren“ (Gal 1,16). Das sind Worte, die von einer Lebenswende sprechen (69).

Wenn der Glaube zustande kommt, spiegelt sich in ihm das, was dem Apostel in seiner Berufungsstunde widerfuhr. Das Menschenherz gewinnt eine neue Beziehungsmitte. Es geht um die ‚innere Auferstehung‘, die sich im Herzen des Glaubenden ereignet (75f).

G. Kegel (1970): Nach dem Tod Jesu haben seine Jünger Erscheinungen Jesu erlebt. Sie haben daraus auf die Auferstehung Jesu geschlossen und sie mit den dafür zur Verfügung stehenden Ausdrucksmitteln ausgesagt. Die Überzeugung von der Auferstehung Jesu war für sie deshalb wichtig, weil sie damit alle Einwände, die aus dem Verbrechertod Jesu gegen ihn gemacht wurden, zurückweisen konnten. Aus diesem Grund haben die Jünger ihre Überzeugung in ein Glaubensbekenntnis gefasst: Jesus ist gestorben und auferstanden. Das Bekenntnis zur Auferstehung Jesu wurde auch als Gottesbekenntnis formuliert: „Gott hat Jesus von den Toten auferweckt“. Die Auferweckung Jesu galt nun als Verwirklichung des eschatologischen Heilshandels Gottes an Jesus (25).

1Kor 15,3ff ist das Ergebnis einer traditionsgeschichtlichen Entwicklung. Die Deutung des Todes Jesu als Sühnetod und die Tagesangabe zur Auferstehung Jesu (beide durch den Hinweis auf die Schriften als aus dem AT gewonnene Interpretamente gekennzeichnet) sind in das Grundschema des verbalen Christusbekenntnisses eingetragen worden. Als die so gewonnene zweigliedrige Bekenntnisaussage mit den Erscheinungstraditionen verbunden wurden, fügte man zwischen Tod und Auferstehung Jesu sein Begrabensein ein als Bestätigung des Todes (27).

In Röm 4,25 liegt das zweigliedrige Jesusbekenntnis zugrunde. Die ursprünglich ungedeutete Todesaussage ist durch eine gedeutete ersetzt. Im Unterschied zu 1Kor 15,3 ist das Verb ‚gestorben‘ nicht mehr verwendet. Die Wendung „hingegeben wegen unserer Übertretungen“ geht auf LXX Jes 53,12 zurück. Die Formel setzt eine Übertragung der Gottesknechtvorstellung auf Jesus voraus. Der Gebrauch der LXX führt uns in den Bereich des hellenistischen Judenchristentums. Das Auffällige an der Formel ist nun, dass auch die Auferstehung Jesu eine Deutung erfährt. Tod und Auferstehung sind zu zwei Stationen des Heilsgeschehens geworden, die jede ihre besondere Heilsbedeutung hat. Zu den beiden Aussagen Tod und Auferstehung Jesu, gehörte auch noch das Sitzen zur Rechten Gottes (Röm 8,34c) als weiteres Stadium der Christusereignisse mit der soteriologischen Funktion des ‚Eintretens für uns‘ (Röm 8,34d) (28).

Die Auferstehung Jesu ist eine theologische Deutung, ein Theologumenon. Damals glaubte man im Judentum an die Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag. Jesu Erscheinungen wurden als seine Auferstehung gedeutet: "Christus ist auferstanden als Erstling unter denen, die entschlafen sind" (1Kor 15,20).

M. Dibelius: Die Überzeugung, dass Christus auferweckt sei und bei Gott lebe, ist für die Bildung der christlichen Gemeinde grundlegend und ist darum selbstverständlich in dem für uns ältesten, formulierten Kerygma enthalten, das bereits Paulus als Überlieferung empfing (1Kor 15,3ff). Aber diese Überzeugung hat jahrzehntelang einen Niederschlag in einer unmittelbar berichtenden Erzählung nicht gefunden. Lediglich eine mittelbar berichtende Legende, die von den Folgen der Auferstehung zu sagen weiß, ist seit dem MkEv bekannt, die Geschichte vom leeren Grab, Mk 16,1ff. Aber auch sie scheint nicht primär zu sein; Paulus weiß noch nichts von ihr. Sie scheint vielmehr ältere Erzählungen von Erscheinungen Jesu verdrängt zu haben, auf die 1Kor 15,5; Lk 24,34 angespielt wird. Allein auch diese haben offenbar den Auferstandenen, nicht aber die Auferstehung dargestellt. Die älteste unmittelbar berichtende Erzählung von der Auferstehung, d.h. von dem triumphierenden Hervorgehen Jesu aus dem Grab, steht im Petrus-Evangelium, in einem Werk des 2. Jh. (36f).

Nach der Katastrophe der Hinrichtung Jesu sind die Jünger auf vielfältige Weise zum Glauben an den lebendigen, erhöhten Herrn gekommen.
Paulus begründet seine Berufung zum Heidenapostel mit den Worten "Da gefiel es Gott in seiner Güte, seinen Sohn in mir zu offenbaren" (Gal 1,16). Es ist nicht von einem äußeren Vorgang die Rede, sondern von einem Geschehen innerer Art: dass Gott es im Herzen des Apostels "tagen ließ", dass er "von Jesus Christus ergriffen" und dass ihm das Geheimnis des Gottessohnes "geoffenbart wurde".

"auferstanden in den Himmel" - die Märtyrer

Es geht um den Glauben an Jesus, nicht um den Glauben an eine apokalyptische Vorstellung.

Gottes Macht hat am Tod nicht seine Grenze.

