2.4. Drei weitere Briefe an die Gemeinde Gottes in Korinth (2Kor)
Paulus kämpft um sein Apostolat

a. Die Gegner des Paulus in Korinth und der zweite Korintherbrief
b. Der zweite Korintherbrief – eine Briefkomposition
c. Anhang: Der 'Tränenbrief' (2Kor 10-13)

R. Pesch (1987)

a. Die Gegner des Paulus in Korinth

(1) Die Gegner des Paulus im 1Kor

Die Gegner des Apostels im 1. Brief, dem 'Vorbrief' (1Kor): In Ephesus erreichten Paulus Nachrichten über die Entwicklung der Gemeinde in Korinth, darunter auch Nachrichten über Gegner des Apostels innerhalb der Gemeinde. Aus dem Brief, den Paulus daraufhin nach Korinth schrieb, dem sog. 'Vorbrief' (1Kor 1,1 – 5,8 + 6,1-11), geht hervor, dass sich die Parteien, die sich auf Apollos oder Kefas beriefen, zumindest indirekt gegen Paulus wandten. Die Anhänger des Apollos scheinen Paulus vorgeworfen zu haben, dem Apostel mangele es an glänzender Rednergabe und der gelehrten Weisheitsrede (1Kor 2,1). Paulus rechtfertigt sich: „Meine Rede und meine Verkündigung bestand nicht in Überredung mit Weisheitsworten, sondern im Erweis von Geist und Kraft, damit euer Glaube sich nicht auf Weisheit von Menschen, sondern auf Gottes Kraft gründe“ (1Kor 2,4f). „Was bedeutet Apollos? Was Paulus? Diener sind sie, durch die ihr zum Glauben gekommen seid! Und jedem kommt die Bedeutung zu, die ihm der Herr gegeben hat“ (1Kor 3,5;  4,1-4). Paulus beansprucht (vermutlich in Abweisung von Ansprüchen der Kefas-Partei, die den Jerusalemer Erstapostel dem Spätling Paulus verziehen möchte) seine Autorität als Gemeindegründer: „Gemäß der Gnade Gottes, die mir verliehen wurde, habe ich wie ein weiser Architekt das Fundament gelegt...“ (1Kor 3,10). Durch die Gnade Gottes ist Paulus zum Apostel berufen worden. Deshalb kann niemand ihm sein Apostolat streitig machen. Schon im Präskript des 'Vorbriefes' hatte Paulus – in seinen Briefen erstmals – betont, dass er „Paulus, berufener Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen“ (1Kor 1,1) ist. Paulus weiß auch, dass zum Apostel die apostlischen Leiden gehören, dass „Gott uns Apostel als 'Letzte' erwiesen“ (1Kor 4,9) hat, dass sie „Toren um Christi willen“ sind (1Kor 4,10) (17f).

Paulus lässt sich nicht einschüchtern. Er kündigt der Gemeinde und damit auch seinen Gegnern seinen baldigen Besuch an. In den Mahnungen des 'Vorbriefes' macht er eindeutig von seiner apostolischen Autorität Gebrauch. Doch findet Paulus (das zeigt dann der 'Zwischenbrief') nicht in der ganzen Gemeinde in Korinth Zustimmung und Gefolgschaft. Die Spaltungen und Parteiungen in der Gemeinde haben deren Verhältnis zu ihrem Apostel beeinträchtigt. Auch wenn sich noch keine gegnerische Front mit klarem Profil abzeichnet, so sind doch die ersten Auseinandersetzungen (wenn die Aufgeblasenen in Korinth nicht umkehren) dazu angetan, eine solche Front aufzubauen und damit das Verhältnis zwischen dem Apostel und seiner Gemeinde schwer zu belasten. Paulus greift nicht umsonst im 'Vorbrief' zum ersten Mal zur Apologie, einer Verteidigungsrede (18).

Die Gegner des Apostels im 2. Brief, dem 'Zwischenbrief' (1Kor): Paulus hatte Timotheus mit dem 'Vorbrief' nach Korinth geschickt. Dessen Mission hatte keinen umfassenden Erfolg. Zwar hören wir fortan von der Spaltung der Gemeinde in Apollos-, Paulus- und Petrusanhänger nichts mehr, aber der Apostel hat weiterhin Gegner in Korinth, die verhindern, dass seine Weisungen in der Gemeinde angenommen und befolgt werden. Paulus hatte im 'Vorbrief' den Ausschluss des Blutschänders aus der Gemeinde verlangt (1Kor 5,2). Die Gegner des Apostels in Korinth hatten diese Weisung offenbar für weltfremd erklärt (1Kor 5,9). Die Gemeinde in Korinth war der Weisung des Paulus nicht gefolgt. Der Apostel musste sie im 'Zwischenbrief' wiederholen und präzisieren. Indirekt scheint er sich auch mit Gegner auseinanderzusetzen, die die Parole „Alles ist mir erlaubt“ (1Kor 6,12;  10,23) ausgeben und damit sowohl sexuelle Freizügigkeit als auch Freiheit im Genuss von Götzenopferfleisch propagieren. Die Gegner des Paulus in Korinth wird man am ehesten unter den gebildeten Gemeindegliedern zu suchen haben, die sich ihre 'Aufklärung' zugute hielten und übersahen, dass Gottes 'Aufklärung' sich in der Übung der Apage, der Bruderliebe, Bahn bricht (18f).

