1. Die Auferstehung Jesu - ein transzendentes, rein jenseitiges Geschehen, erfahrbar nur im Glauben

Wenn die Erhöhung Jesu kein historisches sondern ein transzendentes Ereignis ist, dann ist die Auferweckung Jesu ebenfalls kein historisches sondern ein transzendentes Ereignis. 

1.1 Die Himmelfahrt Jesu vom Kreuz aus

G. Bertram

Die Auferstehungsberichte des NT dürfen nicht historisiert werden, indem man sie als Berichte über wissenschaftlich erkennbare Tatsachen einer Geschichte des Auferstandenen auffasst. Es sind Legenden, in denen der Historiker die Tatsache des Auferstehungsglaubens bezeugt findet. Unsere evangelische Überlieferung wie auch das gesamte NT stammt aus der christlichen Gemeinde, die an den erhöhten Christus, der zur Rechten Gottes sitzt, glaubt und für die der Unterschied zwischen diesem erhöhten und dem historischen Jesus sich verwischte. Das bedeutet, dass die Herrlichkeit des himmlischen Herrn mehr oder minder in die Darstellung des irdischen Lebens Jesu hineingetragen wurde (187f).

Dem Glauben des ältesten Christentums entspricht es und ist als Tatsache festzustellen, dass die Missionare hinter ihrem Werk zurücktreten, dass Grund und Eckstein des Glaubens Jesus Christus allein ist. Die Autorität des Apostelamtes (Apg 1,21f) hat die Augenzeugenschaft des irdischen Wandels des Herrn bis zu seiner Aufnahme zur Voraussetzung. Dabei umfaßt der Begriff der Aufnahme Tod und Erhöhung, während Auferstehung, Visionen und Himmelfahrt als ihr Abschluss nicht darin mitgesetzt sind, um so weniger als nur die Elf Visionen und Himmelfahrt erlebt haben, also bei einer Zuwahl niemand die Bedingung der Augenzeugenschaft bei diesen Ereignissen erfüllen konnte. Damit ist in einem sekundären Bericht eine wichtige ursprüngliche Position vertreten, die vielfach dadurch verdeckt wird, dass die Apostel einfach als Zeugen der Auferstehung erscheinen. 1Kor 15 gegenüber ist darauf hinzuweisen, dass für Paulus das Wort vom Kreuz und nicht die Auferstehung Kennzeichen und wesentlicher Inhalt der christlichen Predigt ist und dass auch er sich auf Jesusüberlieferung beruft (192f).

Als Grund des Auferstehungsglaubens der Kirche kommt nur das wirkende Wort Jesu in Betracht. Ihm gegenüber sind alle Berichte, Legenden und Formeln (die auf den Auferstandenen oder Erhöhten hinweisen) als Darstellungsformen aufzufassen, die überlieferungsgeschichtlich betrachtet, gleichwertig nebeneinanderstehen und alle als Ausdruck desselben Christusglaubens gewertet werden müssen. Wenn die Botschaft Jesu und der Glaube der ältesten Gemeinde eschatologisch bestimmt war, so musste er im Gegensatz zu der irdischen Erscheinung Jesu in menschlicher Schwachheit, zu der Tatsache seines Todes sich auf seine Einsetzung als Messias in Herrlichkeit richten. Das scheint bereits bei Jesus selbst der Fall gewesen zu sein, wenn er die Messiasfrage des Hohen Priesters mit dem Hinweis auf den Menschensohn, der auf des Himmels Wolken kommen wird, beantwortet. Dabei erscheint zweifelhaft, ob die ursprüngliche Vorstellung an eine Entrückung Jesu zur Rechten Gottes dachte, so dass er seine Gemeinde eine Zeitlang in Trauer zurückgelassen hätte, oder ob die Offenbarung seiner himmlischen Herrlichkeit gleichzeitig mit seiner himmlischen Erhöhung stattfinden sollte. Die Fastenfrage Mk 2,18ff weist auf die Zeit der Trauer hin: „Es werden Tage kommen, wenn der Bräutigamm von ihnen weggenommen wird, dann werden sie fasten, an jenem Tag“. Lukas, der den Plural setzt: „in jenen Tagen“, umschreibt damit die Zeit nach dem Tod Jesu. Das Ende des Fastens ist dann durch die Parusie des Herrn bestimmt (193f).