Jesus – Lazarus: Im Johannesevangelium (Kp 11) wird zwischen der Erhöhung Jesu und der Wiederbelebung des Lazarus nicht unterschieden – zwei grundverschiedene Vorgänge: Lazarus ist Jahre nach seiner Wiederbelebung gestorben, aber Jesus ‚lebt‘. Das leere Grab und die Auferstehungsleiblichkeit Jesu sind keine historischen Fakten. Diese Aussagen sind bedingt durch das apokalyptische Weltbild: ‚Leben‘ gibt es nur leiblich, mit ‚Haut, Knochen und Sehnen‘. Wenn Jesus ‚lebt‘, dann musste sein Grab aufgrund des apokalyptischen Weltbildes zwangsläufig leer gedacht werden (Hes 37). Um aufzustehen, um aus dem Grab zu steigen, braucht man Knochen und Sehnen. Auferstehung und volles Grab passen nicht zusammen. Leeres Grab? Wo ist der mit ‚Haut, Knochen und Sehnen‘ (leeres Grab) wiederbelebte historische Jesus geblieben? Der Glaube an ein leeres Grab Jesu macht den christlichen Glauben zu einem Mirakelglauben. „Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht ererben; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit“ (1Kor 15,50). Nirgendwo argumentiert Paulus mit einem leeren Grab Jesu. Paulus weiß um einen ‚himmlischen‘ Leib (2Kor 5), d.h. die Gräber müssen nicht leer werden.

Hebräerbrief: In dem Schema Katabasis und Anabasis spielt die Auferstehung keine Rolle (in 13,20 wird sie nur formelhaft erwähnt) und ist durch die Vorstellung der Himmelfahrt vom Kreuz aus ersetzt, die auch Phil 2,9 vorliegt. Das apokalyptische Zeitschema von Jetzt und Dann tritt zurück hinter die grundlegende Diastasse: Irdisch/Himmlisch.

Wer im 21. Jh. glaubt/weiß, dass Jesus 'lebt', muss nicht an das apokalyptische Weltbild glauben. Ob ich an eine Himmelfahrt Jesu vom Kreuz, an eine Erhöhung des Gerechten, an eine Entrückung, oder an das apokalyptische Weltbild (Auferstehung der Toten, Auferstehung Jesu) glaube, ist völlig belanglos. "Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden" (Mt 22,32 parr). Jesus ist nicht gekommen, um Menschen auf das apokalyptische Weltbild zu verpflichten, sondern: "...Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und machet zu Jüngern alle Völker...und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe" (Mt 28,18-20a)! Das entscheidende Fest der Gemeinde Jesu ist nicht Ostern, sondern Pfingsten, denn ohne Geistwirkung ist Glaube an Jesu nicht möglich: "Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat" (Joh 6,44).

Ostern - ein HAPPY DAY?

Ostern geht es darum, dass Jesu 'Jünger' gleichsam mit Christus 'gestorben' sind und nun mit Christus im Geist leben - Jesus nachfolgen (Gal 2.20).

Unsterblichkeit der Seele / des inneren Menschen / der Geistseele: "..., solange ich in dieser Hütte bin..., denn ich weiß, dass ich meine Hütte bald verlassen muss" (2Ptr 1,13f).

Die Unsterblichkeit der Seele ist die Voraussetzung für ein Gericht post mortem. Wenn der innere Mensch, die Geistseele, den Tod nicht überdauert, das 'Ich' nicht mehr existiert, alle Daten gelöscht sind, kann es kein Gericht geben.

Die Unsterblichkeit der Seele (s. Text 10)

Wenn die Erhöhung Jesu kein historisches sondern ein transzendentes Ereignis ist, dann ist die Auferweckung Jesu ebenfalls kein historisches sondern ein transzendentes Ereignis.

M.Hengel: Ist der Osterglaube noch zu retten? Es wäre schlimm, wenn wir uns anmaßten, den Glauben an die Auferstehung Jesu retten zu können. Es ist gerade nicht unsere Aufgabe, hier 'vernünftig' begründen zu wollen, um irgend etwas zu retten. Der erhöhte Christus selbst hat die Verzweiflung und den Zweifel der Jünger überwunden und Glauben geschenkt, aus einem Simon wurde ein Petrus, aus einem Saulus ein Paulus. Dieser Glaube hat die Kirche bis heute getragen, er wird sie 'bis an der Welt Ende' weitertragen.

R. Pesch: Lukas gibt mit Hilfe der Himmelfahrtserzählung (Apg 1,9-11) eine theolgische Deutung der Heilsgeschichte. Insofern er mit seiner Erzählung ein Geschehen an Jesus im Auge hat, meint er dessen Erhöhung, die kein historisches Ereignis ist. Der erhöhte Herr zeigt sich nur in der einmütigen Versammlung der Jüngergemeinde, die seinem Wort vertraut, seiner Weisung nachkommt, seiner Verheißung glaubt und seine Sendung als die ihrige, seinen Auftrag als den ihrigen übernimmt. Das sichtbare 'Wunder' ist weder ein leeres Grab noch ein wie eine Rakete zum Himmel fahrender Mensch, sondern die von Jesus gestiftete einmütige Versammlung (1,14) selbst, in der alle, die glauben und nicht zweifeln, ihren erhöhten Herrn 'schauen', der unsichtbar in ihrer Mitte real-präsent ist und durch seinen Geist alle miteinander verbindet. Die Unterscheidung von Auferweckung und Erhöhung/Entrückung nach der vierzigtägigen Zwischenzeit hat in der Thelogiegeschichte seit der Mitte des 2.Jh. immer mehr Raum gewonnen neben der ältesten Konzeption der Identität von Auferweckung und Erhöhung (75f).