3.3 Der Brief nach Rom (8,3; 9,5)

Die Sendungsaussage Röm 8,3

“Weil das Gesetz, ohnmächtig durch das Fleisch, nichts vermochte, sandte Gott seinen Sohn in der Gestalt des Fleisches, das unter der Macht der Sünde steht, zur Sühne für die Sünde, um an seinem Fleisch die Sünde zu verurteilen“. Hier geht es um eine Aktion Gottes zugunsten des Menschen angesichts der Unmöglichkeit und Unfähigkeit des Gesetzes. An beiden Orten (Röm 8,3 und Gal 4,4) steht die Vorstellung vom 'Loskauf' als Wirkung der Sendung des Sohnes an den Sündern, die unter der Herrschaft des Gesetzes stehen. Diese sündhafte Existenz kommt in Röm 8,3 dadurch radikaler zum Ausdruck, dass die Realität der Herrschaft des Gesetzes 'im Sündenfleisch' und die Sühnewirkung des Todes Christi mit 'für die Sünde' ausdrücklich genannt ist. Der Akzent dieser Stelle ist soteriologischer, nicht protologischer Natur (386f).

Ein Loblied auf Christus als Gott (Röm 9,5)?

Der Text kann so übersetzt werden: “...sie (die Isrealiten) haben die Väter und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus, der über allem als Gott steht, er sei gepriesen in Ewigkeit. Amen“ (9,5). Damit wäre ein Lob auf Jesus Christus als Gott ausgesprochen. Der Text kann aber auch so übersetzt werden: “Ihnen gehören die Väter und von ihnen stammt auch Christus seiner leiblichen Herkunft her ab – Gott, der Herr über das All, sei hoch gepriesen in Ewigkeit. Amen“. Damit würde das Lob Gott alleine gelten (387).

Jesus Christus ist bei Paulus im Wesentlichen der erhöhte Herr, der durch Gott in seine göttliche Würde nach der Auferstehung eingesetzt wurde. Jesus Christus ist der erwartete Richter, dessen Ankunft, dessen 'Tag' Paulus erwartet. Christus ist der Sohn Gottes, dessen ganzes Leben als Sendung, Liebe und Hingabe 'für uns' verstanden werden darf und durch den Gott die neue Existenz des Menschen begründet. (In 1Kor 15,28 hatte Paulus die Unterordnung Christi unter Gott emphatisch herausgestellt) (388).

Es ist unwahrscheinlich, dass Paulus in dem unmittelbaren Kontext von 9,5, in dem er sein Christsein als Jude Juden gegenüber zu rechtfertigen beabsichtigt, von Christus als Gott gesprochen haben soll. Hier kommt alles auf die Segnung Israels an. Röm 9,5 dürfte als Lobpreis des Vaters wegen der Erwählung Israels zu verstehen sein (388).

Für Paulus ist Christus der 'Herr', ein vieldeutiger Begriff, den Paulus offenbar schon übernimmt und der in der palästinensischen und der frühen hellenistischen Gemeinde bereits eine Vorgeschichte hat. Vereinzelt werden auch andere Begriffe auf Jesus angewandt (z.B. Bild Gottes). Immer spiegelt sich in ihnen das Bestreben, die 'Verwandtschaft' Jesu mit Gott auszudrücken, ohne jedoch zu einer Identifikation zu gelangen. Für Paulus besteht das Problem, die Größen Gott, Christus, Geist aufeinander zu beziehen und doch ihren Eigencharakter nicht zu verwischen. Seit seinem Damaskus-Erlebnis konnte Paulus Gott, den Vater, nicht mehr ohne Jesus, den Sohn verstehen (389f).