Die kirchliche Deutung hat in den Erscheinungen des Auferstandenen einen Ersatz oder eine Vorwegnahme der in der eschatologischen Zukunft erwarteten Parusie gesehen. Die ursprüngliche Überlieferung weist auf eine Trauer um Jesus hin (Mt 9,15): „Können die Hochzeitsgäste trauern solange der Bräutigamm bei ihnen ist“? In Jh 16,16-24 ist die Trennung von Jesus der Grund für die Trauer der Gemeinde und seine Wiederkunft, sei es als der Auferstandene, sei es als der eschatologische Messias, ist der Anlass der Freude (195f).

Paulus sehnt sich (2Kor 5,2) nach der Bekleidung mit dem himmlischen Leib (Phil 1,23): „Ich sehne mich abzuscheiden und bei Christus zu sein“. An dieser Stelle tritt die individuelle Eschatologie an die Stelle der kollektiven. Aus Phil 3,21 geht hervor, dass diese Auffassung innerlich verbunden ist mit dem ursprünglichen Glauben an den erhöhten Herrn. Das wird deutliche aus Apg 1,6, wo die Apostel den Herrn fragen, ob er jetzt nach seiner Wiederkunft das Reich Israels, das ist das eschatologisch-messianische Reich, aufrichten wolle. Hier wird deutlich, dass die Visionen z.T. nicht so sehr die Auferstehung als vielmehr die Erhöhung, das Thronen Jesu zur Rechten Gottes voraussetzen. Das ist auch in den apokalyptischen Stellen des NT immer wieder der Inhalt der Hoffnung Jesu. Er erwartet bei seinem Tod, als der Messias in Herrlichkeit eingesetzt zu werden, und spricht das in den Formeln der danielischen Apokalyptik aus (Mk 8,38;  13,26f;  14,25.62;  Mt 24,31). Lk 22,69: „von nun an wird der Menschensohn thronen zur Rechten der Kraft Gottes“. Mt 16,28: „bis sie sehen den Menschensohn kommen mit seinem Reich“ Lk 23,42: „Jesus, gedenke meiner, wenn du mit deinem Reich kommst“! Mt 16,28 ist an die Stelle der allgemeinen Erwartung des Kommens des Reichs Gottes die auch aus der Lesart von D des Schächerwortes bei Lk 23,42 bekannte Formulierung „bis sie sehen den Menschensohn kommen mit seinem Reich“ eingesetzt (196f).

Auch Paulus scheint die Aufnahme Jesu vom Kreuz in den Himmel vorauszusetzen, wenn er Phil 2,5ff ohne Erwähnung des Begräbnisses und der Auferstehung Erniedrigung und Erhöhung des Herrn einander gegenüberstellt. In Röm 5,10 wird der Tod Jesu dem Leben des Herrn entgegengesetzt. Dabei wird durch den Wechsel der Präpositionen angedeutet, dass zwar die Versöhnung durch die Kreuzigung des Herrn stattfand, die Rettung der Versöhnten aber auf dem Leben des Erhöhten beruht. Die Rettung ist nicht in dem einmaligen Ereignis der Auferstehung, sondern in der Tatsache der gegenwärtigen und dauernden Lebenskraft Jesu begründet. 2Kor 4,4 wird das Evangelium als die Botschaft der Herrlichkeit des Christus umschrieben. Ebenso wie hier ist Gal 3,1;  1Kor 1,23;  2,2 die Auferstehung Jesu übergangen. Das Evangelium handelt von dem, der der Gekreuzigte ist. Von da aus erhält das Kapitel 1Kor 15 von der Auferstehung nicht dieselbe zentrale Stellung in der paulinischen Frömmigkeit, wie es sie zu beanspruchen scheint. Wir haben hier eine der Wurzeln dafür, dass in der Kirche allmählich neben den Glauben an den Erhöhten sich mehr und mehr der Glaube an den Auferstandenen durchsetzte. Die historische Tatsache des Begräbnisses Jesu gehört zum ältesten Bestand der Leidensgeschichte, hatte aber zunächst nur historische, keine theologische Bedeutung. Weder die Jünger, noch die Frauen waren beim Begräbnis beteiligt; noch das Wort aus der Salbungsgeschichte Mk 14,8 weist darauf hin. Auch die Erscheinungen Jesu setzen zunächst weder das Begräbnis noch das 'leere' Grab voraus. Aber bald hat sich die Vorstellung der Gemeinde dieser historischen Tatsachen bemächtigt (197f).

