9. Die Himmelfahrt Jesu vom Kreuz aus und der Auferstehungsglaube

Sind wir verpflichtet, an eine leibhafte Auferstehung Jesu zu glauben und dementsprechend an eine leibhafte Wiederkunft Jesu?

Heilige Dogmen: Damals wurde der Blindgeborene aus der Synagoge ausgeschlossen, weil seine Heilung am heiligen Sabbat geschah (Jh 9,34). Jesus sagt: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, nicht der Mensch um des Sabbats willen“ (Mk 2,27).

Heute wird jeden Ostern das Dogma von der leibhaften Auferstehung Jesu gefeiert, ritualisiert, obwohl der Hebräerbrief und das ursprüngliche Jh-Ev (Teil des NTs) diese Vorstellung nicht kennen und wir heute, im 21. Jh, in einem ganz anderen Weltbild leben. Wir streiten darüber, ob Jesus (seit jenem Ostern im Jahr 30) mit oder ohne Haut, Knochen und Sehnen 'lebt', ob sein Grab leer oder voll war. Jesus ist ans Kreuz gegangen, er hat den Leidensweg vollendet. Er erscheint Petrus und fragt ihn (Jh 21,15ff) und jeden Glaubenden: „Liebst du mich“? Liebst du mich, einen armen Prediger, der wehrlos gegenüber seinen Todfeinden gehorsam unter seinem himmlischen Vater den Weg in den Tod ging? Dies ist die einzig wichtige Osterfrage. Jesus hat mit seinen Jüngern zusammengelebt. Er hat sie nicht verpflichtet, Dogmen zu glauben.

Solus Christus und das Dogma vom leeren Grab Jesu?

Paulus weiß nichts von einem leer gefundenen Grab Jesu. Erst recht kennt er kein Dogma vom leeren Grab Jesu. Er schreibt den Korinthern: „Ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten“ (2Kor 2,2). Allein Jesus Christus, der Gekreuzigte, ist Verkündigungsinhalt. Ein Dogma ist kein Verkündigungsinhalt.

'Jesus predigte das Reich Gottes – gekommen ist die Kirche' und damit auch das Dogma (A. Loisy).

Die Osterbotschaft lautet: Christus 'lebt'! Christus ist der Herr! Das postmortale Leben Jesu wird im NT sowohl jüdisch als auch hellenistisch interpretiert.

Das Neue Testament beinhaltet sowohl die jüdische Diesseits-Eschatologie als auch die hellenistische Jenseits-Eschatologie (Hebräerbrief und ursprüngliches Johannesevangelium).

1. Die Auferweckung Jesu - ein transzendentes, rein jenseitiges Geschehen, erfahrbar nur im Glauben
1.1 Die Himmelfahrt Jesu von Kreuz aus
1.2 Transzendentale Entwürfe - Versetzung des Verstorbenen in den Himmel
1.3 Zu den Elia-Motiven in den Himmelfahrtsgeschichten des Lukas
1.4 Auferweckung und Erhöhung meinen im Urchristentum dasselbe Ereignis
Himmelfahrt und Erhöhung im Neuen Testament außerhalb der lukanischen Schriften
1.5 Sekundäre Umdeutung der ursprünglich eschatologischen Bilder der Drei-Tage-Worte Jesu

2. Auferstehung Jesu
2.1 War das Grab Jesu leer?
2.2 Zur Entstehung des Glaubens an die Auferstehung Jesu
2.3 Das Osterereignis entzieht sich jeder objektiven Feststellbarkeit
2.4 Schwierigkeiten mit der Auferweckung Jesu
2.5 Die Auferstehung Jesu war keine historische Tatsache, sondern ein Glaubensurteil 
2.6 Die 'Erscheinungen' Jesu 
2.7 Die Auferstehungsgeschichten und der christliche Glaube 
2.8 Der Bericht des Paulus (1Kor 15,3-11) und die Bedeutung der Verklärungsgeschichte für die Entstehung der zweiten Vision des Petrus

3. Wiederkunft Jesu

Die Umformung des Parusiegedankens im Hebräerbrief (→s. Text 5)

3.1 Die Parusie Jesu ist kein Ereignis in Raum und Zeit

Die Befreiung von Weltbild der Apokalyptik (→s. Text 10)

3.2 Anhang: Das Problem der Parusieverzögerung in den synoptischen Evangelien und in der Apostelgeschichte

Literatur

 

3.2 Kritik aller endgeschichtlichen Eschatologie
2.3 Anhang