2. JESU KOMMEN, Tod und Erhöhung sind das eschatologische Ereignis

Mit dem Ostergeschehen beginnt das Wiederkommen Jesu (Erscheinungen) und das Zusichnehmen der Jünger

Die Verheißung vom Eingehen in die himmlische Welt, in das Vaterhaus Jesu

„… ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten…, damit ihr seid, wo ich bin“ (Joh 14,2f)

G. Fischer

(1) Die eschatologische Frage
(2) Das Wiederkommen Jesu in der Sicht der 1. und der 2. Abschiedsrede
(3) Ähnliche Vorstellungen im JohEv
(4) Joh 14,2f ein Teilaspekt der john Christologie

(1) Die eschatologische Frage

Gegen ein Parusieverständnis: Der Evangelist spricht vom Kommen Jesu in der Art seiner Eschatologie, die die Gegenwärtigkeit der eschatologischen Erwartungen hervorhebt. Für ihn erfüllte sich im Kommen Jesu als Offenbarer des Vaters bereits die Verheißung vom kommenden Menschensohn.

Es fehlt jeder Hinweis auf apokalyptische Vorstellungen (304).

Es ist zu bezweifeln, ob der Evangelist in 14,3 zum ersten und einzigen Mal und wider seine sonstige Tendenz eine Parusieaussage macht (21,22f ist spätere Ergänzung). Es ist fraglich, ob wir im JohEv überhaupt mit einer futuristischen Eschatologie rechnen können (6,39.40.44.54. vgl. 11,24; 12,48; 5,25.28f sind sekundäre Zusätze). Die zukünftigen Dinge spielen für Joh keine Rolle. Der Evangelist will in seinem Evangelium konsequent die Erfüllung eschatologischer Erwartung im Kommen, im Tod und in der Erhöhung Jesu darstellen und opfert darum alle futurisch-eschatologische Hoffnung diesem Konzept. Bei Joh kommt Jesus, um die Seinen zu sich zu nehmen. Das Vaterhaus Jesu ist dort, wo er hingegangen ist (305f).

Nach Joh werden die Jünger von Jesus selbst in dessen Vaterhaus geholt, auf dass sie mit Jesus beim Vater seien. Das Ziel ist der Vater, Jesus ist nur der Weg. Dieses Ziel ist oben, ist die himmlische Welt (308f).

Das „ich komme“ dient der Absicht des Evangelisten die künftige Vereinigung der Jünger mit ihrem Herrn beim Vater als ein Werk des erhöhten Herrn darzustellen. Zusammen mit „ich gehe“ entfaltet er das Trostmotiv unter christologischem Aspekt (310).

                   

(2) Das Wiederkommen Jesu in der Sicht der 1. und der 2. Abschiedsrede

Joh 14,2f muss aus der Sicht der Abschiedsreden gedeutet werden.

14,27b: „Nicht erschrecke euer Herz und nicht verzage es“! Wiederholt den Zuspruch von 14,1a: „Nicht erschrecke euer Herz“! und schließt damit die Rede ab. Die Hauptgedanken werden als Begründung des Zuspruchs wiederholt (28a): „Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: ich gehe hin und komme wieder zu euch“. In beiden Zusprüchen, sich nicht zu beunruhigen (1a und 27b) ist das „ich komme“ Teil der Begründung. Außerdem greift V 28b den für 14,2f so wichtigen Begriff des 'ich gehe hinauf', um die Mahnung, in der Stunde des Abschieds nicht zu verzagen, endgültig zu begründen (311).

Das „ich komme“ in den Abschiedsreden

a. 14,18-24: Die 1. Abschiedsrede

a. 14,18-24: Die 1. Abschiedsrede
b. 16,16-24: Die Parallele in der 2. Abschiedsrede
c. 14,3 in der Sicht der Abschiedsreden (Zusammenfassung)

14,18: „Nicht werde ich euch verwaist zurücklassen, ich komme wieder zu euch“. Das Motiv der Trennung, das in 13,33 die Abschiedsreden einleitet, das in 14,1f wieder erscheint und dann den Abschluss der Rede völlig gestaltet (14,25-31), wird mit V 18 wieder aufgegriffen und wiederum in 14,1ff durch die Verheißung eines Wiederkommens Jesu entschärft (312).