Erstens bekommen die Visionslegenden von der Geschichte vom 'leeren' Grab aus ihren erdenhaften Charakter. Jesus erscheint mit dem Leib, den er als Mensch getragen hat und seine Auferstehung wird in den Himmelfahrtsgeschichten (Jh 20,17; Apg 1) von der Erhöhung geschieden. Zweitens dient die Betonung des Begräbnisses der Abwehr des Doketismus, das ist besonders 1Kor 15 der Fall. Es beweist, dass Jesus wirklich gestorben ist. Es liegt hier dieselbe Entwicklung vor, die wir bei den Toten-Auferweckungs-Legenden der Evangelien beobachten können. In der Lazarusgeschichte ist mit dem Hinweis auf den Beginn der Verwesung jeder Irrtum ausgeschlossen. Drittens veranlasst bei Paulus Röm 6,3ff die symbolische Deutung der Taufe als eines Begräbnisses, in dem die Christen kultisch Christi Tod und Begräbnis erleben, die Betonung der Grablegung. Alle drei Momente haben dazu beigetragen, dass im christlichen Bewusstsein nicht mehr Tod und Erhöhung, sondern Tod und Auferstehung einander gegenüberstehen.

(Anm. 1: Neben Tod und Erhöhung, Tod und Auferstehung steht drittens: Tod und Wiedergeburt: Der Gekreuzigte wird als der Erstgeborene der Toten: Röm 8,29;  Kol 1,18;  Offb 1,6 oder als Anfang, Anbruch der Entschlafenen: 1Kor 15,20 bezeichnet. Die Anwendung von Ps 2,7 auf die Erhöhung entspricht seinem ursprünglichen Sinn. Es ist ja in ihm von der Inthronisation des Königs die Rede. Seine Verwendung in der Jesusüberlieferung wird deshalb ursprünglich der Verwendung des Danielzitats bei Lk 22,69 entsprechen.)

Die Übertragung dieser Formeln auf Christus ist gegenüber dem Glauben an den Erhöhten, der der Gekreuzigte ist, sekundär (199f).

An einzelnen Ausdrücken wird noch erkennbar, dass der eschatologische Glaube an die Erhöhung und Wiederkunft Christi zu der Vorstellung von der Auferstehung und zu den Visionslegenden keine unmittelbare Beziehung hat. Auf die direkte Aufnahme Jesu in den Himmel als Voraussetzung seiner Erhöhung und Wiederkunft weist die Feststellung der Trennung Jesu von den Jüngern im Tod hin, die in der Geschichte von dem Emmaus-Jüngern (Lk 24,21) der Erwartung der Erlösung Israels unmittelbar gegenübergestellt wird. Das ist auch der Sinn der Himmelfahrtsgeschichte Apg 1, wie sie von den Engeln gedeutet wird. Die Himmelfahrt findet statt, so wie einst die Wiederkunft stattfinden soll, sie ist ihre Voraussetzung. Der Glaube an die direkte Aufnahme in den Himmel musste jedenfalls den volkstümlichen Vorstellungen des Judentums wie der hellenistischen Welt entsprechen. Es war auch im Judentum nicht der eschatologische Auferstehungsglaube der Pharisäer, der die Vorstellungswelt der Gemeinde beherrschte, vielmehr hatte sich im Anschluss an den Seelenglauben seit der Makkabäerzeit, daneben der Glaube durchgesetzt, dass eine vorläufige Entscheidung über das Schicksal der Seele sofort nach dem Tod stattfände, dass die Seelen der Gerechten in den Schoß Abrahams aufgenommen würden, die der Bösen aber der Hölle anheimfielen.

(Anm. 2: Das hellenistische Judentum hat die Gedanken der Umwelt über das Schicksal des Menschen nach dem Tod weithin geteilt) (200f).