Die Gegner des Apostels im 3. Brief, dem 'Auferstehungsbrief' (1Kor): Im dritten Brief, den Paulus nach Korinth schickte, wird deutlich, dass inzwischen in die korinthische Gemeinde auch Leute gekommen sind, die den apostolischen Rang des Paulus in Frage stellten. Die Gegner, gegen deren Parolen sich Paulus verteidigt, scheinen Judenchristen zu sein. Vielleicht sind es diejenigen, die auch eine 'Kefas-Partei' veranlaßt hatten. Jedenfalls führen sie die Vergangenheit des Apostels als Verfolger der Kirche gegen seinen apostolischen Anspruch ins Feld. Paulus könne sich nicht ebenbürtig neben die Jerusalemer Apostel, nicht neben Kefas und Jakobus stellen. Paulus sei wie eine 'Mißgeburt' (1Kor 15,8) in die Kirche gekommen, die er verfolgt hatte (19f)!

Wenn Paulus „der geringste der Apostel“ (1Kor 15,9) war, „nicht würdig, Apostel gerufen zu werden“, dann konnte man die Autorität anderer Apostel, insbesondere die des Kefas, dem die erste Christophanie zuteil geworden war (1Kor 15,5), und die des Jakobus, der an der Spitze „aller Apostel“ (1Kor 15,7) rangierte, gegen Paulus ins Feld führen. Sein Apostolat verteidigt Paulus damit, dass auch er einer Christuserscheinung gewürdigt und darin zum Aposteln berufen wurde und dass sich sein Apostolat, das er der Gnade Gottes verdankt, in seiner Missionsarbeit als wirksam erwiesen hat: „Durch die Gnade Gottes aber bin ich, was ich bin, und seine Gnade für mich ist nicht umsonst gewesen, sondern mehr als sie alle habe ich mich abgemüht, nicht ich, sondern die Gnade Gottes in mir“ (1Kor 15,10). Die Gemeinde ist der Ruhm des Apostels, der Ausweis seines Apostolats. In der Uneinigkeit der Gemeinde in Korinth behielten die Gegner ihren Spalt, von dem aus sie gegen den Apostel agieren konnten (20).

Die Gegner des Apostels im 4. Brief, dem 'Antwortbrief' (1Kor): Dass die Gemeindemitglieder in Korinth sich in mancherlei Fragen nicht einig waren, zeigt der Brief mit den Anfragen, den Stefanas und seine Freunde gebracht hatten. Paulus nimmt im 'Antwortbrief' zu Fragen von Ehe und Jungfräulichkeit, des Götzenopferfleischessens, der Ordnung im Gottesdienst usw. Stellung. Aus den Erzählungen des Stefanas wird Paulus erfahren haben, dass die judenchristlichen Gegner des Paulus in Korinth noch keine Ruhe geben und auf die Verteidigung des Apostolats im 'Auferstehungsbrief' mit einem neuen Argument reagiert hatten: Paulus habe doch selbst dadurch bewiesen, dass er kein wahrer Apostel sei, dass er in Korinth sich seinen Lebensunterhalt mit Handarbeit selbst habe verdienen müssen, während ein echter Apostel die Anordnung des Herrn Jesus kenne und befolge, „dass die Verkündiger des Evangeliums vom Evangelium leben sollen“ (1Kor 9,14); so könne man es ja auch bei den „Brüdern des Herrn und Kefas“ sehen die als Apostel auch das Recht bezeugen, „eine Schwester als Frau mitzunehmen“ (1Kor 9,5) und sich von den Gemeinden mit unterhalten zu lassen (21).

Schon im 'Vorbrief' hatte Paulus sich verteidigt (1Kor 4,3f). Jetzt sieht er sich erneut zu einer „Verteidigung gegen die, die mich beurteilen“ (1Kor 9,3), veranlaßt. Er besteht darauf, dass er Apostel ist: „Habe ich nicht Jesus, unseren Herrn gesehen“? Er ist durch die ihm zuteil gewordene Christuserscheinung zum Apostel berufen worden! „Seid ihr nicht mehr Werk in Herrn“? Die Existenz der Gemeinde bezeugt das Apostolat des Paulus (1Kor 9,1f). Paulus besitzt das apostolische Unterhaltsrecht, aber um seiner Freiheit und der Freiheit des Evangeliums willen hat er darauf verzichtet, davon Gebrauch zu machen (1Kor 9,12). Der Apostel hat als echter Apostel „alles um des Evangeliums willen“ (1Kor 9,23) getan. Paulus sieht sich zunehmend herausgefordert, um sein Apostolat, um die Anerkennung seiner apostolischen Autorität zu kämpfen (21f).