Jesus kommt wieder und hebt dieses Verwaistsein auf. 14,15-17 verspricht die Sendung des Parakleten. Es handelt sich um zwei Trostmotive verschiedener Tradition, die zusammengestellt werden, weil sie das gleiche Ereignis meinen, es aber unter verschiedenen Gesichtspunkten sehen. Es geht um das gleiche Ziel: die Jünger werden nicht allein sein (313f).

14,19: „Noch eine kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr, ihr aber seht mich, weil ich lebe und (auch) ihr werdet leben“ Die Zeit drängt. Der entscheidende Moment ist der Tod Jesu als das eschatologische Ereignis. Tod und Erhöhung stehen unmittelbar bevor. Während sich Jesus der Welt entzieht, werden ihn die Jünger sehen, denn er lebt und auch sie werden leben (314).

Es ist der Wille des Vaters, dass alle die an Jesus glauben, in ihm 'Leben haben' (3,16; 10,10; 17,2; 20,31). 'Durch Jesus leben' und 'in Jesus bleiben' sind ein und dasselbe. Das 'Leben haben' heißt mit Jesus verbunden sein. Das 'ihr lebt' bezeichnet das durch den Glauben bedingte neue Verhältnis der Jünger zu Jesus. Das 'Sehen' ist eine Gabe, die wie das Leben nur denen geschenkt wird, die glauben (316).

Ostern ist das erwartete eschatologische Ereignis. Nur Joh deutet das Geschehen als ein 'ich fahre auf zum Vater“ (20,17), indem er die Deuteworte der Auferstehungsengel bei den Synoptikern (Mk 16,6f parr) durch ein Jesuswort ersetzt, das das Ostergeschehen als eine Heimkehr in die Herrlichkeit beim Vater bestimmt. Nur Joh spricht vom Kommen des Auferstandenen (20,19.24.26) und erwähnt öfters den Friedensgruß (20,19.21.26). Er betont, dass die Jünger zum Glauben kamen (20,29) und preist die selig, die nicht sehen und doch glauben (20,29). Nur nach diesem Evangelisten empfangen die Jünger vom auferstandenen Jesus den heiligen Geist (20,22) (318).

14,20: „An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater (bin) und ihr in mir und ich in euch“. Die Zeit nach dem Tod Jesu hat endzeitlichen Charakter. Die Erkenntnis in V 20 bestimmt das neue Verhältnis der Jünger zu Jesus, denn sie erkennen, dass er in ihnen ist und sie in ihm. In der Weise des 'Erkennens' erfahren sie auch den Parakleten (14,17). 'Erkennen' ist ein Vorgang, der zu einer Art Gottes-bzw. Christusgemeinschaft führt (319f).

Im Gebet Jesu (17,21.23: „damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns eins sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst“) ist die Verbundenheit der Jünger mit Jesus und durch ihn mit dem Vater eine Gabe für die Gemeinde in der Welt, die in der Einheit untereinander gelebt werden muss, damit die Welt glaube. Nach 14,20 beginnt für die Jünger die Erkenntnis ihrer Existenz in Jesus mit den Osterereignissen (321).

14,18-20: Zusammenfassung

(1) Jesus kommt zu den Jüngern (V18)

(2) um in ihnen zu bleiben und mit ihnen aufs engste verbunden zu sein (V 20), so dass sie nich tmehr verlassen und verwaist in dieser Welt sind (V 18).

(3) Dieses Kommen vollzieht sich auf eine dem 'Kosmos' nicht fassbare Weise. Er, der das Leben in sich hat, schenkt den Jüngern dieses Leben (V 19), indem er ihnen in einer bisher nicht möglichen Weise gegenwärtig wird.

