2.3 Christos Archegos und Soter, Führer und Retter (Apg 5,31)

P.-G. Müller: 5,30: „Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr an das Holz gehängt und getötet habt“. 5,31: „Diesen hat Gott erhöht zu seiner Rechten als Führer und Retter“. Durch die Auferweckung und Erhöhung erhält Jesus die Investitur als Führer und Retter Israels. Weil Jesus der Retter Israels wurde, indem er am Kreuz starb, konnte Gott ihn in der Erhöhung als 'Führer' Israels einsetzen. Jesus ist Führer qua Retter. Archegos wird durch die Aussage bestimmt, dass die Führungsfunktion des Auferweckten Resultat seiner Rettungstat an Israel (und der Völkerwelt) ist. Objekt des Auferweckungs- und Erhöhungshandelns Gottes ist der irdische, von den Juden getötete Jesus. Als erhöhter Christus sitzt er zur Rechten Gottes (272f).

Durch die Verkündigung in der Missionspredigt wird Jesus ein zweites Mal Israel (und der gesamten Völkerwelt) als Messias angeboten, nachdem die Juden den Messias getötet hatten und damit der Welt ihren Führer und Retter vorläufig genommen hatten. Die Metanoia Israels hat konkret in der Umkehr und im Glauben an den auferweckten Jesus zu bestehen. Israel soll sich zu dem bekennen, den Gottes Heilswillen trotz des Tötungswillen der Juden nun zum Führer Israels erhöht hat. Es ist gerade diese Sünde Israels, den Messias Jesus getötet zu haben, die durch eine echte Umkehr zu diesem Messias Jesus hin vergeben wird. Die Retter-Funktion Jesu lädt dazu ein, ihn auch als Führer Israels anzuerkennen (274f).

Gott macht durch den auferweckten Jesus das Angebot an Israel, einem neuen Führer zu folgen, sich zu dem Auferstandenen als seinem Retter zu bekennen, um durch diese Hinwendung zu Jesus die von Gott geforderte Metanoia zu vollziehen. Die Sündenvergebung ist die Konsequenz der Metanoia zu Jesus. Der Auferstandene ist der von Gott gesandte Führer Israels, der sogar die Sünden vergeben kann, was bisher von keinem der Führer Israels ausgesagt werden konnte. Der 'Führer Jesus' ist ein erstmaliges Verkündigungsangebot an Israel, das alle bisherige Führererfahrung des auserwählten Volkes übertrifft, weil der Geber der Metanoia und der Sündenvergebung der Messias ist (275f).

Nach Apg 3,15 wurde mehr die Funktion des Auferstandenen als Führer ins Leben betont, nach Apg 5,31 wird die Erhöhung Jesu als Führer zur Metanoia und Sündenvergebung verkündet. An beiden Stellen ist im Kontext des Terms von der Metanoia Israels die Rede. Daraus spricht eine unlösliche Assoziation einerseits mit der Passio und Auferstehung Jesu, anderseits mit der eschatologischen Hoffnung Israels auf Sündenvergebung (276f).

Anstelle des Gesetzes als Führungsinstanz wird der auferstandene Christus als Führer zu Umkehr und Heil verkündet. Das vom Sinai her geltende Gesetz verliert sein Führungsmonopol zugunsten des von Gott gesandten Sohnes. Christus ist jetzt der endgültige eschatologische Heilsführer und Retter sowohl der Juden wie der Heiden. Der Nomos wird in seiner Qualität als gottesgesetztes Führungsmedium durch die lebendige Führungsfunktion des auferstandenen und erhöhten Christus abgelöst (277f).

Der erhöhte Auferstandene ist für Lk personidentisch mit dem getöteten irdischen Jesus. Die Funktion der Führung ins Leben, zur Umkehr und zur Sündenvergebung gründen für Lk im Lebenseinsatz des von den Juden getöteten Jesus. Durch die sprachliche Bezugnahme zwischen Passionserinnerung und eschatologisch-messianischer Titulatur verklammert Lk die Christusprädikation 'Archegos' als nachösterliches Interpretament mit dem vorösterlichen Jesusschicksal (278),