(2) Die Gegner des Paulus im 2Kor

Die Gegnerschaft gegen den Apostel in Korinth wuchs: Zunächst muss er Missverständnisse ausräumen, die die Änderung seiner Reisepläne hervorgerufen haben (1,12-22). Paulus hatte, offenbar weil sein 4. Brief der 'Antwortbrief', seine Gegner noch nicht zum Einlenken bewogen hatte und vielleicht ebenfalls deshalb, weil inzwischen judaisierende Judenchristen, wie sie die galatischen Gemeinden bedroht hatten, auch nach Korinth gekommen waren, dort von Ephesus einen kurzen Zwischenbesuch gemacht, bei dem er sich nicht hatte durchsetzen können (2Kor 2,1-11;  7,5-12). Jetzt betont er: „Ich rufe aber Gott zum Zeugen an bei meinem Leben, dass ich, um euch zu schonen, nicht mehr nach Korinth gekommen bin. Wir sind ja nicht Herren über euren Glauben, sondern Mitarbeiter an eurer Freude“ (2Kor 2,23f) (22f).

Bei seinem Zwischenbesuch hat ihn offenbar aus der Mitte der Gemeinde „einer betrübt“ (2,5), vielleicht weil er den Gegnern den Zugang zur Gemeinde verschaffte. Leider sind die Passagen, in denen Paulus an den Zwischenfall in Korinth erinnert, für uns allzu dunkel. Merkwürdig ist, dass Paulus zwischen seiner Schilderung, wie er nach Troas und Mazedonien aufbrach und dort schließlich Titus wiedertraf (2,12f;  7,5-16), in 1Kor 2,13-7,4 erneut so ausführlich sein Apostolat bespricht und verteidigt. Offenbar ist ihm seine letzte, die dritte Apologie (1Kor 9) von den Gegnern als eine Selbsempfehlung ausgelegt worden. Der Apostel setzt sich zur Wehr: „Wir sind ja nicht wie die vielen, die das Wort Gottes verhökern; vielmehr: Wir reden wie aus Aufrichtigkeit, wie aus Gott und vor Christus“ (2,17). Wie in der Apologie (1Kor 9) betont Paulus erneut, dass er Kraft der Gande Gottes Apostel ist: „Nicht, dass wir von uns aus fähig sind, als könnten wir etwas als von uns aus machen – vielmehr stammt unsere Eignung von Gott. Er hat uns geeignet gemacht als Diener des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes“ (3,5f). Paulus muss sich gegen den Vorwurf der Hinterhältigkeit und der Heimtücke (4,2), der dunklen Verhülltheit seines Evangeliums (4,3) und der Selbstverkündigung (4,5) verteidigen; auch gegen den Vorwurf, der seine körperliche Schwäche gegen ihn wendet: „Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt“ (4,7). Der Apostel betont erneut, dass er sich nicht selbst empfiehlt (5,11), er ist durch seine apostolische Tätigkeit empfohlen: „... Vielmehr empfehlen wir uns in jeder Hinsicht als Diener Gottes, in viel Geduld, in Drangsalen ...“ (6,3ff) (23f).

Sehr ausführlich hat Paulus erneut sein Apostolat verteidigt (7,2). Dann (7,5-16) berichtet er von der Wiederbegegnung mit Titus, der gute Nachricht aus Korinth brachte, und kommt zweimal auf die Kollekte für die Jerusalemer Gemeinde zu sprechen (Kp 8 und 9). Dann jedoch (Kp 10-13) setzt er sich erneut mit Vorwürfen auseinander, und diesmal auch direkt mit Gegnern, die er nicht nur „gewisse Leute“ (10,2), „Leute, die sich selbst empfehlen“ (10,12) und sich „maßlos rühmen“ (10,13) und sich „überheben“ (10,14), nennt, sondern auch als solche bezeichnet, die „einen anderen Jesus verkündigen, den wir nicht verkündet haben“ (11,4), und als „Überapostel“ (11,5) und sogar als „Lügenapostel, heimtückische Arbeiter, die sich als Apostel Christi tarnen“ (11,13), als „Diener Satans“ (11,15). Diese Gegner sind solche, die die Gemeinde versklaven, ausbeuten und erpressen (11,20), die sich als „Hebräer-Istaeliten-Same-Abrahams“ brüsten. Offenbar sind es Leute, wie sie auch die Gemeinde in Philippi bedrohten, die von Paulus im 'Kampfbrief' an die Philipper bekämpft wurden. Sie scheinen sich auf besondere Offenbarungen, „Wunder und Machttaten“ (12,12) berufen und alte Vorwürfe gegen Paulus erneuert zu haben (24).