Im Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus (Lk 16,19ff) erscheint diese Vorstellung auch im Mund Jesu und sie begegnet bei ihm in den Worten an den Schächer am Kreuz: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43). Dieses Wort setzt die Erwartung Jesu voraus, dass er vom Kreuz aus ins Paradies eingehen werde. In diesem Sinn ist auch das von Lukas als letztes Wort Jesu überlieferte Zitat aus Psalm 31,6 zu verstehen: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“ wobei deutlich wird, dass bei dem Begriff der Assumptio an eine leibliche Himmelfahrt nicht zu denken ist. Der Begriff begegnet bereits Lk 9,51, wo die Zeit des Leidens Jesu als die Zeit seiner Aufnahme bezeichnet wird, wobei an die Aufnahme in den Himmel zu denken ist, so dass hier Tod und Erhöhung in eins gesehen werden. Das scheint auch der Fall zu sein in Lk 24,26: „Musste Christus nicht solches leiden und (so) in seine Herrlichkeit eingehen“? Die Stelle wird auf die Himmelfahrt vom Kreuz aus gedeutet (202f).

Die Auferstehungsgeschichte ist ein sekundärer Bericht, der die Visionslegenden der kanonischen Evangelien voraussetzt. In den kanonischen Evangelien fehlt jede Darstellung der Auferstehung. Sie bringen nur das Bekenntnis zum Auferstandenen und begründen es mit den Visionslegenden (203f).

Die Gleichsetzung von Auferstehung und Himmelfahrt (Lk 24,51): noch am Tag der Auferstehung findet die Aufnahme in den Himmel statt. Paulus stellt sich die Visionen der Urapostel nach der Analogie der eigenen Christusvision vor, sieht Himmelfahrt und Erhöhung als Voraussetzung der Bezeugung des Auferstandenen an. Die Auferweckung durch Gott bedeutet gleichzeitig eine Erhebung zur Rechten Gottes, wo Christus gegenwärtig thront (Kol 3,1;  Eph 1,20;  Röm 8,34) (204f).

Das Christusbekenntnis Phil 2,5ff beweist, dass der Glaube an den Erhöhten zum Ausdruck kommen konnte, ohne die Erwähnung von Grab und Auferstehung. Es ist bezeichnend, dass auch einige andere bekenntnismäßigen Charakter tragenden Stellen des NT von der Feststellung des 'Begraben und Auferstanden' absehen. In 1Ptr 3,18 gehören einerseits die Formeln „gestorben nach dem Fleisch, lebendig gemacht nach dem Geist“, zusammen, andererseits die Formel „er ist zur Rechten Gottes, nachdem er in den Himmel hinaufgestiegen ist“, wozu dann die im NT mehrfach betonte Unterordnung der Engel und die Einsetzung Christi zum eschatologischen Richter, wie sie in 1Ptr 4,5 erwähnt wird, gehört. Beide Formeln haben nur ein Interesse an der Feststellung der Erhöhung des Christus, sie setzen die Himmelfahrt vom Kreuz voraus. Eph 4,8: entweder stehen Auffahrt in den Himmel und Höllenfahrt wie 1Ptr 3,18ff, oder Auffahrt in den Himmel und Herabkunft auf die Erde einander gegenüber. Die letztere Annahme entspricht der paulinischen Vorstellung (Phil 2,5ff), jedenfalls ist das „Aufgestiegen zur Höhe“, für den Verfasser die Hauptsache. Grablegung und Auferweckung sind auch hier nicht erwähnt. Dasselbe gilt von 1Tim 3,16. Die Stelle bezieht sich auf die Offenbarung des Erhöhten vom Himmel her. Seine Fleischwerdung ist nur eine Episode in diesem Mythus und seine Aufnahme in den Himmel wird mit Ausdrücken umschrieben, die sich am Besten von der Himmelfahrt Jesu vom Kreuz aus verstehen lassen (207f).