(4) Das Kommen Jesu, das den Jüngern das Leben schenkt und die Einheit wirkt, erfahren die Jünger nur im Glauben. Sie kommen zur Erkenntnis ihrer Existenz in Jesus (V 20). Auch den Parakleten können sie nur empfangen, weil sie ihn erkennen und sie erkennen ihn, weil er in ihnen ist (V 17).

(5) Die neue Jesuserfahrung beginnt mit den Osterereignissen. Die Erscheinungen des Auferstandenen (20,19-29) deuten die neue Gegenwart zeichenhaft an,

(6) insofern sehen ihn (nur) die Seinen. Als geistige Erfahrung des Glaubens ist dieses Sehen kein einmaliges Geschehen.

(7) Es handelt sich in den Verheißungen der 3 Verse um die neue beginnende eschatologische Zeit (V 20a), die für immer andauert (V 16c). Sachlich meint das Wirken des Parakleten nichts anderes.

(8) Um die neue Zeit, die mit den Osterereignissen beginnt, als eschatologische Zeit zu charakterisieren, verwendet das Evangelium eschatologische Ausdrücke der jüdisch-urkirchlichen Sprache: 'kurze Zeit' (16,16.17.18.19), das die unmittelbare Nähe andeutet und 'an jedem Tag', das das Motiv vom 'Tag Jahwes' aufnimmt. Durch die Kombination mit dem an Ostern erinnernden 'ihr seht mich' wendet er den Sinn von der Zukunft in die Gegenwart, in die des auferstandenen, bei Gott weilenden Herrn (321f).

                   

b. 16,16-24: Die Parallele in der 2. Abschiedsrede

(1) Vom Kommen Jesu ist nicht mehr die Rede. Wenn Jesus zum Vater heimgekehrt ist, kommt der Paraklet (15,26; 16,7f.13).

(2) Der eigentliche Gegensatz ist nicht mehr die Welt – Jünger, sondern die Erfahrung der Verlassenheit und die des Wiedersehens und der Freude.

(3) Der Wechsel von Trauer zur Freude, der Vergleich mit den Geburtswehen, zeigt, dass der Wendepunkt betont wird (322f).

(4) Dieser Wendepunkt ist Ostern: 'mikron', d.h. etwa die gleiche kurze Zeitspanne vor dem Tod Jesu wird auch nach seinem Tod erwartet, bis der Wendepunkt eintritt. Auch das 'Sehen' ist ein Erscheinungsterminus und verweist deswegen auf Ostern. Die Freude ist infolgedessen die Freude der Jünger in dieser Welt.

5) Das „ihr werdet mich sehen“ bzw. „ich werde euch wieder sehen“ (16,19.22) ist das Wiedersehen des Auferstandenen mit seinen Jüngern in den Erscheinungen. (In 14,19 dagegen meint das „ihr werdet mich sehen“ eine geistige, gnadenhafte Erfahrung).

(6) Das Wiedersehen eröffnet die neue Zeit der Freude. Von nun an werden die Bitten der Jünger erhört und wird ihre Freude vollkommen sein.

(7) In der Verheißung, dass aller Unruhe und allem Fragen durch das Wiedersehen ein Ende gesetzt wird, wird indirekt ein 'Erkennen' ausgesagt (323f).

                   


14,21-24 Das Leitmotiv ist die Christusliebe, die den ganzen Abschnitt (14,15.21.23f) einrahmt und prägt. Zwei Momente der Verheißung von 14,18-20 werden unterstrichen: a) Das verheißene Geschehen ist ein innerer Vorgang, der sich nicht auf eine bestimmte Zeit begrenzen lässt. b) Das Geschehen selbst hat eschatologischen Charakter.