Es scheint sich um neue Gegner zu handeln, von denen Paulus neuerdings erfahren hat. In 2Kor 10,12-16 charakterisiert er sich als Missionare, die nach Korinth gekommen sind und hier Paulus dessen Apostolat und seinen Rang als Gemeindegründer steitig machen. Paulus gibt zu erkennen, dass sie „sich maßlos aufgrund fremder Bemühungen rühmen“ (10,15) und dass sie ihren „Ruhm ernten wollen nach einem fremden Maßstab und auf einem Feld, das schon bestellt ist“ (10,16). Hat Paulus die Nachrichten über sie erst erhalten als er 2Kor 1-9 schon geschrieben bzw. diktiert hatte (24f)?

b. Der zweite Korintherbrief – eine Briefkomposition

2Kor (7) Versöhnungsbrief
1,1-2 Präskript
1,3-11 Lobpreisung
1,12-24 Reisepläne
2,1-11 Rückblick
(5) Apologie 2,12-13 Aufbruch nach Troas
Dank an Gott 2,14-17
Empfehlungsbrief 3,1-3
Fortsetzung der Apologie 3,4  -  7,1
Bitte um Einvernehmen 7,2-4
7,5-16 Titus berichtet von Versöhnung
Kollekte 8,1-24
(6) Tränenbrief 9,1-15 Kollekte
Mahnung und Bitte  10,1-6  
Fortsetzung Tränenbrief 10,7  -  13,10  
Briefschluss 13,11-13  

 

c. Anhang: Der 'Tränenbrief' (2Kor 10-13) Der 6. Brief an die Gemeinde Gottes in Korinth

Als Titus und die Brüder, die mit ihm gefahren waren, aus Korinth zurückgekommen waren und Paulus darüber unterrichtet hatten, dass seine 'Apologie' in Korinth nichts ausgerichtet habe, dass es vielmehr den Gegnern des Apostels gelungen sei, die Mehrheit der Gemeinde gegen Paulus zu stimmen, hat sich Paulus zu einem raschen Besuch in Korinth entschlossen. Bei diesem Besuch, der wohl nur kurz gedauert hat und bei dem Paulus sich nicht durchsetzen konnte, hat der Apostel viel Betrübnis erfahren und in der Versammlung ungeschützt Unrecht hinnehmen müssen. Paulus wird bald in Ephesus zurückgewesen sein – und ist hier vielleicht bald in die Haft geraten, aus der er zwei Briefe an seine Lieblingsgemeinde in Philippi geschrieben hat. Ob der Apostel den 'Tränenbrief' noch vorher oder schon im Kerker verfasst hat, wissen wir nicht (122).

Im 'Tränenbrief' macht Paulus einen letzten Versuch, seine Gegner in Korinth in die Schranken zu weisen und seine Gemeinde wieder für ihren Apostel zu gewinnen. Erneut geht Titus nach Korinth, um das Schreiben zu überbringen und in der dortigen Gemeindeversammlung bzw. in den Versammlungen der Hausgemeinden verlesen zu lassen. Paulus bangt seiner Rückkehr entgegen; der Apostel erwartet seinen Mitarbeiter in Troas, schließlich in Mazedonien. Er weiß, dass er in seiner Polemik bis zum äußersten gegangen ist, als er „aus viel Drangsal und Herzensnot unter vielen Tränen“ (2,4) seinen 6. Brief „an die Gemeinde Gottes in Korinth“ schrieb. Über die Verteidigung der eigenen Person hinaus geht es um die Verteidigung der Wahrheit, bei Paulus: um sein Apostolat und um die Wahrheit des Evangeliums (122f).

10,1-6 Mahnung und Bitte: Gleich zu Beginn des Hauptteils des 'Tränenbriefs' setzt sich der Apostel mit Vorwürfen auseinander, die wohl im Zusammenhang des 'Zwischenbesuchs' in Korinth gegen ihn erhoben worden waren: In seinen Briefen, „aus der Ferne“, zeige sich Paulus „unerschrocken“ gegenüber der Gemeinde, aber „im persönlichen Umgang“ sei er „unterwürfig“ (10,1). Paulus bekräftigt, dass er auch im persönlichen Umgang in seiner apostolischen Verantwortung „so unerschrocken und fest aufzutreten“ vermag, wie es seinen Gegnern gegenüber angebracht ist, die ihm vorwerfen, er handle selbstbezogen-selbstsüchtig („nach dem Fleisch“). Freilich möchte Paulus zu solchem Auftreten nicht gezwungen werden (135f).

Paulus stellt sich nun als Kämpfer vor, dessen Waffen zu seinem Feldzug ihm von Gott zur Verfügung gestellt worden sind und die ihre Durchschlagskraft „zur Schleifung der Bastionen“ von daher haben. Paulus meint die Waffen der Glaubenserkenntnis und Glaubenseinsicht, mit denen er „jegliches Denken für den Gehorsam des Christus gefangen“ zu nehmen vermag. Erkenntnis Gottes ist ein Geschenk, das dem Demütigen zukommt, dem vertrauend Gehorsamen, dem, der „nicht nach dem Fleisch wandelt“ und sich durch seine Angst um sein Leben, die Sorge um seine Selbstsicherung nicht den Blick für Gottes überraschendes Handeln verstellt. Wenn Paulus zum dritten Mal nach Korinth kommt, wird er zeigen, dass seine schwache Existenz nicht „fleischlich“ bestimmt ist, sondern der Ort, wo Gottes Stärke sich auswirken kann – gegen die Feinde des Apostels, die auch Feinde Gottes sind, der Paulus zu seinem Gesandten gemacht hat. Die Waffen, die Paulus auf seinem Feldzug benutzt, sind die Früchte des Geistes: die wahre Erkenntnis und die freimütige Rede, die Offenheit und die Einfachheit. Sie zwingen nicht von außen, sondern ermöglichen den wahren Gebrauch der Freiheit im „Gehorsam des Christus“, der ganzen Zustimmung zum Willen Gottes (136f).