(Anm. 1: Zu dem: „Er wurde gerechtfertigt im Geist“ darf man vielleicht die Formulierung des Wortes des Hauptmanns unter dem Kreuz Lk 23,48 heranziehen: „Dieser Mensch war wahrlich ein Gerechter“. Jedenfalls ist das Wort des Hauptmanns die 'historische' Feststellung der Peripetie in der Geschichte des Christus. Die Art seines Todes hat Jesus gerechtfertigt, ihn trotz allem als den Sohn Gottes offenbart. Die christliche Gemeinde schildert bei dem Hauptmann einen Glauben an den Erhöhten, der unabhängig ist von der Auferstehung. Es ist also die Aufnahme vom Kreuz aus vorauszusetzen. Die Aussagen von der Verkündigung des Evangeliums und dem Glauben in der Welt beziehen sich beide auf den Missionsauftrag, der durch den Erhöhten gegeben (Mt 28,19) und in seiner Kraft ausgeführt wird (Mt 28,18.20). Die Aufnahme in Herrlichkeit entspricht der Rechtfertigung im Geist. Sie bezieht sich ebenfalls auf die Entrückung 2Kö 2,11;  1Makk 2,58.)

Die urchristlichen Vorstellungen sind abhängig von der atl Weissagung. Vor allem Ps 110,1 und Ps 2,7 bildeten die im NT zitierten Beweisstücke für die Erhöhung Jesu zur Rechten Gottes (208f).

Als Grundlage für die Vorstellung von der Erhöhung Jesu konnte auch die Stelle Jes 53,8 beansprucht werden.

(Anm. 2: An dieser Stelle wird deutlich, dass die Himmelfahrt Jesu vom Kreuz auf zwei Vorstellungsreihen beruht, der von der Inthronisation und der von der Entrückung. Die erstere hat zur Voraussetzung, dass Jesus unmittelbar mit dem Tod zum offenbaren Messias in Macht und Herrlichkeit erhoben wird, wie Jesus selbst (Mk 14,62) es erwartet. Bereits Lukas (Lk 22,69: Von nun an wird der Sohn der Menschen sitzen zur Rechten der Macht Gottes“) bildet dir Vorstellung um: Jesus thront unsichtbar im Himmel, er ist entrückt bis zu seiner Offenbarung in Herrlichkeit. Jes 53,8 konnte von der Entrückung verstanden werden. Jedenfalls liegt Kol 3,3f diese Vorstellung vor. Es ist die Anwendung des jüdischen Motivs vom verborgenen Messias auf christliche Vorstellungen. In unserem Text ist Entrückung und Inthronisation nicht mehr zu scheiden. Jesus thront im Verborgenen zur Rechten Gottes, seine Offenbarung wird erst erwartet. (Vorläufig ist er der Gemeinde entrückt) (209f).

Im Matthäusevangelium wird die Erhöhung mehr als die Auferstehung betont. Mt 11,25ff;  28,20 erscheint der Auferstandene als der Erhöhte in göttlicher Vollmacht. In der paulinischen wie in der synoptischen Überlieferung spielt die Auferstehung eine bedeutsame Rolle. Abgesehen von einzelnen Stellen und einzelnen Wendungen hat sie die Vorstellung von der Erhöhung verdrängt (209f).

Die Sprache im Johannesevangelium und im Hebräerbrief ist charakterisiert durch Wendungen, die Grab und Auferstehung ausschließen (Ausnahmen im Johannesevangelium). Für den Johannes-Evangelisten bedeutet der Tod nicht die tiefste Erniedrigung Jesu, sondern in und mit ihm ist seine Erhöhung zum himmlischen Herrn gesetzt. Eine Reihe von Termini bringen die Einheit von Tod und Erhöhung des Christus zum Ausdruck. Der Tod Jesu ist die Stunde seiner Verklärung. Der Verrat des Judas wird als Stunde der Verklärte bezeichnet. Die Gemeinde wird auf den Gekreuzigten hingewiesen, der der Verklärte ist.

(Anm. 2: Neben der Erhöhung der Schlange (4Mose 21,8f) kommt Jes 52,13 in Betracht, wo Erhöhung und Verklärung miteinander verbunden sind. Man wird am Besten den Terminus der Erhöhung im ganzen Johannesevangelium doppelsinnig mit Bezug auf Erhöhung ans Kreuz und in den Himmel verstehen.) (210f).