14,21: Das „Ich komme zu euch“ (V 18) wird durch das „ich werde mich ihm offenbaren“ aufgegriffen und als ein Sich-Offenbaren des Herrn gedeutet. Dass es sich auch in 14,21 um ein äußerlich nicht erfahrbares Geschehen handelt, wird dadurch deutlich, dass wie in Weish 1,1f die Liebe als Bedingung genannt wird. Die Verheißung gilt dem einzelnen Jünger, der die Gebote hält. Die Liebe des Jüngers wird durch die Liebe des Vaters und Jesu beantwortet. Wenn der Evangelist in diese Wechselbeziehung von Liebe und Gegenliebe auch die Selbstoffenbarung Jesu als Folge des Jüngerverhaltens einführt, zeigt er, dass er das „ich werde mich ihm offenbaren“ nicht zeitlich begrenzt wissen möchte und darum an ein innerliches, im Glauben sich ereignendes Geschehen denkt (324f).

14,22 Die Offenbarung Jesu geschieht immer und jedem, der ihn liebt. Zu ihm werden der Vater und Jesus kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Die Frage des Judas verrät, dass der Evangelist Ostern als eschatologisches Ereignis versteht und zugleich um die Verborgenheit dieser Erfahrungen, die nur dem Glaubenden zugänglich sind, weiß. Jesus offenbart sich nur den Jüngern, weil diese Erfahrung nur im Glauben und in der Liebe möglich ist (326).

14,23: Wer das Wort Jesu hält und im Glauben verharrt, erfährt die dauernde Verbundenheit mit dem Herrn. Wer Jesus sieht, hat den Vater gesehen (14,9), wer Jesus hört, hat den Vater gehört (14,24). Die enge Verbundenheit mit Jesus ist zugleich die mit dem Vater ist (17,21b: „damit auch sie in uns seien“). Das Objekt der Gottesliebe ist in der Abschiedsrede auch der Jünger (14,21.23; 17,23). Offensichtlich werden nun auch die Jünger Jesu jener engen Beziehung zum Vater teilhaftig, die bisher nur dem Sohn zu eigen war (17,26). Von Gott geliebt werden und ihm in sich Wohnung geben, sind sachlich dasselbe. Das AT sieht im Kommen und Wohnungnehmen Gottes inmitten seines Volkes ein wichtiges Moment seiner endzeitlichen Hoffnung. Diese Erwartung ist hier spiritualisiert und individualisiert. Sie erfüllt sich im Glauben und im Leben aus dem Glauben des Jüngers. Der Evangelist will das Einwohnen Gottes als eschatologisches Ereignis verstanden wissen.

14,24 zeigt, dass sich Jesus der Welt nicht offenbaren kann, weil sie seine Wort nicht bewahrt, d.h. ihm nicht glaubt. Sie verschließt sich seinem Liebesgeschenk. Das Blindsein des Kosmos ist sein Gerichtetsein (9,39) (327f).

c. 14,3 in der Sicht der Abschiedsreden (Zusammenfassung)

Joh 14,3: "...ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin".

Die Untersuchung zu Joh 14,18-24 hat gezeigt, dass das „ich komme wieder“ in der ersten Abschiedsrede ein gnadenhaftes Kommen Jesu zu den Seinen meint, das nur im Glauben an ihn erfahren werden kann. Der Evangelist deutet Ostern als ein eschatologisches Ereignis und als eine permanente Erfahrung der Jünger. Durch sein Kommen stellt Jesus über seinen Tod hinaus die Verbindung mit den Seinen wieder her. Die Sendung des Parakleten und das Kommen Jesu sind zwei verschiedene Verheißungen, die sachlich dasselbe meinen. In der zweiten Abschiedsrede ist die kommende Zeit die des Parakleten. Jesus erfahren die Jünger nur zu Ostern. Mit der Ostererfahrung beginnt die neue Zeit der Glaubensgewissheit und der Gebetserhörung (16,23-27) (328).