10,7-11 Ankündigung der tatkräftigen Stärke des Apostels: Die apostolische Vollmacht, derer sich der Apostel rühmt, ist die, „die mir der Herr zum Aufbau gegeben hat und nicht zur Zerstörung“. Die Korinther können „auf das schauen, was vor Augen liegt“: Auf die Gemeinde, auf deren Apostel, auf sich selbst. Paulus wird sich bei seinem dritten Besuch in Korinth „gewichtig und stark erweisen in der Tat“. Paulus wird – wenn es keinen anderen Ausweg gibt – die Gemeinde auflösen und lieber eine Spaltung in Kauf nehmen als die innere Zersetzung der Gemeinde, ihrer Gemeinschaft der Mitglieder untereinander und aller mit dem Apostel. Paulus ringt um sein Apostolat – und darin zugleich um die glaubwürdige Existenz der Gemeinde Gottes in Korinth (137f).

Paulus hat einen mit der Autorität des Völkerapostels konkurrierenden Anspruch der Gegner im Auge. Deshalb „rühmt“ er sich nun seiner eigenen „Vollmacht, die mir der Herr gegeben hat“, die sich auch darin als echt erweist, dass sie nicht wie die angemaßte Vollmacht der Gegner spalterisch und zerstörend wirkt. Der Abschnitt spiegelt, dass der Apostel, der in seinen früheren Briefen so klare Anweisungen für die Gemeinde gegeben hatte, sich bei seinem Zwischenbesuch nicht hatte behaupten und durchsetzen können (138).

10,12-18 Der Apostel empfiehlt sich nicht selbst: Mit scharfer Ironie (10,12) geißelt der Apostel das Verhalten derer, die sich deshalb für unvergleichlich halten, weil sie sich nur mit sich selbst vergleichen. Der Maßstab, das Kriterium der missionarischen Arbeit: Paulus hat in 1 ½ jährigen Mühen mit seinen Mitarbeitern die Gemeinde in Korinth gegründet; seine Gegner sind unbefugte Eindringlinge. Gott hat den urchristlichen Missionaren ihre Arbeitsfelder zugewiesen. Dass Paulus „bis zu euch hin gelangt“, bis nach Korinth gekommen ist, ist kein bloßer Zufall, sondern entspricht der Aufteilung von Judenmission und Heidenmission beim Jerusalemer Abkommen (Gal 2,1-10). Paulus hat sich an das Abkommen gehalten und in der heidnischen Welt missioniert. Seine judaisierenden Gegner, deren Missionsgebiet Palästina wäre, haben das Abkommen gebrochen (138f).

Paulus unstreitiger Anfangserfolg in Korinth bestätigt seinen Auftrag, der ihn nicht in die Maßstablosigkeit eines enthusiastischen Selbstgefühls entläßt, sondern ihm ein Ziel und eine Grenze vorgibt. Paulus hat sich auf die Erstmission spezialisiert und arbeitet nicht dort, wo vor ihm schon andere missionarisch tätig waren (Röm 15,20-24;  2Kor 10,16f). Paulus rühmt sich nach dem durch die Schrift (Jes 9,22f) verbürgten Maßstab Gottes. Die Gemeinde in Korinth selbst ist seine Empfehlung. Wenn die Gemeinde mit dem Apostel nicht einigt ist, wird diese Empfehlung geschwächt und hindert die weitere Mission. Paulus plant, nach Rom weiterzuziehen (Röm 15,23f). Deshalb schreibt er: „Wir haben die Hoffnung, dass wir, wenn euer Glaube wächst, bei euch nach unserem Maßstab überschwenglich gepriesen werden, so dass wir das Evangelium über eure Grenzen hinaus weiter verkünden können“. Paulus wird dann nach der Versöhnung mit der korinthischen Gemeinde im Winter 55/56 n.Chr. in Korinth seine Mission im Westen vorbereiten, die freilich durch seine Verhaftung in Jerusalem verhindert wird (139f).