Der Terminus der Erhöhung ist übergeschichtlich, während die Auferstehungslegenden eine Hineinziehung des Übergeschichtlichen in zeiträumliche Vorstellungen bedeuten. Die Erhöhung mit dem atl Urbild der Erhöhung der Schlange bezeichnet die historische Tatsache der Kreuzigung Jesu und weist darüber hinaus auf die Aufnahme vom Kreuz in den Himmel hin. Ähnlich dürfte es liegen bei Ausdrücken wie 'Hinaufgehen oder Hingehen zum Vater', oder 'Weggehen aus der Welt', die auf Vorstellungen im Kreis der Jünger hinweisen, die weniger an Tod und Auferstehung als vielmehr an den Entrückungslegenden des AT wie vor allem an der Himmelfahrt des Elias orientiert sind. Es entsteht hier die Frage nach der Ursache der Verwendung dieser Ausdrücke nach dem Tod Jesu. Diese Ausdrücke konnten nur im Sinn des alten, eschatologischen Messiasglaubens genommen werden. Jesus ging zum Vater um dort den ihm gebührenden Platz einzunehmen (212f).

Im Hebräerbrief ist weder von Auferstehung noch von Auferweckung Jesu die Rede. 13,20 ist in der Terminologie atl bestimmt, „Hinaufführen von den Toten“ scheint die ursprüngliche Lesart zu sein (Hinaufführen von der Erde). Im Hebr wird deutlich, dass der irdische Leib Christi keine positive soteriologische Bedeutung haben kann. Das ergibt sich aus der Feststellung des atl Typus auf das Leiden Jesu vor dem Tor (Hbr 13,10f), das dem Verbranntwerden der Tierleiber entspricht, deren Blut zum Opfer benutzt wurde. So ist zwar das Blut Jesu Mittel des Heils, aber sein Leib ist „außerhalb des Lagers“ der Schmach preisgegeben. Er selbst ist als der Hohe Priester des Neuen Bundes mit seinem Blut zum Himmel hinangestiegen, um dort den Ehrenplatz zur Rechten Gottes einzunehmen (Hbr 10,12), wo die einmalige Tatsache des Sündopfers der Ewigkeit göttlicher Herrlichkeit gegenübergestellt wird, und Hbr 12,2, wo Kreuz und Erhöhung einander entsprechen. Das ist die einzige Stelle, wo im Hebräerbrief die historische Tatsache des Kreuzes erwähnt wird (213f).

Die Betrachtungsweise des Hebräerbriefs sieht im allgemeinen von der wirklichen Geschichte ab, stellt das himmlische Urbild dar, so, wie es abbildlich bereits im atl Kultus geweissagt erschien. Auch in Hbr 1,3f liegt bei der Feststellung der Inthronisation die mythologische Betrachtungsweise vor, die Jesus den Engeln gegenüberstellt. Als Hinweis auf die geschichtlichen Leiden Jesu steht Hbr 2,9f der Begriff der 'Leiden', aber die ihnen gegenüberstehende himmlische Herrlichkeit ist mit allgemeinen Wendungen umschrieben, die keinen Hinweis auf Grab und Auferstehung enthalten. Nach 4,14 ist Jesus der große Hohe-Priester, der durch die Himmel hindurchgegangen ist, der mit seinem Blut, das er als Sündopfer dargebracht hat, hineingegangen ist ins himmlische Heiligtum. Der Tod Jesu hat nur Sinn als Mittel zur Gewinnung des Opferblutes. Das Blut ist das große Kultsymbol der christlichen Frömmigkeit geworden. Christus selbst hat es dargebracht, um in seiner Kraft in den Himmel einzugehen und vor Gott für die Gläubigen einzutreten. Die Terminologie des Hbr setzt weder die Geschichte von der Grablegung noch die Visions- und Auferstehungslegenden voraus. Die ihr zugrunde liegende Vorstellung von dem Ausgang Jesu ist die von seiner Erhöhung vom Kreuz in den Himmel (214f).

Zusammenfassung: Unter den Vorstellungen, die sich die älteste Gemeinde über den Eingang Jesu in die himmlische Herrlichkeit machte, neben der Auferweckung oder Auferstehung und der Himmelfahrt vom Grab aus hat die Vorstellung von der Himmelfahrt Jesu vom Kreuz aus eine bedeutsame Stelle eingenommen. Sie entspricht dem Glauben an das Thronen Jesu zur Rechten Gottes und an seine eschatologische Wiederkunft. Im Urchristentum stehen verschiedene Anschauungs- und Ausdrucksformen nebeneinander, die alle dem Glauben an den Erhöhten entspringen (215f).