Die Verheißungen sollen den Jüngern und somit der Gemeinde die kommende Situation erklären: Sie werden vor den Augen der Welt verlassen sein, in ihrer Glaubenserfahrung aber Jesus auf ganz neue Weise nahe sein. Diese neue Erfahrung ist die Tat des erhöhten, zum Vater heimgekehrten Herrn. Er kommt vom Vater (14,18), offenbart sich als der Erhöhte (14,21) und lässt seine Jünger ihre Verbundenheit mit ihm erkennen (14,20). In der Zusammenfassung der Rede (14,17b-28) wird das Wort vom Gehen und vom Kommen erneut zum Anlass genommen, das entscheidend Tröstende im Hingehen zum Vater darzustellen. Wenn sie an ihn glaubten und aus diesem Glauben lebten, freuten sie sich, dass er zum Vater geht, denn der Vater ist größer als er. Das Gehen Jesu zum Vater bedeutet für Jesus die Vollendung seines Weges. Da dies für die Jünger von größter Heilsbedeutung ist, ist die Freude zugleich die Erfahrung des eschatologischen Heils. In der zweiten Rede ist dieser Gedanke ganz deutlich: „Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Wenn ich nicht wegginge, würde der Helfer nicht zu euch kommen; wenn ich aber gehe, werde ich ihn euch senden“ (16,7) (328f).

Auch in 14,3 wir das Gehen zum Vater zum Leitmotiv der Aussage. Weil Jesus zum Vater geht, können auch die Jünger hoffen, dass sie einmal beim Vater sein werden: „ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin“ (14,3). Die Erhöhung des Menschensohnes ist die Voraussetzung dafür, dass, wer an ihn glaubt, das ewige Leben hat (3,14f) und dass Jesus als der Offenbarer des Vaters erkannt wird (8,28) und alle an sich ziehen kann (12,32). Das Wiederkommen und Zusichnehmen der Jünger ist die Tat des erhöhten Herrn, die mit dem Ostergeschehen beginnt (329f).

Für den Glaubenden ist der Tod nicht mehr Vernichtung und Gericht, sondern Leben, selbst wenn er gestorben ist. Was dieses Leben bedeutet, das beantwortet der Evangelist mit der Verheißung von 14,2f: Jesus nimmt die Jünger zu sich in das Haus seines Vaters, in die Herrlichkeit, die ihm von Anfang an zu eigen ist, und die er nun beim Vater wieder erhält. Jesus verheißt ihnen, dass sie kraft seines österlichen Wirkens sein Schicksal teilen werden (330f).

Wie die Verheißungen von 14,18-24 sich nicht in diesem irdischen Leben erschöpfen und eine Verbundenheit mit Jesus auch jenseits des Todes verheißen, so beginnt das Zusichnehmen bereits im Wiederkommen und Sich-Offenbaren Jesu. Es setzt mit Ostern ein und findet in der Doxa beim Vater seine Vollendung (14,6). Der Akzent von 14,2f liegt in der Vollendung der Jünger beim Vater jenseits des Todes, insofern hat auch der Jünger sein reales Ziel vor sich und eine wirkliche Zukunft, auf die er hoffen kann. Was sie jetzt erfahren, ist nur im Glauben gegeben und der Welt unzugänglich. Was einmal vor aller Welt offenkundig sein wird (1Joh 3,2), darf der Jünger im Tod schauen: die unverhüllte Doxa des Offenbarers (331f).

Das Heil ist in Christus gegenwärtig. Sein Tod und seine Erhöhung sind das eschatologische Ereignis. In der Lebensgemeinschaft mit dem auferstandenen Herrn wird das Heil schon erfahren. Die Vollendung des Heils liegt für den Evangelisten in der himmlischen Welt. An die Stelle der Parusie rückt die Verheißung vom Eingehen in die himmlische Welt, in das Vaterhaus Jesu. Die Jünger teilen Jesu Schicksal, dort, wo er ist, werden auch sie sein. Das ist möglich, weil Jesus den Weg zum Vater, in Tod und Erhöhung, gegangen ist. Der „Tag Jahwes“ ist schon da. Um jedes Missverständnis abzubauen, wird das „ich komme wieder“ (14,3) in V 18 nochmals aufgegriffen und als ein Geschehen dargestellt, das zu Ostern beginnt und sich in der himmlischen Welt vollendet (334).