11,1-6 Der Apostel eifert um seine Gemeinde: Der Apostel hat den Eifer Gottes um sein Volk übernommen, der eifersüchtig darüber wacht, dass sein Volk, seine Braut, nicht hinter fremden Göttern herläuft und ihm untreu wird. Er eifert als ein Brautwerber, der die Gemeinde als „reine Jungfrau“ dem Messias, ihrem „einzigen Mann“, anverloben möchte. Als Brautwerber trägt der Apostel die Verantwortung für die Unberührtheit der Braut. Er muss fürchten, dass die Gemeinde sich vom Widersacher verführen lässt, der durch die Gegner des Paulus wirkt und die Gemeinde zu täuschen sucht, wie die Schlange Eva. Paulus warnt seine Gemeinde vor einem schlimmen Fall: Wenn sie sich die Verkündigung eines „anderen Jesus“ zumuten und den Empfang eines „anderen Geistes“ vorspiegeln lässt – oder ein „anderes Evangelium“ (140)!

11,7-11 Der Apostel ist den Korinthern nicht zur Last gefallen: Paulus hat sich sogar 'erniedrigt', damit die Korinther 'erhöht' würden. Er meint: er hat mit seinen Händen gearbeitet, um ohne Inanspruchnahme seines apostolischen Unterhaltsrechts „umsonst das Evangelium Gottes“ zu verkünden. Schon im 'Antwortbrief' (1Kor 9), hatte der Apostel bestritten, dass er „einen Fehler gemacht“ habe, als er auf sein Recht verzichtete. Er spielt jetzt sarkastisch auf seine frühere Verteidigungsrede an, die seine Gegner verdreht hatten, als sie die in 11,8 zitierte Parole ausgaben: „andere Gemeinden hat er ausgeplündert, als er Geld von ihnen nahm für den Dienst bei euch“. Damit waren die Korinther gewarnt, der Apostel könne sie ähnlich ausnutzen wie die Gemeinden Mazedoniens. Paulus ist zunächst daran interessiert festzuhalten, dass er in Korinth niemandem „zur Last gefallen ist“ und „es auch weiterhin nicht tun werde“. Er hat sich von den Gemeinden Mazedoniens unterstützen lassen, aber nicht von den Gemeinden „im Gebiet von Achaia“. Wenn die Korinther seine Zuwendung nicht anerkennen, kann er sie ihnen nicht mit Worten demonstrieren. Der Verzicht auf das apostolische Unterhaltsrecht war für Paulus keine Nebensache. Er kann sich nur dann bezahlen lassen, wenn ihn dies nicht in Abhängigkeit bringt (141).

11,12-15 Gegen die Lügenapostel: Die Gegner des Apostels suchen jede „Gelegenheit, damit sie sich rühmen“ und Paulus herabsetzen können. Sie möchten Paulus dahin treiben, doch sein apostolisches Unterhaltsrecht in Anspruch zu nehmen. So hätten sie ihm einen heimlichen Vorrang entwunden, der ihn im Vergleich mit ihnen auszeichnet. Aber dazu lässt Paulus es nicht kommen. Mit schärfsten Worten attackiert er sie wegen ihres doppelbödigen Spiels (142).

11,16-33 Der Ruhm des Apostels: Jetzt hält er seine 'Narrenrede': „Was ich sage, sage ich nicht im Sinne des Herrn, sondern wie im Unverstand im Zustand des Rühmens“. Paulus ist den Korinthern gegenüber nach dem gescheiterten Zwischenbesuch im 'Tränenbrief' nur noch das Mittel bitterer Ironie zur Verfügung geblieben. In 2Kor 10,17 hatte Paulus nur das Rühmen „im Herrn“ als angemessen zugelassen. Im Blick auf seine 'Narrenrede', die ihm abgenötigt wird, stellt er jetzt fest: „Was ich sage, sage ich nicht im Sinne des Herrn, sondern wie im Unverstand des Rühmens“ (11,17). Die Gegner „rühmen sich nach dem Fleisch“, sie beeindrucken offenbar die Korinther mit ihren Hinweisen auf ihre Vorzüge, deshalb muss Paulus sich nun auch rühmen, da die Gemeinde selbst seine Vorzüge nicht erkannt hat und rühmt. Sarkastisch gibt er ihnen zu verstehen, dass sie sich in ihrer Selbstüberschätzung an die Gegner des Apostels, die geschickt vorgehen, ausgeliefert haben: Sie ertragen von den Gegnern, die sie ausnutzen, Versklavung (während Paulus die Freiheit brachte), Ausbeutung (während Paulus ihnen nicht zur Last fiel), Erpressung (während Paulus nur Bittsteller war) und verbale Hiebe ins Gesicht (während Paulus immer um die Gemeinde warb). In den Augen der Gegner ist 'Schwäche' nicht die Einbruchstelle der Macht Gottes, sondern – wie Paulus erneut sarkastisch feststellt – eine Schmach. Paulus hat sich bei seinem Zwischenbesuch nicht einfach alles gefallen lassen, nicht einfach alles ertragen! Als 'Narr', im Unverstand, kann er sich aber mit seinen Gegnern messen, sich mit all den Vorzügen brüsten, mit denen sie prahlen (143f).

Die Gegner kennzeichnen ihr missionarisches Selbstbewusstsein mit dem Titel 'Diener des Messias'. Paulus nimmt diesen Dienst für sich in außergewöhnlichem Maß in Anspruch: „Ich rede ganz unverständig – ich noch mehr“! Paulus legt das 'Mehr', das ihn als 'Diener Christi' auszeichnet, auf seine apostolischen Leiden hin aus: Die Mühsale, Einkerkerungen, die empfangenen Prügelstrafen, usw. Fünfmal erhielt er die synagogale Prügelstrafe, „Vierzig weniger einen“ Hieb; dreimal wurde er von römischen Behörden ausgepeitscht; in Lystra (Apg 14,19) wurde er gesteinigt; dreimal erlitt er Schiffbruch. Jedesmal war Paulus dabei in Todesgefahr, denn auch eine Auspeitschung konnte mit dem Tod des Geschlagenen enden. Auf seinen Missionsreisen war der Apostel ständigen Gefahren ausgesetzt; von reißenden Flüssen, den Reisenden auflauernden Räubern, von den Juden in den hellenistischen Städten (die Paulus wie in Saloniki oder Beröa vertrieben und ihn in Korinth vor Gericht schleppten), von den heidnischen Behörden und dem Mob in den Städten, der gegen Paulus aufgehetzt werden konnte. Schließlich nennt Paulus die schlimmste: die „Gefahr unter Falschbrüdern“. Dann erwähnt er noch die aufreibende Last seiner apostolischen Arbeit: „der tägliche Andrang zu mir, die Sorge für alle Gemeinden“. Täglich beschäftigt ihn die Schwäche von Gemeindemitgliedern, der Eifer, mit dem er jeden begleitet (144f).

Paulus deutet selbst den Kontrast seiner 'Narrenrede' zur üblichen 'Ruhmesrede': „Wenn man sich rühmen muss, will ich mich meiner Schwachheit rühmen“. Das Leiden ist die Wahrheit, die Realität seiner apostolischen Existenz. Paulus hatte aus Damaskus fliehen müssen und war in einem Korb durch die Mauer herabgelassen worden. Paulus war in Damaskus bekehrt worden und dann in der 'Arabia' (Gal 1,17), im Gebiet des Aretas missionarisch tätig, bis er aus Damaskus vertrieben wurde. Paulus hat nicht das Leiden oder das Martyrium gesucht; sein Leben gehört dem Dienst an der Gründung, der Konsolidirerung und dem Wachstum seiner Gemeinden (145f).

12,1-10 Der Apostel rühmt sich seiner 'Gesichte und Offenbarungen des Herrn': Die ekstatischen Erlebnisse, Erfahrungen und Visionen, mit denen die Gegner sich in Korinth brüsten und die Paulus selbst auch erfahren hat, die zum konkreten, mühseligen Gemeindeaufbau wenig betragen, wenn sich die Ekstatiker nicht ganz in den missionarischen Dienst nehmen lassen. Paulus hatte von seinen ekstatischen Erfahrungen nie gesprochen, die Gegner hatten ihn deshalb wohl abqualifiziert. So sieht sich der Apostel genötigt, sich zu rühmen. Auch er ist ein Visionär. Vor 14 Jahren, Anfang der vierziger Jahre, hat Paulus eine Entrückung „in das Paradies“ erfahren, „bis in den dritten Himmel“. Er hat dort die Engel oder Gott selbst reden gehört: „unausprechliche Worte“. Er ist außer sich, in tiefere Erkenntnis Gottes eingeführt worden. Paulus könnte sich solcher Erlebnisse rühmen, aber er verzichtet darauf, „damit niemand von mir höher denkt über das hinaus, was er an mir sieht und von mir hört“. „Meiner selbst will ich mich nicht rühmen, es sei denn meiner Schwachheiten“ (146f)!

Paulus kommt auf eine Schwäche, wohl eine chronische Krankheit, gesondert zu sprechen: „Damit ich mich der einzigartigen Offenbarung wegen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gegeben, ein Bote Satans, dass er mich züchtige, damit ich mich nicht überhebe“. Paulus versteht die Krankheit, unter der er leidet und wegen der er schon zum 'dreifachen' Gebet Zuflucht nahm, als eine Hilfe gegen die Gefahr der Überhebung, sie setzt ihm Grenzen. Paulus hat den Herrn sagen hören: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn die Kraft kommt in der Schwachheit zum Ziel“. Gottes Kraft hat ihre Wirkung in der 'Schwachheit' des Menschen, damit sie nicht mit menschlicher 'Kraft' verwechselt werde. Paulus hat dieses Maß übernommen: „Viel lieber will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi sich auf mich herabläßt. Deshalb sage ich Ja zu den Schwachheit...“. „Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark – weil ich dann Gott handeln lasse“ (147f).

12,11-21 Der Apostel verteidigt sich erneut: Ich bin unverständig geworden“, er sah sich durch die Korinther dazu gnötigt: „Denn ich sollte eigentlich von euch empfohlen werden“. Stattdessen hatten die Gemeindemitglieder in Korinth nicht verhindert, dass Paulus angegriffen und bei seinem Zwischenbesuch schwer beleidigt wurde. Sie hatten die Gegner, jene 'Überapostel', nicht in die Schranken gewiesen, sondern geduldet, dass sie Paulus als eine 'Null' verspotteten. Paulus erinnert die Korinther an die 'Wunder', die er gewirkt hat: „Die Zeichen des Apostels werden bei euch in aller Geduld gewirkt, mit vielen Wundern und Machttaten“ (Krankenheilungen, Dämonenaustreibungen, wunderbare Bekehrungen). Paulus hat die wunderbaren Taten „in aller Geduld gewirkt“, nicht um sich hervorzutun, sondern um dem Evangelium zum Sieg zu verhelfen, um die Realität der Herrschaft Gottes und seines Messias zu erweisen (149).

Auch beim bevorstehenden dritten Besuch, den Paulus ankündigt, wird er der Gemeinde „nicht zur Last fallen“. Wie er schon im 1.Brief, dem 'Vorbrief' ausgeführt hatte, weiß er sich als „Vater“ der Gemeinde (1Kor 4,14f). Deshalb sorgt er für sie wie die Eltern für ihre Kinder. Er dürfte, da er seine Liebe der Gemeinde geschenkt hat, eigentlich deren Antwort erwarten: „Soll ich weniger geliebt werden“? Wenn die Korinther die Vorwürfe der Gegner des Apostels prüfen, finden sie keinen Anhaltspunkt, der die bösen Verdächtigungen rechtfertigen könnte. Paulus hat die Gemeinde nicht „mit List für sich eingenommen“, sondern alles getan, um die Gemeinde aufzubauen, die Versammlung und die Lebensgemeinschaft derer, die er nun „Geliebte“ nennt (149f).

Paulus ist, als er den 'Tränenbrief' schreibt, noch unsicher, ob die Gemeinde umkehren wird, so dass er sie so antrifft, dass er nicht von seiner apostolischen Strafautorität Gebrauch machen muss, mit der er diejenigen aus der Gemeinde ausschließen würden die sich der Herrschaft von „Streit, Eifersucht, Zornausbrüchen, Ehrgeiz, Verleumdungen, übler Nachrede, Aufgeblasenheit und Verwirrung“ unterwerfen, statt der Herrschaft Gottes in der Agape. Wenn er zum dritten Mal kommt und die Gemeinde in einem desolaten Zustand antrifft, dass sie den Namen „Gemeinde Gottes“ nicht mehr verdient, dann wird Gott ihn demütigen. Der 'Tränenbrief' ist in großer Anspannung geschrieben – und Paulus blieb, wie der 'Versöhnungsbrief' zeigen wird, in dieser Anspannung, bis er in Mazedonien Titus traf, der den 'Tränenbrief' nach Korinth überbracht hatte (150f).

13,1-4 Ankündigung des dritten Besuchs: Paulus wird der Gemeinde bei seinem dritten Besuch „eine Bestätigung dafür, dass durch ihn Christus spricht“, geben. In der Schwäche des Apostels wird die Macht Gottes zum Zuge kommen. Paulus hat die Zuversicht, dass Gott durch ihn wirken wird, auch wenn er einen Teil der Gemeinde strafen muss (151).

13,5-10 Mahnung und Fürbitte: Zum Schluss ruft Paulus die Korinther zur Selbstprüfung auf: „Befragt euch selbst, ob ihr im Glauben seid“! Der Gemeinde ist die Gabe der Unterscheidung der Geister gegeben. Wenn die korinthische Gemeinde im Glauben Stand gewonnen hat, dann weiß sie, dass sie dies ihrem Apostel verdankt. Paulus betet für die Bewährung der Gemeinde, die Gutes tun und sich darin vor Gott bewähren soll. Paulus geht es nur um das Evangelium, und deshalb vermag er nur etwas „für die Wahrheit“, die durch die Schwäche des Apostels nicht widerlegt wird, weil diese von Gott gerade zum Ort der Entfaltung Seiner Kraft gewählt wurde (152).

Jetzt schreibt Paulus „abwesend“ von den Korinthern, seinen 'Tränenbrief', der seine Anwesenheit ersetzen und zugleich vorbereiten muss: den dritten Besuch bei der Gemeinde. Durch den Brief erhält die Gemeinde noch eine Umkehrchance. Paulus hat die Hoffnung, seine Gemeinde bei seinem dritten Besuch wieder als apostolische „Gemeinde Gottes“ anzutreffen (154).

13,11-13 Der Briefschluss: Paulus, der um die 'Instandsetzung' der Gemeinde betet – sie ist Gottes Werk, mahnt jetzt: „Lasst euch instand setzen“! In der Gemeinde darf kein Streit mehr entstehen, sie muss Frieden halten, dafür sind alle verantwortlich. Gott ist ein Gott der Agape und des Friedens – und er „wird mit euch sein. Die Gemeinschaft möchte der Apostel seiner Gemeinde und jedem einzelnen in ihr erhalten, deshalb schreibt er ihr den 'Tränenbrief' – und deshalb ringt er um sein Apostolat, weil ihm das Wort der Versöhnung anvertraut ist (154).